EurokriseDeutschland spart 40 Milliarden Euro

Der Bund profitiert von den niedrigen Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Laut einem Magazin-Bericht wird Deutschland bis 2014 40 Milliarden Euro weniger ausgegeben.

Die Bundesrepublik profitiert von der Euro-Krise: Weil die EZB die Zinsen niedrig hält, um die Konjunktur zu stützen, und Anleger ihr Kapital lieber nach Deutschland bringen statt in die wirtschaftlich gebeutelten Länder Südeuropas, erhält Deutschland derzeit zu sehr niedrigen Zinsen Kredit. Spiegel Online zufolge spart die öffentliche Hand deshalb in den Jahren 2010 bis 2014 etwa 40,9 Milliarden Euro ein. Die Zahl geht nach Spiegel-Informationen aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des SPD-Parlamentariers Joachim Poß hervor.

Weil deutsche Staatsanleihen als sicher gelten und in der Krise besonders gefragt sind, sei das Zinsniveau um fast einen Prozentpunkt gesunken. Zum Teil hatte Deutschland für die Kreditaufnahme gar keine Zinsen bezahlen müssen oder hatte von Investoren für die Aufnahme von Schulden sogar Prämien erhalten, sogenannte Negativzinsen.

Anzeige

Zugleich waren die Steuereinnahmen unerwartet hoch. Dem Bericht zufolge sank deshalb auch die Neuverschuldung. Demnach nahm Schäuble zwischen 2010 und 2012 etwa 73 Milliarden Euro weniger an neuen Krediten auf als geplant.

Den Zinsersparnissen stehen aber durch die Euro-Krise verursachte Kosten von bisher 599 Millionen Euro gegenüber, schreibt Spiegel Online unter Berufung auf das Finanzministerium. Um so lange wie möglich vom niedrigen Zinsniveau profitieren zu können, platziere Schäuble vermehrt lang laufende Anleihen zu günstigen Konditionen. Der Anteil der ausgegebenen Anleihen mit kurzen Laufzeiten ging demnach zurück.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Gerry10
    • 18. August 2013 15:49 Uhr

    ...wenn ich einen Kredit zu günstigeren oder auch ohne Zinsen bekomme, dann habe ich weniger Kosten, von Sparen kann keine Rede sein. Würde ich sparen bräuchte ich keinen Kredit.
    Die Negativzinsen reduzieren die Schuldenlast, sind aber immer noch Schulden.

    Und wenn Griechenland den nächsten Schuldenschnitt bekommt, dann ist diese Kostenreduktion auch wieder weg...

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wolla
    • 18. August 2013 18:46 Uhr

    Ich kann mich dem nur anschliessen.
    Dass andere Länder höhere Zinsen bezahlen müssen heisst noch lange nicht, dass Deutschland auch nur einen € spart.

    "(...) dann habe ich weniger Kosten, von Sparen kann keine Rede sein."

    In meinem Sprachgebrauch gibt es verschiedene Verwendungen von "Sparen". Wenn ich eine Gurke im Supermarkt für 60 Cent kaufen wollte und sie dann im Discounter für 50 Cent kaufe, habe ich 10 Cent gespart. Die Verwendung des Wortes in der Überschrift ist m.E. daher vollkommen angemessen und hat nichts mit falscher "Logik" zu tun...

  1. Wer ist die "Bundesrepublik"?
    Ein kleiner Hinweis darauf, daß der Niedrigzins jedoch für die Bevölkerung extrem negative Auswirkungen hat, z.B. durch negativ-Verzinsung oder die gigantischen Lücken die in die schlechtverzinsten Rücklagen der Rentenversicherungen gerissen werden, wäre angebracht gewesen.

    20 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer ist die "Bundesrepublik"?
    -----------------------------------------
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesrepublik_Deutschland

    "Ein kleiner Hinweis darauf, daß der Niedrigzins jedoch für die Bevölkerung extrem negative Auswirkungen hat, z.B. durch negativ-Verzinsung oder die gigantischen Lücken die in die schlechtverzinsten Rücklagen der Rentenversicherungen gerissen werden, wäre angebracht gewesen."

    Welche Rücklagen meinen Sie denn? Soweit ich weiß hat die gesetzliche Rentenversicherung eine Rücklage von 1-2 Monatsausgaben, welche sozusagen als Notreserve bei Zahlungsschwankungen dient. Sie dient nicht dem Aufbau irgendeines Vermögens. Das ist doch gerade der Vorteil des Umlageverfahrens: die Aufs und Abs der Kapitalmärkte sind egal.

    ... sind sie Steuereinnahmen, was Kapitalerträge anbelangt, ebenfalls stark reduziert. Gleichzeitig wird dem deutschen Sparer sein Vermögen weginflationiert. Mir wäre lieber die anderen Euro-Staaten hätten keine so verantwortungslose Schuldenpolitik gemacht und der deutsche Staat würde dafür 1-2% mehr Zinsen zahlen.

    Meldungen dieser Art sind auch mit Vorsicht zu genießen. Denn schnell folgt das Argument, dass sich Deutschland vom Leid der anderen nicht profitieren dürfe und sich deshalb auf Eurobonds einlassen müsse. Bisher hat Merkel das ja abgewehrt. Die SPD würde aber alles unterschreiben. Und wer weiß schon, wer im September regiert.

  2. So wie Deutschland einen scheinbaren Vorteil von dem niedern Zins der 2 Billionen Schulen hat, so schlimm wird es, wenn die Finanzwelt Deutschland nicht mehr vertrauen kann, da Deutschland mit seinen Garantien sich übernimmt. Zahlen wir dann den zu erwartenden 3-fachen Zins, dann gute Nacht Deutschland.

    5 Leserempfehlungen
  3. ist wohl nur eine Frage der Zeit. Wenn der Staat für die Schulden, die er immer noch Woche für Woche zusätzlich zu den alten macht, normale Zinsen zahlen muss, dann ist er in wenigen Jahren pleite. Momentan werden die Zinsen künstlich niedrig gehalten und durch die de facto ungesetzlichen Anleiheankäufe der EZB dauernd riesige Geldmengen auf den Markt geworfen. Was aber, wenn deren Wertlosigkeit erkannt wird? Dann werden die "Märkte" den Preis verlangen. Nach der Bundestagswahl ist Zahltag.

    12 Leserempfehlungen
    • S.Kunze
    • 18. August 2013 16:34 Uhr
    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Statist
    • 19. August 2013 10:01 Uhr

    wird aber nie in vollem Umfang eintreten.

    1. Target: die Targetschulden, also insbesondere das, was man als Target II kennt, setzt sich zusammen aus den Verpflichtungen aller Euroländer, auch wenn die Hauptbelastungen im Wesentlichen aus den Krisenländern kommen. Trotzdem werden vermutlich nicht alle kollabieren, sondern wenn, dann einzelne
    2. Belastungsanteile von Griechenland an ESM/EFSF/IWF (80Mrd) sind wahrscheinlich in den Wind geschossen, da gebe ich Ihnen recht
    3. Irland-Anteile (13 Mrd) kommen mit großer Sicherheit zurück
    4. Portugal/Spanien/Zypern-Anteile sind noch unklar, diese Belastungen könnten kommen
    5. der graue Balken (190 Mrd von den 637 Mrd) ist noch nicht einmal verplant, d.h. diese Summe jetzt schon mit anzusetzen für die 637 Mrd Gesamtbelastung ist zwar schön und gut, aber nur, wenn sie gleichzeitig über die weiteren Möglichkeiten zur Einsparung im Zinsbereich fundiert spekulieren, ansonsten vergleichen Sie Äpfel mit Tomaten.
    Wenn Sie dann noch die Gewinne (v.a. die steuerlichen Gewinne) aus der Zeit des Binnenhandels mit einbeziehen, als der Euro noch funktionierte, dürften die 40 Mrd noch mal deutlich freundlicher aussehen.

    Des weiteren muss man Ihnen vorhalten, dass Sie kein geeignetes Szenario anbieten für den Fall, dass Deutschland nie Hilfen an die EU-Partner rausgegeben hätte. Insofern lassen Sie offen, was es gekostet hätte, wäre der Euro spätestens 2009 abgeschafft worden.

  4. Also, ich gehe ja mal davon aus, dass dies 40 Milliarden und 599 Milliarden Euro sein sollen, wobei die 599 Milliarden zum Teil nur Garantien über den ESM sind.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn der Unterschied zwischen Millionen und Milliarden / Kosten und Garantiezusagen etwas deutlicher gezogen würde.. das würde viel heisse Luft und unnütze Kontroversen ersparen, vielen Dank!

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    stimmt,

    diesen Aspekt vergass ich: Die Bonität Südeuropas ist genauso wie deren Produktivität auf kontinuierlichem Wachstumspfad. Die Tatsache, dass deren "Zugang zum Kapitalmarkt eingeschränkt" ist, lässt nur ein Fehlurteil der "Märkte" als Ursache zu.

  5. Wie vertraegt sich diese "positive" Nachricht mit diesem vor ein paar Tagen in der Zeit erschienen Artikel?
    http://www.zeit.de/2013/32/sparer-inflation-zinsen
    Auf der einen Seite ist es gut, dass der deutsche Staat weniger Zinsen bezahlen soll, aber dass die Sparer mit Niedrigzinsen leben muessen, wird lamentiert. Dass das eine das andere bedingt, ist anscheinend selbst in der Wirtschaftsredaktion der Zeit noch nicht verstanden worden. Geld faellt halt nicht vom Himmel, sondern muss ueber Kredite erst geschoepft werden. Die Frage ist nur, wer macht die Schulden und wer darf den Ueberschuss als Vermoegen verbuchen.

    4 Leserempfehlungen
  6. Herrn Schäubles geschönten Rechnungen glaube ich kein Wort. Als Aktiva werden Forderungen in Multimilliardenhöhe geführt, die keinen Apfel wert sind. Und statt den niedrigen Zins (...welcher gleichzeitig hiesige Sparer ärmer macht...) für die Tilgung von Altschulden zu verwenden, werden davon europäische Fãsser ohne Boden gefüllt, demnächst Milliarden in den ESM nachgeschossen, Pleiteländer via EU-Fonds mit teuren Luxusspielzeugen belohnt, in eine fragwûrdige Energiewende verschleudert oder allerlei Wahlkampfgeschenke finanziert.

    Schäubles jüngst an den Finanzausschuss des Bundestags präsentierte Rechnung war darüberhinaus eine hinten und vorne fehlerhafte, unvollständige Milchmädchenrechnung. Er geht darin von Gesamtrisiken aus der Euro-Rettung in Höhe von 95,3 Mrd. € aus, berücksichtigt in der Aufstellung jedoch lediglich EFSF und ESM.

    Darin tauchen weder der deutsche 20%-Anteil am EFSM in Höhe von 11,5 Mrd. € noch der KfW-Anteil von 15,2 Mrd. € an bilateralen Krediten für Griechenland auf, wodurch die Risiken bereits auf 122 Mrd. Euro summieren. Laut Koalitionsstimmen fehlen desweiteren die gestundeten Darlehens-Zinsen an Krisenländer sowie Abschreibungen auf wackelige Fond-Kredite.

    Das Münchner ifo-Institut geht sogar noch weiter: Da VBKs aus dem Target-System der Zentralbanken und Staatsanleihekäufe der Notenbanken hinzugerechnet werde müssten, übernimmt der deutsche Steuerzahler für den Euro bereits eine tatsächliche Gesamthaftung in Höhe von gewaltigen 632 Mrd. €. Berlin weist die Berechnungen selbstverständlich zurück.

    ...ff...

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Kauri
    • 18. August 2013 18:29 Uhr

    Der Zins ist immer ein Spiegel der Geldmenge und der Bonität des Schuldners. Der Bund zahlt wenig Zinsen, weil durch die elende Politik von FED und EZB genügend Geld im Umlauf ist. Es ist eigentlich zu viel Geld im Umlauf. Von diesem Geld könnten auch die FPIGS profitieren. Aber denen traut man nicht - also drängt das Geld zu uns. Deswegen wollen die, die an unser Geld wollen, gern Eurobonds einführen. Hätten wir noch die DM , wäre die Geldmenge wegen einer nicht vorhandenen EZB geringer. Die Zinsen für den Süden würden Pump automatisch verbieten. Und Deutschland als sicherer Hafen würde immer weniger zahlen, als die FPIGS ! Kein Verdienst von Schäuble und vor allem nicht auf dem Rücken der Armen, ach so armen ClubMed-Staaten!
    Darüber wird ja leider nicht offen gesprochen!

    Kai A. Konrad, Chefberater des Finanzministers, erwartet das Kollabieren der Euro-Zone. Er schlägt einen Ausstieg Deutschlands aus der Währungsunion vor ... (wie übrigens seit Monaten die AfD-Ökonomen)
    in einem Interview in der WELT
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article119104708/Deutschland-kann...
    "Der "Whistleblower" rechnet mit dem Zerfall der Eurozone. Deutschland müsse die Währungsunion verlassen, falls die Krise sich verschärfe. Die Südländer könnten dann den Euro abwerten und hätten die Chance auf eine wirtschaftliche Erholung...."
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/18/schaeuble-berater-...

    Die im April 2013 zufällig entdeckte Doktorarbeit eines Journalisten enthüllte zu all dem aktuellen Ungemach, Kohls Erklärungen anno 2002 in einem Interview: das den unehrlichen Schäuble hart treffen könnte und evtl. sogar "Kohls Mädchen":

    "Bei der Euro-Einführung war ich ein Diktator"

    „Aber ich wusste, dass ich die Abstimmung nie gewinnen kann in Deutschland. Eine Volksabstimmung über die Einführung des Euro hätten wir verloren. Eine Volksabstimmung hätte ich natürlich verloren, und zwar im Verhältnis 7 zu 3.
    Der Euro ist ja nur ein Synonym für Europa“ ...

    Sein Urteil über Schäuble war wenig schmeichelhaft. Die Begründung jedoch überraschend...
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/18/schaeuble-berater-...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, ff
  • Schlagworte Finanzministerium | Anleihe | Europäische Zentralbank | Euro | Euro-Krise | Information
Service