EnergiewendeDie Stromkonzerne drohen mit Selbstmord

Im Kampf um Subventionen ist jedes Mittel recht: Die Drohung der großen Energieversorger, Kraftwerke vom Netz zu nehmen, ist aber wenig glaubhaft. Ein Kommentar von 

In der Energiewende geht es nicht nur um den Klimaschutz. Es geht auch um die Neuverteilung eines Milliardenmarkts, den die vier großen Stromkonzerne lange Zeit bequem unter sich aufteilen konnten. Jetzt müssen sie mit Millionen Kleinsterzeugern konkurrieren, die an Windparks beteiligt sind oder eine Solaranlage auf dem Dach installiert haben.

Entsprechend hart sind die Bandagen, mit denen im Vorfeld der längst überfälligen Grundsanierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, die nach der Bundestagswahl ansteht, um Strukturen und Subventionen gekämpft wird. Jüngste Volte der Kraftwerk-Giganten: Sie drohen mit Selbstmord.

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Weil immer mehr billiger Wind- und Solarstrom den Börsenpreis drückt, seien Dutzende Kraftwerke unwirtschaftlich geworden, bald müssten sie stillgelegt werden, heißt es bei E.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Um die öffentliche Wirkung der Botschaft zu erhöhen, geben die vier Großen der Strombranche ihre Pläne nicht einfach auf einer Pressekonferenz bekannt, sondern lassen sie seit Monaten hier und da gezielt durchsickern.

Besonders groß ist die öffentliche Wirkung, wenn über die Stilllegung nagelneuer und hocheffizienter Kraftwerke spekuliert wird. Als erstes Unternehmen hat E.on im vergangenen Jahr zu diesem Trick gegriffen. Ausgerechnet Irsching 5, mit einem elektrischen Wirkungsgrad von 60 Prozent das weltweit sauberste Gaskraftwerk, setzte E.on ganz oben auf die Schließungsliste. Genauso macht es jetzt EnBW. Auch der baden-württembergische Stromversorger droht damit, sein bestes Rennpferd in den Stall zu schicken: das besonders effiziente Gas- und Dampfturbinen-Spitzenlastkraftwerk im Karlsruher Hafen.

Auch in Deutschlands Nachbarländern bedienen sich die Altmonopolisten ähnlicher Mittel. Am wildesten treiben es die Energieriesen Eneco und Dong in den Niederlanden. Gerade mal 100 Stunden hat ihr vergangenes Jahr im Hafen von Rotterdam mit viel Pomp eingeweihtes, 625 Millionen Euro teures Gaskraftwerk Strom erzeugt, jetzt soll es wieder abgebaut und nach Japan verkauft werden. Der Grund: Überkapazitäten im europäischen Netz.

Leserkommentare
  1. Der Bürger zahlt, unter jeder Regierung - auf ewige Zeit.

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    • b4w3f
    • 16. Juli 2013 15:44 Uhr

    Der Endkunde zahlt immer! Kennen Sie irgendetwas, dass Sie nutzen und nicht bezahlt haben? Sei es über Steuern oder direkte Bezahlung. Was genau soll dieses Argument bezwecken?

    Wie auch anders? Irgendwo wird das Geld wohl herkommen müssen. Entweder bezahlt man direkt auf der Rechnung, indirekt über Steuern oder (im Idealfall, den Sie vielleicht anspielen?) indirekt über das Geld, was die vorige Generation bereits in den Konzern gepumpt hat.
    Letzteres wäre natürlich schön, wer gönnt es den Altstrom-Konzernen nicht, den verschlafenen Sprung auf erneuerbare Energien selbst zu zahlen, anstatt die Finanzreserven weiter aufzubauen?

    Nein - es geht hier um etwas anderes:
    In Ägypten hat man einen ungeliebten, aber demokratisch gewählten Präsidenten dadurch entmachten können, indem man der Bevölkerung den Strom und das Benzin abgestellt hat. Als Mursi dann von der Armee gestürzt worden war, war sofort alles wieder in Hülle und Fülle da.

    Hier geht es um Erpressung. In den Energiekonzernen ist man mächtig sauer auf die Deutschen und vor allem ihre Regierung. Merkel hatte noch bei Beginn der Amtszeit der schwarz-gelben Koalition zugesichert, dass der von der Regierung Schröder/Fischer ausgehandelte und beschlossene Atomausstieg rückgängig gemacht wurde. Das hat man zwar getan - die Börsenkurse deutscher Energiekonzerne schossen in die Höhe -. aber dann kam Fukushima und der Traum von der Lizenz zum Gelddrucken platze. Merkel hatte sich während des Wahlkampfs in Baden-Württemberg in eine wahlkampftaktische Sackgasse begeben, die sich als Einbahnstraße heraus stellte.

    • b4w3f
    • 16. Juli 2013 15:43 Uhr

    Zwar sind Gasturbinenkraftwerke die wohl effizientesten fossilen Kraftwerke, aber Gaskraftwerke sind seit jeher nur zum Abfangen von Spitzenlasten gedacht. Nicht zur konstanten Stromerzeugung. Das hat vor allem mit dem sehr hohen Gaspreis im Verhältnis zu Kohle jeglicher Art zu tun. Und je mehr Überkapazitäten geschaffen werden, desto seltener muss ein Gaskraftwerk laufen. Man kann sich schon fast denken, dass unsere großen Konzerne mit Absicht diese Kraftwerke bauen, keine Kosten für Treibstoff haben, da keine Spitze abgefangen werden muss und die reine Bereitstellung wird bezahlt. Ein super Geschäft. Besser wäre dieses Geld in Speicher gesteckt. Die Bereitstellung wird ebenfalls vom Netzbetreiber gezahlt und zukünftig werden es nicht Lastspitzen sein die Abgefangen werden müssen, sondern vor allem Leistungsspitzen durch nicht brauchbaren Wind und Solarstrom.

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    Wir brauchen neue Speicherkraftwerke, da stimme ich Ihnen zu.

    Aber Gaskraftwerke sind ebenso eine nützliche Investition. Zur Zeit laufen die AKWs noch, aber wenn diese nach und nach vom Netz gehen werden die Überkapazitäten geringer.

    Die erneuerbaren Energieträger werden bis dahin hoffentlich weiter ausgebaut und die alten Kohlekraftwerke zT durch neuere und sauberere ersetzt bzw ebenfalls abgeschaltet.

    Vielleicht rentieren sich die Gaskraftwerke jetzt noch nicht und wurden (vermutlich auf Grund des von rot-grün beschlossenen Atom-Ausstiegs) zu früh gebaut.

    Ist diese unseelige Gas/Öl-Preisbindung eigentlich endlich abgeschafft? Dann würde Gas auch gleich deutlich günstiger.

    allein schon wenn ich solche Sätze lese,.....

    Zum einen haben Sie ja recht, Gaskraftwerke werden nicht als Grundlastkraftwerke konzipiert, weil das schlicht sinnfrei ist. Man baut sie als Spitzenlastkraftwerke, weil sie neben den Pumpspeichern die Kraftwerke sind, die am allerschnellsten oben sind.
    Zum zweiten haben Sie unzweifelhaft recht, dass die Praxis, die da beschrieben wird, so sie denn tatsächlich so genutzt wird, eine riesen Sauerei darstellt.
    Zum dritten sollte die Lösung aber eben NICHT in einem geringeren Zubau von v.a. Windkraftanlagen, da insbesondere OffShore, liegen (speziell letzterer hat schon fast sowas wie Grundlastcharakter), sondern eher in der Abschaltung sehr alter Kohlekraftwerke und im Ablehnen neuer Kohlekraftwerke.

    Gaskraftwerke bzw. GuD-Kraftwerke waren tatsächlich für einen Hochpreismarkt geplant und gebaut worden. Daher müssen sie auf ca. 3000 Stunden Laufzeit kommen, um ihre Fixkosten überhaupt decken zu können.
    Dies ließe sich bewältigen über eine Mischung aus höheren Co2-Zertifikatepreisen, Leistungspreisen für umgerechnet 1000 Stunden und der Verpflichtung, mindestens 2000 Stunden am Terminmarkt zu verkaufen.

  2. Die Börsenpreise sinken - und darunter leiden die Stromkonzerne. Gelddruckmaschienen sind die schon lange nicht mehr. Wer Stromaktien hat, der ist kein Glücklicher Mensch in den letzten Jahren. Sicher nicht ohne Grund.

    Die Energiewende ist ein System des Chaos. Es hat was von einer Seifenoper.

    1.) Erst macht man den Emissionshandel. Er begrenzt und bepreist CO2 Ausstoß.

    2.) Dann gibt man Ökostrom (der Volatil ist) Subventionen. PV-Strom extra viel

    3.) PV-Strom Flutet den Markt Mittags. Das ist das Zeitfenster wo die Pumpspeicherkraftwerke und die Gaskraftwerke Geld verdient haben

    4.) (Zukunft) Man führt eine Extra Umlage ein weil keine neuen Gaskraftwerke gebaut werden.

    Und die Preise für die CO2 Zertifikate sind ganz gering wegen der ganzen subventionierten Ökostromproduktion.

    Das ganze hat was von einem Messi der brüllt ICH BRAUCH DAS ALLES.

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    • joG2.0
    • 16. Juli 2013 16:13 Uhr

    ....Taktik. Und natürlich ist die Energiewende chaotisch, intransparent und in wirtschaftlicher Hinsicht ineffizient hoch 3. Aber was wollen Sie? Ein Land, das Verträge wie den zu Maastricht, zu Lissabon oder den vom ESM unterzeichnet oder aussteigt aus Atomstrom, weil das erwartete geschah? Was erwarten Sie von so einem Land? Von deren Bürokratie? Von den Politikern und Parteien, die sich so benehmen?

    Wo die Führer nicht für Fahrlässigkeit haften? Da wird das auch nicht besser.

    "1.) Erst macht man den Emissionshandel. Er begrenzt und bepreist CO2 Ausstoß."

    "Und die Preise für die CO2 Zertifikate sind ganz gering wegen der ganzen subventionierten Ökostromproduktion."

    Zunächst widersprechen Sie sich hier. Treiben CO2-Zertifikate die Energieerzeuger in den Ruin, weil sie so spottbillig sind?

    Die EU arbeitet an einer Verknappung der Zertifikate, da meines Wissens viel zu viele davon herausgegeben wurden. Momentan ist der Handel damit eine Farce!

    Mit den AKWs hat man den Erzeugern zwar auf absehbare Zeit ihre erträglichste Einnahmequelle genommen (voll abgeschrieben und massivst subventioniert), aber deshalb werden die nicht am Hungertuch nagen. Hier soll Druck auf die Politik aufgebaut werden. Vielleicht wählt der ein oder andere Bürger dann noch die FDP, weil er Angst um sein abendliches Fernsehprogramm hat und die Liberalen am weitesten in die Großmanns und Teyssens dieses Landes hineinkriechen. Alles heiße Luft - damit könnte man eigentlich prima Strom erzeugen.

    • b4w3f
    • 16. Juli 2013 15:44 Uhr

    Der Endkunde zahlt immer! Kennen Sie irgendetwas, dass Sie nutzen und nicht bezahlt haben? Sei es über Steuern oder direkte Bezahlung. Was genau soll dieses Argument bezwecken?

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    Antwort auf "Eines ist sicher: ..."
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    das Geld auf diktatorische Weise mittels Regierung (EEG)
    aus der Tasche gesaugt und Vermögenden als Garantieleistung
    zugeführt.

    • hladik
    • 16. Juli 2013 15:45 Uhr

    mal verstaatlichen. Teurer kann's ja nicht mehr werden, und das Ende der Erpressungsversuche waere ein echter Fortschritt.

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    Zitat: " Vielleicht sollte man die Stromkonzerne
    mal verstaatlichen. Teurer kann's ja nicht mehr werden, und das Ende der Erpressungsversuche waere ein echter Fortschritt."

    EnBW, das im Artikel ausdrücklich genannt wurde, IST verstaatlicht. Wenn man Herrn Asendopfs Argumentation folgt, erpresst der Staat sich also selbst(???). Klingt wahnsinnig logisch.

    Das Recht auf Eigentum ist nach Artikel 17 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 ein Menschenrecht.[1] Die Eigentumsgarantie ist nach Art. 14 des Grundgesetzes ein elementares Grundrecht und wird auch von Artikel 17 der EU-Grundrechtecharta geschützt. Ebenso wird in der EMRK in Art. 1 des ersten Zusatzprotokolls darauf verwiesen.

    – Artikel 14 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland[2]
    (Quelle: Wiki)

    nicht mehr gibt. Die hätte ihnen doch sicher gefallen. Da waren nicht nur die bösen Energieerzeuger verstaatlicht, sondern auch die noch viel bösere Pharma- und Chemieindustrie. Die vergiften uns doch eh alle nur wegen Profit. Es gab in dem Paradies kein Unternehmen, die sich auf Kosten des kleinen Mannes die Taschen vollstopfen konnte. Und sogar die bösen Bankster waren volkseigen mit Einheitsgehalt. Wäre das nicht ein Paradies für Sie? Viele so schöne Refugien gibt es leider nicht mehr auf der Welt, aber sie können ja mal schauen, ob es ihnen in N-Korea gefällt. Also dann, gute Reise!

  3. ... zeigt die Taktik der angekündigten Stilllegung von Gaskraftwerken, dass der Kapitalismus dringend dezentralisiert werden sollte.

    Wolf Niese; Berlin-Lankwitz; 46 Jahre

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  4. Ich kenne keine Branche, die wie die Energiewirtschaft dermaßen skrupellos immer wieder die Politik erpresst. In diesen Unternehmen wird kein Marketing betrieben, weil der Endkunde eine geringere Rolle spielt als die politische Beziehung. Deshalb werden ehemalige Staatsdiener übernommen, sofern diese Herrschaften bereit sind, alle Skrupel aufzugeben und zugunsten der eigenen Bezüge gegen die Interessen der Bevölkerung vorzugehen.

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    Es gibt keine Branche die so sehr von der Politik beeinflusst und beeinträchtigt ist.

    Ach ja: Und es gibt kaum eine Branche die so sehr im Staatsbesitz ist. Also abgesehen vom "Schienengebundenen Verkehr" vielleicht.

  5. dann reit ich in den Chefetaggen ein und lass mal meiner Energie so freien Lauf, dass sich damit mein Stromverbrauch denken lässt!

    RN

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  • Schlagworte E.on | EnBW | Bundesnetzagentur | Klimaschutz | Strom | Stromkonzern
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