SteuerhinterziehungMehr Steuer-Selbstanzeigen als je zuvor

Die Finanzämter zählen nach Uli Hoeneß' Fall im Januar mehr Selbstanzeigen als je zuvor: 14.549 mutmaßliche Steuerhinterzieher meldeten sich allein im ersten Halbjahr.

Im ersten Halbjahr 2013 haben sich in Deutschland so viele mutmaßliche Steuerhinterzieher selbst angezeigt wie noch nie zuvor. Bundesweit gingen bei den Finanzämtern 14.549 Anzeigen ein — das sind fast genauso viele wie insgesamt im Jahr 2012.

Allein in Bayern offenbarten sich nach Auskunft des dortigen Finanzministeriums zwischen Januar und Juni insgesamt 6.635 mutmaßliche Steuerbetrüger. In Baden-Württemberg waren es 2.360, in Nordrhein-Westfalen 1.528, in Niedersachsen 1.103 und in Hessen 1.009. Teilweise sind die Zahlen viermal so hoch wie noch vor einem Jahr.

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Demgegenüber ist das Ausmaß der Selbstanzeigen in Ostdeutschland vergleichsweise gering. So gab es in Sachsen-Anhalt drei Anzeigen, in Mecklenburg-Vorpommern sieben, in Thüringen 20 und in Sachsen 53. In Berlin offenbarten sich 385 Steuersünder — im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 78.

Der deutliche Anstieg von Selbstanzeigen geht aus Sicht von Experten auf die Steueraffäre um Uli Hoeneß zurück. Der Präsident des FC Bayern-München hatte sich im Januar selbst angezeigt, um Vermögen von einem Schweizer Konto nachträglich zu versteuern. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch.

Anlass für die Selbstanzeige von Hoeneß war das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz Ende 2012. Es war am Widerstand der rot-grünen Mehrheit im Bundesrat gescheitert.

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Leserkommentare
  1. >> Es war am Widerstand der rot-grünen Mehrheit im Bundesrat gescheitert. <<

    ... Widerstand in einem Satz. Endlich mal Opposition.

    >> 14.549 mutmaßliche Steuerhinterzieher meldeten sich allein im ersten Halbjahr <<

    Selbstanzeige ist anscheinend das neue Statussymbol. Was trägt man eigentlich?

    2 Leserempfehlungen
  2. ...und der Neid-Faktor in Deutschland nicht so aus dem Ruder gelaufen, gäbe es nicht so viele Leute, die ihr Geld ins Ausland getragen hätten, und ergo auch weniger Selbstanzeigen wegen nichtversteuerter Kapitalerträge, hier wird mal wieder Ursache und Wirkung verwechselt.

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    Und Sie verwechseln Wirkung mit Ursache!!!!!

    Sie verwechseln Neid-Kultur mit Gerechtigkeitssinn. Wer arbeitet zahlt steuern, automatisch, auch Unternehmen und Unternehmer zahlen Steuern. Doch der Finanzsektor ist unzureichend reguliert, unzureichend überwacht und stellt sich gern als Opfer dar.
    Ich gönne jedem, der seinen Wohlstand durch sein Können erreicht, man kann ja seinem Beispiel folgen. Der Finanzsektor ist da eine Ausnahme im realen Wirtschaftsgeschehen, denn er hat sich von diesem lange abgekoppelt.
    Erfinden oder verbessern oder schaffen Sie etwas, und man wird Ihnen nicht neidisch sein. Machen Sie dagegen Geld mit Spekulationen, zahlen Sie gefälligst gerechte steuern.

    Nö, Driftfaktor! Die Gesellschaft ist so weit auseinander gedriftet, dass ich nicht mehr nachvollziehen kann, warum Hoeneß Steuern hinterzogen hat, obwohl er doch auch ohne dem ein Leben im dekadent wohlem Konsum führen kann, wenn er will.

    wenn Sie meinen...

    Die Fakten zum Thema Einkommensteuer sprechen jedoch eine andere Sprache -

    http://de.wikipedia.org/w...

    Daneben werden besser situierte Menschen in nahezu allen halbwegs zivilisierten Ländern etwas mehr zur Kasse gebeten.
    Im Unterschied zu 'früher' (wie auch immer man das definiert...) gibt es heutzutage scheinbar mehr Möglichkeiten, Einkünfte zu verschleiern und/oder dem Fiskus anderweitig zu entziehen.

    Ganz subjektiv würde ich das unter 'Gelegenheit macht Diebe' einordnen.

    Das ist sie keineswegs. Völlig unproduktive Kapitalerträge werden nur mit 25% besteuert. Jeder Einkommens-Euro, egal wie er erworben wird, sollte aber gemäß dem individuellen Steuersatz versteuert werden, und nicht nur das, er sollte auch sozialversicherungspflichtig sein. Nur so wäre gewährleistet, dass jeder sein Scherflein zum Gemeinwohl beiträgt. Und: Die Beiträge könnten sogar sinken, sodass es nicht einmal mehr den Wohlhabenden wehtäte... Es könnte alles so einfach sein...

    Es ist ja nett, dass Sie die Reichen und Schönen dieser Welt verteidigen, aber ich glaube nicht, dass dieser Kreis nach solcher Hilfe ruft.

    Tatsache ist, dass auch diese Menschen nicht zu dumm sind, Verstöße gegen die Steuergesetze falsch einzuschätzen und - das überdeutliche Beispiel Hoeneß war dann vielleicht das letzte Signal - ein leider noch bestehendes Schlupfloch zu nutzen.

    Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

  3. ... wer an der Macht ist. Hätte rot-grün nicht mit ihrer Mehrheit im Bundesrat das Schweizer Abkommen verhindert, wären die Selbstanzeigen keinesfalls gestiegen.

    Wolf Niese

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  4. Und Sie verwechseln Wirkung mit Ursache!!!!!

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  5. erreicht. Frau Merkel und Herr Schäuble hätten sich im Interesse des Kapitals mt einem Butterbrot abspeisen lassen.
    Was diese Regierung im Sinne der Bevölkerung alles nicht tut, ist schön bezeichnend.

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  6. Sie verwechseln Neid-Kultur mit Gerechtigkeitssinn. Wer arbeitet zahlt steuern, automatisch, auch Unternehmen und Unternehmer zahlen Steuern. Doch der Finanzsektor ist unzureichend reguliert, unzureichend überwacht und stellt sich gern als Opfer dar.
    Ich gönne jedem, der seinen Wohlstand durch sein Können erreicht, man kann ja seinem Beispiel folgen. Der Finanzsektor ist da eine Ausnahme im realen Wirtschaftsgeschehen, denn er hat sich von diesem lange abgekoppelt.
    Erfinden oder verbessern oder schaffen Sie etwas, und man wird Ihnen nicht neidisch sein. Machen Sie dagegen Geld mit Spekulationen, zahlen Sie gefälligst gerechte steuern.

    2 Leserempfehlungen
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    ..wer spekuliert, wie sie es nennen, zahlt doch schon gerechte Steuern.
    Abgesehn von der Spekulationssteuer, nehmen sie mal Dividenden aus Aktien:

    Bei der Kapitalgesellschaft fällt an Körperschaftsteuer 15 % ohne Solidaritätszuschlag von 5,5 % des Steuerbetrags (und ohne Berücksichtigung der Gewerbesteuer), hinzu kommt beim Aktienbesitzer Abgeltungsteuer 25 % mit der Option zur Veranlagung, falls sich nach dem progressiven Steuersatz eine geringere Belastung ergibt,

    wo sehen sie da eine Ungerechtigkeit ?

  7. Nö, Driftfaktor! Die Gesellschaft ist so weit auseinander gedriftet, dass ich nicht mehr nachvollziehen kann, warum Hoeneß Steuern hinterzogen hat, obwohl er doch auch ohne dem ein Leben im dekadent wohlem Konsum führen kann, wenn er will.

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  8. Was war zuerst da? Die ungerechtfertigt hohe Steuerlast oder die massive Steuerflucht. Dadurch fehlen wieder Steuereinnahmen, es wird erhöht, Flucht etc.

    Was zuerst da war? Kann man nun kaum noch sagen. Ist letztendlich auch egal. Tatsache ist aber, dass wir nun nen ganzen Hühnerhof voll wild durcheinander gackerndem Federvieh haben.

    Und vor lauter Gegacker kommt keiner dazu mal wirklich am Steuersystem Vereinfachungen vorzunehmen. Ein einfaches und unkompliziertes Steuersystem muss nicht unbedingt vollkommen gerecht sein, will man möglichst "gerecht" sein, muss man viele Ausnahmen schaffen. Zu ungerecht darf man aber bei den niedrigen Einkommen nicht werden.

    Die Diskussionen sind immer da am intensivsten, wo den bitte sehr "Belastungsgrenzen" liegen und wo die Grenzen zwischen niedrig, mittel und hoch verläuft. Jeder hat da so seine eigenen Ansichten...

    Bis jetzt hat es aber noch jeder Finanzminister, der eine "Steuervereinfachung" versprochen hat, geschafft, das Steuerrecht weiter zu verkomplizieren. Nutznießer waren dann meist die Steuerzahler mit "Gestaltungsmöglichkeiten" also eher die Bezieher hoher Einkommen.

    Wenn man schon mal die Möglichkeiten zur Steuerflucht ins Ausland eindämmt, hat die Politik vielleicht auch ein wenig mehr Luft um das Steuerrecht insgesamt umzustrukturieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sig
  • Schlagworte FC Bayern München | Anzeige | Schweiz
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