Eine Gruppe von Ökonomen aus Europa und den USA hat in einem Aufruf die Europäische Zentralbank (EZB) gegen Kritiker aus Deutschland in Schutz genommen. Die Angriffe gegen die Zentralbank seien "substantiell falsch" und "schädlich für Europa und die Weltwirtschaft", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben, das ZEIT ONLINE vorliegt.

Angestoßen wurde der Aufruf von fünf Ökonomen, darunter auch dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, und der früheren Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro. Bislang haben nach Angaben des DIW weltweit mehr als 100 Ökonomen den Anruf unterzeichnet, darunter auch Nobelpreisträger für Ökonomie.

Die Unterzeichner halten den Kritikern vor, ein "falsches Verständnis" von den Aufgaben einer Zentralbank zu haben. Die EZB müsse zu jeder Zeit sicherstellen, dass ihre geldpolitischen Instrumente wirksam bleiben – selbst wenn dafür "unkonventionelle" Mittel zum Einsatz kommen müssten. Sonst könne sie ihr Mandat nicht erfüllen, heißt es in dem Schreiben.

Der EZB sei es gelungen, die Liquidität zu verbessern, einen Bank-Run zu verhindern, Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten zu reduzieren, die Fremdkapitalkosten für Staaten, Banken und Unternehmen zu senken, und das Vertrauen in die Nachhaltigkeit des Euros und die Aussichten der Wirtschaft im Euro-Raum zu verbessern, ohne "auch nur einen Euro auszugeben". Die positiven Effekte dieses Eingriffes habe nicht nur den Krisenländern geholfen, sondern auch Deutschland.

Zugleich äußern die Ökonomen die Befürchtung, dass der Handlungsspielraum der EZB wegen des deutschen Widerstands eingeschränkt werden könnte. Jeder Versuch, die "Flexibilität und Unabhängigkeit" der Zentralbank zu bescheiden, werde das Risiko erhöhen, dass sich Europas Krise verschärft, heißt es in dem Schreiben.