Deutsche Bahn : Grube entschuldigt sich für Personalprobleme

"Große Blamage": Bahnchef Grube bedauert die vielen Engpässe und will nachbessern. Sein Konzern habe sich nicht früh genug um den Nachwuchs gekümmert.
Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn © John MacDougall/AFP/Getty Images

Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube hat sich zu den Personalengpässen des Unternehmens geäußert und gegenüber Kunden sein Bedauern ausgedrückt. Der Welt am Sonntag (WamS) sagte er, er entschuldige sich ausdrücklich für die entstandenen Probleme. Die Zugausfälle seien "eine große Blamage für die Bahn", zitiert wiederum die Bild am Sonntag den Bahn-Chef. Er räumte ein, dass es schon Anfang 2013 aus dem Aufsichtsrat der Bahn-Netzsparte kritische Fragen zur Personalentwicklung gegeben habe.

Grube kündigte an, das Frühwarnsystem zur Erkennung solcher Engpässe wie der am Mainzer Hauptbahnhof verbessern zu wollen. Zudem soll gemeinsam mit der Gewerkschaft geprüft werden, wo es Unterbesetzungen im Konzern gibt. Er könne aber nicht garantieren, dass es nicht noch zu mehr Ausfällen kommt. Die Situation lasse sich nicht per Knopfdruck ändern. "Fahrdienstleiter ist doch nicht irgendein Job wie Wurstwenden an der Frittenbude", sagte Grube der WamS

Zugleich verteidigte der Bahn-Chef seine Entscheidung, Mitarbeiter um die Verschiebung ihres Urlaubs zu bitten. Druck habe er nicht ausgeübt, so Grube, aber das Unternehmen befände sich schließlich in einer Ausnahmesituation. Er selbst habe eine Urlaubsreise ins Ausland umgehend abgebrochen, als er von den Problemen erfuhr.

Bahn bessert nach

Seit Wochen fallen am Mainzer Hauptbahnhof Züge aus oder müssen umgeleitet werden. Grund ist ein Personalmangel im Stellwerk. Dies hatte zu einer bundesweiten Debatte über Engpässe bei dem Staatsunternehmen geführt. Zudem war dem Konzern vorgeworfen worden, sich zu wenig auf die Alterung der Belegschaft eingestellt zu haben.

Die Bundesnetzagentur veröffentlichte am Donnerstag eine Liste mit insgesamt acht Standorten, an denen Personalmangel bei der Bahn zu Problemen geführt hatte. Daraufhin drohte die Behörde mit einer Strafzahlung von 250.000 Euro, sollten die Probleme im Mainzer Stellwerk nicht gelöst werden.

"Jetzt wird rekrutiert"

Inzwischen hat die Bahn nachgebessert: Ab dem heutigen Samstag sollen in Mainz an Wochenenden wieder sämtliche Züge planmäßig verkehren. An den Wochentagen indes gilt noch bis Ende des Monats ein eingeschränkter Fahrplan.   

Grundsätzliche Kritik an der Personalpolitik der Bahn weist der Konzernchef nun zurück. In keinem deutschen Unternehmen gäbe es derzeit mehr Neueinstellungen, sagte Grube, räumte aber ein, dass man es versäumt habe, sich ausreichend mit dem demografischen Wandel zu beschäftigen. Dieses Manko sei aber nun behoben. "Die Bahn wurde zwei Jahrzehnte saniert, jetzt wird rekrutiert." 

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