WettbewerbRazzia bei Telekom-Firmen in mehreren Ländern

Die EU ermittelt gegen Internet-Anbieter wegen des Verdachts auf Marktmissbrauch. Zahlreiche Büros wurden durchsucht, auch bei der Deutschen Telekom.

Beschäftigte der Deutschen Telekom

Beschäftigte der Deutschen Telekom   |  © Brendan McDermid/Reuters

Die Deutsche Telekom ist zusammen mit mehreren Konkurrenten ins Visier europäischer Wettbewerbshüter geraten. Die EU-Kommission ließ Büros in Deutschland, Frankreich und wohl auch Spanien durchsuchen. Es gehe um den Verdacht, dass Anbieter von Internet-Zugängen gegen EU-Recht verstoßen haben, teilte die Brüsseler Behörde mit. Das könnten etwa Preisabsprachen oder eine Aufteilung des Marktes sein. Zunächst wurde allerdings nicht bekannt, welche Vergehen genau die Kommission vermutet.

Die EU-Kommission nannte wie immer in solchen Fällen keine Firmennamen. Allerdings bestätigte neben der Deutschen Telekom auch die France-Télécom-Tochter Orange den Besuch der Ermittler. Nach Informationen aus Branchenkreisen war auch der spanische Anbieter Telefónica betroffen. Das Unternehmen äußerte sich zunächst nicht dazu.

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Die Deutsche Telekom äußerte sich "sehr verwundert" über das Vorgehen der Kommission. "Bisherige Vorwürfe haben sich als haltlos herausgestellt. Deshalb wurden entsprechende Verfahren vor nationalen Regulierungsbehörden, die sich intensiv mit dem Sachverhalt auseinandergesetzt haben, eingestellt", sagte ein Sprecher. Die Telekom sei im weltweiten Markt für Internetverkehr intensivem Wettbewerb ausgesetzt. "Dieser Markt wird von US-Großanbietern dominiert, insofern sind wir hier der falsche Adressat", sagte der Sprecher. Die Telekom arbeite eng mit den Behörden zusammen, um den Sachverhalt aufzuklären.

Auch das Unternehmen Orange zeigte sich zuversichtlich über den Ausgang der Untersuchungen, unter anderem weil die französische Wettbewerbsbehörde Cogent bei einer früheren Untersuchung keine Vergehen festgestellt habe. Der Kommission zufolge fand die Razzia am Dienstag statt, laut Orange dauert die Inspektion noch an und könnte sich über mehrere Tage hinziehen. Der niederländische Konzern KPN und das britische Unternehmen BT teilten mit, sie seien nicht betroffen gewesen.

Preisabsprachen sind streng verboten

Der EU-Kommission zufolge sind die Durchsuchungen ein erster Schritt und sagen noch nichts über tatsächliche Vergehen aus. Eine Frist für den Abschluss der Untersuchung gebe es nicht. Preis- und Marktabsprachen zum Schaden von Verbrauchern und Kunden sind in der EU streng verboten. Es drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Die Kommission verwies ausdrücklich auf die Bedeutung des Marktes. Der Service von Internetanbietern sei äußerst wichtig, damit Verbraucher schnell und günstig im Internet surfen könnten – unabhängig vom Standort des Providers.

Die Durchsuchungen sind eine überraschende Wendung im Streit zwischen der Kommission und der Branche um die künftige Gestaltung des europäischen Telekom-Marktes. Die Unternehmen fordern schon länger eine großzügigere Regulierung mit mehr Freiheiten für Fusionen in einzelnen Ländern. Sie verweisen dabei auf stete Umsatzrückgänge, hohe Investitionen in die Infrastruktur und die Auslastung der Netze durch Internet-Dienste. Die Kommission zeigte sich bisher eher bereit, ein Zusammenrücken auf europäischer Ebene zu unterstützen. Sie treibt zugleich den Kampf gegen die Roaming-Gebühren bei Telefonaten im europäischen Ausland voran.

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Leserkommentare
    • Hofres
    • 11. Juli 2013 14:36 Uhr

    Vielleicht kommt dann mal ans Licht, wieso eine Flat in D 40 € kostet, in AT aber nur 10 €.

    3 Leserempfehlungen
  1. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich finde es fragwürdig, eindeutig erkennbare Mitarbeiter der Telekom abzubilden, wenn es um Ermittlungen gegen den Konzern geht. Ganz abgesehen davon, dass auch andere Internet-Anbieter betroffen sind, hätte ich hier ein Foto eines Telekom-Gebäudes oder ein sonstiges eher symbolisches Foto für besser gehalten.
    Oder haben die hier abgebildeten Menschen etwas mit dem konkreten Sachverhalt zu tun?

    3 Leserempfehlungen
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    Ich habe früher bei der Telekom gearbeitet und bin es langsam leid, ständig Angriffe oder Scheinangriffe auf diese Firma zu sehen. Ehrlich, von der "Zeit" hätte ich etwas seriöseres Vorgehen erwartet.

    Wenn sie nicht nur auf Bild und Überschrift achten, sondern auch den Artikel lesen, dann wird eigentlich der Zusammenhang klar.

    Schließlich gibt man der Deutschen Telekom auch eine Möglichkeit zur Stellungsnahme.

  2. Die bezahlen doch auch für ihre Nutzung!
    Immer wieder diese Lüge von wegen Vielnutzer lähmen die Infrastruktur.
    Wer für eine Leitung bezahlt benutzt diese auch, wer sie nicht braucht kann sie downgraden lassen.
    Wenn eine Fluggesellschaft Plätze mehrmals vermietet und es Probleme wegen Überbuchung gibt ist auch nicht der Passagier der Schuldige, warum kommt die Telekommunikationsbranche immer damit durch?

    5 Leserempfehlungen
  3. 4. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    • Chali
    • 11. Juli 2013 15:13 Uhr

    Also ... da könnte die NSA segensreich tätig werden.

    >"Dieser Markt wird von US-Großanbietern dominiert, insofern sind wir hier der falsche Adressat"<
    Ein Fehlschluss. Weil die US-Großanbietern dominierend bleiben wollen, können sie aufmuckende Zwerge nicht dulden.

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  4. Ich habe früher bei der Telekom gearbeitet und bin es langsam leid, ständig Angriffe oder Scheinangriffe auf diese Firma zu sehen. Ehrlich, von der "Zeit" hätte ich etwas seriöseres Vorgehen erwartet.

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    Ich habe auch bei der Telekom gearbeitet, schon als es noch die " Post" war.Die Mitarbeiter an der Hotline und im Außendienst also alle die mit den Kunden direkten Kontakt haben müssen es wieder ausbaden bzw. sich mehr oder weniger blöde Kommentare ertragen.
    Ich weiß es noch zu gut aus eigener Erfahrung.

  5. Wenn sie nicht nur auf Bild und Überschrift achten, sondern auch den Artikel lesen, dann wird eigentlich der Zusammenhang klar.

    Schließlich gibt man der Deutschen Telekom auch eine Möglichkeit zur Stellungsnahme.

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    Nur kann ich nichts darin lesen, dass begründet warum einzelne erkennbare Mitarbeiter der Telekom gezeigt werden. Was haben diese konkreten Einzelpersonen mit den Ermittlungen gegen die Telekom und Co. zu tun?

    Wie würden Sie es denn finden, wenn ein Foto von Ihnen als Bebilderung für Ermittlungen gegen Ihren Arbeitgeber verwendet würde?

  6. Ich habe auch bei der Telekom gearbeitet, schon als es noch die " Post" war.Die Mitarbeiter an der Hotline und im Außendienst also alle die mit den Kunden direkten Kontakt haben müssen es wieder ausbaden bzw. sich mehr oder weniger blöde Kommentare ertragen.
    Ich weiß es noch zu gut aus eigener Erfahrung.

    Antwort auf "Ich sehe das genauso"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, mpi
  • Schlagworte Deutsche Telekom | Europäische Union | EU-Kommission | Behörde | EU-Recht | Fusion
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