Euro-Krise : Ökonomen verteidigen EZB-Strategie

Eine Gruppe von Ökonomen wendet sich in einem Aufruf gegen die deutsche Kritik an der Europäischen Zentralbank. Die Einwände seien "schädlich" für Europa.

Eine Gruppe von Ökonomen aus Europa und den USA hat in einem Aufruf die Europäische Zentralbank (EZB) gegen Kritiker aus Deutschland in Schutz genommen. Die Angriffe gegen die Zentralbank seien "substantiell falsch" und "schädlich für Europa und die Weltwirtschaft", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben, das ZEIT ONLINE vorliegt.

Angestoßen wurde der Aufruf von fünf Ökonomen, darunter auch dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, und der früheren Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro. Bislang haben nach Angaben des DIW weltweit mehr als 100 Ökonomen den Anruf unterzeichnet, darunter auch Nobelpreisträger für Ökonomie.

Die Unterzeichner halten den Kritikern vor, ein "falsches Verständnis" von den Aufgaben einer Zentralbank zu haben. Die EZB müsse zu jeder Zeit sicherstellen, dass ihre geldpolitischen Instrumente wirksam bleiben – selbst wenn dafür "unkonventionelle" Mittel zum Einsatz kommen müssten. Sonst könne sie ihr Mandat nicht erfüllen, heißt es in dem Schreiben.

Der EZB sei es gelungen, die Liquidität zu verbessern, einen Bank-Run zu verhindern, Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten zu reduzieren, die Fremdkapitalkosten für Staaten, Banken und Unternehmen zu senken, und das Vertrauen in die Nachhaltigkeit des Euros und die Aussichten der Wirtschaft im Euro-Raum zu verbessern, ohne "auch nur einen Euro auszugeben". Die positiven Effekte dieses Eingriffes habe nicht nur den Krisenländern geholfen, sondern auch Deutschland.

Zugleich äußern die Ökonomen die Befürchtung, dass der Handlungsspielraum der EZB wegen des deutschen Widerstands eingeschränkt werden könnte. Jeder Versuch, die "Flexibilität und Unabhängigkeit" der Zentralbank zu bescheiden, werde das Risiko erhöhen, dass sich Europas Krise verschärft, heißt es in dem Schreiben.

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Kommentare

96 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

"Deutschland war die ersten Jahre im Euro-Gebiet der sogenannte

"kranke Mann" Europas. Wir hatte das langsamste Wachstum in der Eurozone und eine hohe Arbeitslosenzahl."

Nach 6 Jahren Dauerkrise können Sie mal anfangen, die Interpretationen der Leitmedien zu hinterfragen.

Als Deutschland der "kranke Man Europas" war, war Deutschland das im Vergleich zu den Ländern, die gerade ihre Blasenwirtschaft aufpumpten. Also z. B. Irland und ganz speziell Spanien.

Heute wird der damalige Bauboom in Spanien ganz anders interpretiert. Sie dürfen nur nicht darauf warten, dass Ihnen Eins und Eins von den Wirtschaftsredakteuren der Leitmedien zusammengezählt wird. Das müssen Sie sich schon selber bemühen.

Die gesamtwirtschaflich ziemlich unvernünftigen Liberalisierungen durch die Schrödersche Agenda-Politik hat zwar zu tollen deutschen Exporten geführt, leider wird den Euro-Krisenstaaten ihre Gesundung dadurch aber auch doppelt so schwer gemacht. Das Geld das die deutschen Unternehmen die letzten zehn Jahre mehr verdient haben, darf der deutsche Steuerzahler nun wieder denen zuschießen, die auf Pump gekauft haben und nun mit partiellen Schuldenschnitten am totalen Absaufen gehindert werden.

Natürlich gibt es in dem Spiel Profiteure, natürlich wird diese Irrsinnspolitik so lange es irgend geht, noch weiter verfolgt, aber wenn sie selber ein normaler Steuerzahler sind, zwingt sie keiner das gut zu finden und nicht mal _selber_ zu durchdenken.

Faktencheck

Deutschland hatte nicht nur im Vergleich zu den "Blasenwirtschaften" ein schwaches Wirtschaftswachstum, sondern auch im historischen Vergleich!

Das Wirtschaftswachstum lag 2000-2005 im Schnitt bei 0,6%

http://wko.at/statistik/e...

Einer der Hauptgründe dafür dürfte auch der starke -durch den Euro beförderte- Kapitalabfluss in die von Ihnen erwähnten "Boomstaaten" sein.

@ 59: Armes Deutschland

Sie wissen aber schon, dass Koinzidenz nicht gleich Kausalität bedeutet? Allein die Tatsache, dass das Vermögen von Privathaushalten in Deutschland niedriger ist besagt erstmal gar nichts.

Zur Vergleichbarkeit der Werte (eine Auswahl):

- Abgrenzung Inländer/Ausländer: in der Studie wurde das Wohnsitzprinzip verwendet, in Spanien wohnender vermögender Deutscher wurde dem spanischen Vermögen zugeordnet.
- Analysezeitraum: die Befragung in Spanien war vor dem Höhepunkt der Finanzkrise, so dass die Befragten noch die "Blasenpreise" ihrer Häuser angegeben haben
- unterschiedliche Rentensysteme: die durchschnittliche Rente ist in Deutschland ca. 350 EUR höher. Gleichzeitig liegt der "Globalbeitrag" für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung statt wie in Deutschland bei 36,45% in Spanien bei 28,3%. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt in Spanien bei ca. 2500 EUR. Bei gleichem Einkommen hat ein Spanier also 1. mehr Geld für die private Altersvorsorge und 2. auch mehr Bedarf dafür. Stecken Sie jeden Monat 300 EUR mehr in die private Altersvorsorge, ergibt sich z.B. nach 20 Jahren ohne jegliche Verzinsung schon ein zusätzliches Vermögen von 72.000.
- Haushaltsgröße: die Haushaltsgröße beträgt in Spanien 2,7 Personen, in Deutschland 2,0. Der vergleichbare Wert zu den 182.700 wären also 69.390.

Betrachtet man Durchschnitt statt Median ändert sich das Bild. Es ist aber nicht Schuld des €, dass in D die Vermögensverteilung immer ungleicher ausfällt.

Eigentlich dachte ich, ich hätte es verständlich erklärt, aber

na gut.

Als Deutschland "der kranke Mann Europas" betitelt wurde, wurde Deutschland mit Ländern wie Irland oder Spanien verglichen, wo gerade die Bauboomblasen aufgebaut wurden, die den Ländern ein paar Jahre später ohne unsere Finanzhilfe das Kreuz gebrochen hätten. Dort wurden mit finanztechnischen Testosteronspritzen (geliehenem Geld) Wirtschaftsbereiche aufgeblasen, die für die Länder völlig überdimensioniert waren (Blasenwirtschaft).

Der Vergleich war also: künstlich aufgeblasenes Wirtschaft dort gegenüber nicht künstlich aufgeblasener Wirtschaft in Deutschland. Ergebnis: Die künstlich aufgeblasene Wirtschaft erschien den "Experten" beeindruckender.

Deutschland wurde zB auch mit England verglichen, die ihre Finanzwirtschaft zu Lasten der Industrie förderten.

Deshalb deregulierte Deutschland den Finanzmarkt, was vielen Banken ermöglichte, die berühmt berüchtigten Subprime Hypothekenpapiere zu kaufen und an ihre Kunden weiterzuverkaufen. Zur Erinnerung, das sind die Papiere. die dazu führten, dass in Amerika viele Menschen ihren letzten Cent verloren und auf die Straße gesetzt wurden. Das sind die Papiere, die nach 2007 in den Depots der Banken und Bankkunden implodieren und bis heute für Milliardenverluste sorgen.

Sie müssen nur die Ergebnisse der Deregulierung ansehen. Wenn jetzt der deutsche Export gelobt wird, wir nicht beachtet, dass wie in USA oder in Griechenland die Schuldner nicht mehr solvent sind oder auch zunehmend billige Arbeit in Deutschland entsteht.

Die Zinsen sind seit Jahrzehnten auf Talfahrt

Beispiel Bauzinsen:
http://www.aspect-online....

Staatsanleihen:
http://www.markt-daten.de...

Vor 2007 hat die Blasenwirtschaft in den Südländern noch etwas Kapital aufgesogen. Mit der irren Sparpolitik fallen die auch noch weg.

Die innerdeutschen-Vergleiche für Investition/Inlandsnachfrage mögen für sich betrachtet noch was hergeben, auf die Vermögen bezogen sind sie ein Witz.

@3: Doppelte Enteignung

"Die EZB trägt zur doppelten Enteignung der Sparer bei:
"1) Der Sparzins liegt unter der Inflation. Trotzdem muss man die Zinsen versteuern; bei Dividenden fällt soger eine Mehrfachbesteuerung auf Unternehmensebene und Aktionärsebene an.
2) Die hohen bilanziellen Risiken der EZB durch den Ankauf von Staatsanleihen überschuldeter Staaten wecken in Deutschland politische Forderungen nach Anhebung von Steuern"

Sie unterliegen hier m.E. einem doppelten Irrtum:
1) Eine Niedrigzinspolitik ist nunmal in der Rezession sinnvoll. Die Vorteilhaftigkeit von Investitionen gegenüber Sparen sollte gesteigert werden. Haben Sie schon einmal überlegt, wodurch Ihre Sparzinsen bezahlt werden? Durch die Zinsen auf kreditfinanzierte Investitionen. Die Versteuerung der Zinsen und sonstiger Kapitalerträge hat nichts mit der EZB zu tun.

2) Die Risiken in der Bilanz der EZB stellen keine direkten Risiken für die Steuerzahler dar. Anders als bei einer Geschäftsbank müsste - so politisch gewollt - bei einer Zentralbank bei Verlusten kein Eigenkapital nachgeschossen werden. Sprich: selbst wenn - was nicht ausgemacht ist - die EZB zukünftig Verluste hinnehmen muss, muss dies nicht auf den Steuerzahler durchschlagen. Zudem wäre mir neu, dass die von einigen Parteien geplanten Steuererhöhungen hiermit begründet werden.

@Unidiologisch

Zu 1) Dies ist im Prinzip durchaus richtig. Leider sind wir aber durch den Euro zu einer gemeinsamen Geldpolitik gezwungen. Was für die sich in der Rezession befindenden Staaten sinnvoll ist, ist es nicht für die solideren Staaten. Umgekehrt wurde m.E. auch die spanische Immobilienblase nicht unwesentlich durch die für Spanien zu niedrigen Zinsen befördert, die aber die schwächelnden Länder F und D gerade benötigten.

Zu 2) Dies ist in der Theorie richtig, die Praxis dürfte aber mit größter Wahrscheinlichkeit anders aussehen:

Ich schließe mich hier voll der Einschätzung Weidmanns an:

"Konvergenzberichten der EZB wird insoweit eine Ausgleichspflicht nach dem Unionsrecht angenommen, als durch Höhe und Nachhaltigkeit der Verluste Zweifel an der Fähigkeit der nationalen Zentralbank bestehen, ihre Aufgaben erfüllen zu können.
Eine Verlustübernahme durch den Bund könnte also erforderlich werden, wenn das Ausmaß angefallener Verluste die finanzielle Unabhängigkeit der Bundesbank und damit auch die Glaubwürdigkeit des Eurosystems in Frage stellte. Dies ist umso eher anzunehmen, je mehr der Verlust im Zusammenhang mit der Übernahme finanzpolitischer Aufgaben gesehen wird. "

http://www.bundesbank.de/...

Zinsentwicklung

Aus dem Zinsabfall von z.B. 1990 nach 2000 ca 9%->6% abzuleiten, der Zinsabfall nach der Euroeinführung (ca 6%->2%) sei einfache die direkte Weiterentwicklung halte ich für zu kurz gegriffen.

Natürlich ensteht der Zins durch Angebot und Nachfrage: Sie ignorieren dabei aber hartnäckig, dass in der aktuellen Krise zwei enorm starke Kapitalanbieter hinzugekommen sind: Eben die EZB mit niedrigst-Leitzins und die Kapitalflüchtlinge aus den Club-Med-Ländern.

@ HagbardCeline: Übernahme EZB-Verluste

Da bin ich mal wieder anderer Meinung:

Im Gegensatz zu einer normalen Bank muss die EZB einen Verlust nicht ausgleichen Die EZB kann den Bilanzverlust
a) ewig in der Bilanz vor sich herschieben
b) durch eine Gegenbuchung ausgleichen (z.B. durch Schaffung von Zentralbankgeld)
c) im Laufe der Zeit durch zukünftige Überschüsse abbauen

Bei keiner der Varianten muss der Steuerzahler etwas zahlen!

Interessanterweise hat die Bundesbank übrigens genau das gemacht: durch die Aufwertung der DM gegenüber dem Dollar verloren die Währungsreserven der Bundesbank stetig an Wert. Zwischen 1961 und 1979 hat die Bundesbank nur 4-mal einen Gewinn an den Bund ausgeschüttet. In den anderen Jahren machte sie Verluste oder baute Altverluste ab. Der Steuerzahler hat für diese Verluste nie gehaftet (außer durch geringere / ausfallende Gewinnüberweisungen in Folgejahren).

Da Weidmann dies wissen müsste, kann ich mir seine Meinung nur als politisch motiviert erklären.

@Unidiologisch

a) Die Notenbank kann große Verluste eben nicht ewig vor sich herschieben ohne massivst an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

b) Würde die Wähtungsstabilität massivst gefährden.

c) Auch dies würde nur bei kleineren Fehlbeträgen funktionieren und stellt wie sie weiter unten richtig darstellen ja ebenso einen Verlust für die Steuerzahler da.

Zumindest ihre Punkte haben gemein, dass sie vielleicht bei einem griechischen Schuldenausfall noch halbwegs funkionieren (wobei der Steuerzahler und Sparer bei jeder Möglichkeit) effektiv zahlt. Auch Zentralbankgeld ist eben kein Spielgeld.

Außerdem gehen die Kritiker ja davon aus, dass sollten die EZB-Versprechen ernsthaft geprüft werden und das ganze in diese Hose gehen ein Fehlbetrag von bis zu 3 Billionen auflaufen könnte:

http://www.focus.de/finan...
/ifo-chef-hans-werner-sinn-im-interview-in-der-schuldenkrise-kann-man-nichts-mehr-ausschliessen_aid_1013525.html

Da funktionert dann keiner dieser "Taschenspielertricks". Weidmanns Position in diesem Zusammenhang als politisch motiviert darzustellen empfinde vor diesem Hintergrund ehrlich gesagt als dreist!

@ 52:

Hr. Weidmann gehörte doch mit zu denen, die einen früheren griechischen Schuldenschnitt für verhindert haben. Stattdessen hat man gewartet, bis alle Großinvestoren das Risiko auf den Steuerzahler abgewälzt hatten. Nun das Argument vorzuschieben, Anleihekäufe der EZB würden ein Risiko für den Steuerzahler darstellen, das erscheint mir dreist.

Zu Ihren Argumenten:
a) Wofür ist denn die Glaubwürdigkeit der Zentralbank relevant? Für die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer. Diese könnte die Preise treiben. Der Glaube an die Bedeutung von Erwartungen, der sich hier spiegelt, entspringt m.E. aber eher der irrigen Ökonomenannahme rationaler Individuen. Gemäß dieser Logik gebe ich das durch eine Steuersenkung entstehende zusätzliche verfügbare Einkommen auch nicht aus, weil ich davon ausgehe, dass die heutige Steuersenkung in der Zukunft zu Steuererhöhungen führt und ich das Geld daher sparen muss. Bei den Verfechtern der Glaubwürdigkeit der Zentralbank als höchstem Gut ist es ähnlich: allein Inflationserwartungen werden zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Ich glaube vielmehr, dass die Inflationsspirale erst einmal losgetreten sein muss, sprich erst müssen die Produkte teurer werden, dann wollen die Arbeitnehmer mehr Geld. Dann ist die Glaubwürdigkeit der Zentralbank einfach überbewertet.

b) Inwiefern würde dies die Währungsstabilität gefährden (Innen- oder Außenwert)? Es wäre einfach nur ein Bilanztrick, wie Sie ja selber schreiben, ohne Auswirkung auf die Realwirtschaft.

@ 52: Link Sinn

Den verlinkten Hr. Sinn kann man eigentlich nicht als seriöse Quelle Ernst nehmen. Er sagt ja nicht, wie er auf drei Milliarden kommt, aber es könnte die gesamte Staatsverschuldung der PIIGS-Länder sein. Die EZB hat nun nicht vor, alle Staatsanleihen aufzukaufen. Vielmehr geht es um die glaubhafte Drohung, im Zweifel zu intervenieren. Dies hat genau die gewünschten Effekte: Länder wie Spanien haben wieder akzeptable Refinanzierungskosten, diese sind aber wie von Ihnen gewünscht (um Strukturreformen zu erzwingen) weit über den deutschen. Sollte die Drohung einmal nicht mehr glaubwürdig sein und die EZB tatsächlich das Programm starten, heißt dies ja nicht dass sie komplett alle ausstehenden Staatsanleihen kauft / kaufen muss.

Aber selbst wenn es so wäre hat Hr. Sinn nicht gesagt was Sie schreiben: dass "ein Fehlbetrag von bis zu 3 Billionen auflaufen könnte". Dafür müsste die EZB tatsächlich alle Schulden der PIIGS übernehmen und anschließend alle Länder pleite gehen - d.h. kein Schuldenschnitt sondern ein Komplettausfall.

@Kommentar 56

Zu Weidmann:Die frühesten Aussagen Weidmanns die sich kritisch gegenüber einem Schuldenschnitt aussprachen stammen meines Wissens nach aus dem Juli 2011. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Bundesbank durch die EZB-Ankäufe durch einen Schuldenschnitt bereits sehr hohe Abschreibungen hinnehmen müssen! Sie liefern somit selbst ein Beispiel dafür, dass die Übernahme zu großer Haftungssummen die Unabhängigkeit der Zentralbanken gefährdet.
Zu a):
Nehmen wir an sie hätten eine Milion Euro auf dem Konto und wüssten in den nächsten 10 Jahren wird es eine durschnittliche Inflation von z.B. 10% geben. Warten Sie ernsthaft bis die Inflation so richtig losgelegt hat, oder flüchten Sie mit ihrem Geld in Sachwerte oder ähnliches bevor deren Preis rasant steigt? Sie wären schön blöd, täten Sie's nicht und befördern somit die Inflation alleine aufgrund ihrer Inflationserwartung!
Zu b) Es ist eben nicht nur ein Buchungstrick, faktisch erhöhen Sie die Geldmenge enorm, wenn Sie mal eben die Staatsschulden ausgleichen. Sie könnten zwar argumentieren, dass dies teilweise sogar schon beim Staatsanleihenkauf passiert, aber das macht es auch nicht besser.

Außerdem frage ich mich angesichts ihrer nicht wenig verbreiteten Logik, warum wir überhaupt noch arbeiten gehen? Könnten wir nich einfach alle von Ihnen so überzeugt geschilderten Mechanismen nutzen um allesamt ein Leben im Reichtum zu führen?
Zumindest könnten wir uns doch eine Ommobilie kaufen und die EZB dann unsere Schulden aufkaufen lassen? :-)

@ 59: Inflationserwartungen

"Sie liefern somit selbst ein Beispiel dafür, dass die Übernahme zu großer Haftungssummen die Unabhängigkeit der Zentralbanken gefährdet."

Tue ich nicht, denn ich bezog mich ausdrücklich darauf dass Weidmann und Co. einen Schuldenschnitt erst nach dem Risikotransfer zu den Steuerzahlern zugestimmt haben.

Zu Ihrer Argumentation bzgl. der Inflationserwartung: Sie werden mir doch zustimmen müssen, dass mindestens seit 2010 das Inflationsgespenst durch die Medien geistert, inklusive dem Anlagetipp Gold in der Bild-Zeitung. Ihrer Argumentation nach müssten die Arbeitnehmer / Gewerkschaften in den letzten Jahren im Angesicht der erwarteten hohen Inflation massive Lohnerhöhungen gefordert haben. Ihrer Argumentation nach müssten wir außerdem bereits hohe Inflation haben. Meine These ist, dass die Arbeitnehmer nach erfolgter Inflation ihre Lohnforderungen anpassen (zum Reallohnausgleich und in Erwartung weiterer Inflation), dass dies aber nicht in einer Phase normaler Inflation allein aufgrund von Inflationserwartungen erfolgt. Das einige Besserverdienende / Vermögende ggf. aus Inflationsangst eine Immobilienblase antreiben entkräftet diese Argumentation m.E. nicht.

Bgzl. der Geldmengenerhöhung bin ich zugegebenermaßen inhaltlich nicht ganz sattelfest. Intuitiv sehe ich aber durch den Ausgleich auf der Passivseite der EZB-Bilanz keine Geldmengenausweitung.

@ 62: Welcher Komplettausfall?

Also bisher gab es einen Schuldenschnitt bei Griechenland. Dort war es kein Komplettausfall. Und für die EZB noch nicht mal der Schuldenschnitt. Es ist ein Fakt, dass für die EZB noch kein Cent ausgefallen ist! Wie sich das in Zukunft entwickelt, darüber kann man geteilter Meinung sein, aber Ihre Aussage ist einfach falsch.

Woran machen Sie denn fest, dass Spanien und Frankreich Pleite sind? Spanien hat ungefähr die gleiche Staatsschuldenquote wie Deutschland...

@ O. Wunder

Mein Problem ist, dass Sie hier Ihre persönliche Meinung als Tatsachen hinstellen. Selbst wenn Sie ein den einzelnen Punkten - was ich persönlich nicht glaube - am Ende Recht haben sollten und die Eintrittswahrscheinlichkeit für Ihre Aussagen 95% betragen würde, muss ich Ihnen widersprechen wenn Sie so tun als wären diese schon eingetreten.

In dem Artikel geht es um die EZB. Um also in Ihrer Analogie zu bleiben: während sich private Investoren beim ersten Schuldenschnitt durch den Sturz aus dem 100. und Landung im 50. Stock schwer verletzt haben, sitzt die EZB, da vom Schuldenschnitt ausgenommen, noch bequem im 100. Stock. Sie hingegen haben behauptet ("Der Komplettausfall ist längst Realität") die EZB wäre schon auf der Straßenebene aufgeschlagen. Und bezüglich der weiteren Entwicklung halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass wenn die privaten Investoren vom 50. in den 20. Stock heruntergeworfen werden (weiterer Schuldenschnitt) die EZB dann vom 100. Stock auf die Straße fliegt. Der von Ihnen behauptete "Komplettausfall" wird also auch dann nicht kommen!

Ähnliches gilt für Ihre Behauptungen bzgl. Italien. Sie stellen etwas als Tatsache dar, was von vielen Variablen abhängt - nämlich dass Italien erst durch ESM oder EZB gerettet wird und dann alle Kredite total ausfallen...wenn Sie so eine Glaskugel haben sollten Sie die entsprechenden Spekulationsgeschäfte (z.B. CDS auf Italien kaufen) eingehen und sich auf Ihren zukünftigen Reichtum freuen.

@ 76: Ihr Lucke-Interview

Also wer so einen undifferenzierten Satz sagt, kann sich nicht beschweren ständig als Populist verunglimpft zu werden:

"Frage: Glauben Sie, dass die Arbeitsmoral in Südeuropa schlechter ist?
Lucke: Ja, ganz klar. Aber lassen wir die Menschen doch so leben, wie es sie glücklich macht. Wenn die Menschen in diesen Ländern weniger und entspannter arbeiten wollen und dafür weniger Wohlstand in Kauf nehmen, bitte schön."

(Aus dem von Ihnen verlinkten Interview mit AfD-Lucke)

Mensch,ärgere dich nicht...

...Es gab eine Zeit,in welcher die "Jipee-yuhuu-yeah,yeah-EU-Hurrah-Kommentare" (wie Kommentar 2) mir die Galle hochtrieben.Jetzt nicht mehr.

Die EU ist ein politisches Projekt,kein wirtschaftliches.Die Bildung der EU ist als Gegengewicht zu alten (USA) und neuen (BRICS) Mächten ausgedacht worden und dementsprechend mit allen Mitteln zu verteidigen,wirtschftliche überlegungen sind zweitrangig,finden Sie sich damit ab oder wandern Sie aus...und ich meine dies nicht als böser Witz.

Gruss aus Peru.
B.67