Wer abends schnell nach der Arbeit noch das abgepackte Rindfleischsteak kauft, für den sind die ökologischen Folgen seines Einkaufs weit weg. Doch mit jedem Kilo Fleisch, das wir essen, verbrauchen wir knappe Ressourcen – weit mehr als durch eine rein vegetarische Ernährung. Wir selbst spüren die Folgen meist nicht unmittelbar. Aber die Menschen in Entwicklungsländern leiden darunter.

 

Wie stark Fleischkonsum die Umwelt belastet, zeigen beispielhaft drei Kennzahlen. Wir haben verglichen: Wie viel Wasser und Ackerland benötigt die Fleischproduktion? Wie viel die Herstellung von Kartoffeln, die exemplarisch für Gemüse stehen soll? Wie viel Kohlendioxid wird jeweils freigesetzt?

In allen drei Vergleichen schneidet Rindfleisch besonders schlecht ab, schlechter noch als Schweine- und Hühnerfleisch. Die Herstellung von Kartoffeln benötigt demgegenüber deutlich weniger Ressourcen.

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Der amerikanischen Organisation Water Foodprint Network zufolge braucht die Herstellung eines einzigen Kilos Rindfleisch unglaubliche 15.000 Liter Wasser. Das entspricht rund 75 vollen Badewannen – für fünf Rindersteaks. Natürlich trinkt das Tier im Leben nicht so viel. Aber es frisst Getreide, braucht Heu und Stroh. Der Anbau funktioniert nicht ohne Wasser, und auch für die Stallreinigung braucht man ein wenig davon. Virtuelles Wasser nennen Fachleute diese Größen.

Für die Herstellung eines Kilos Hühnerfleisch braucht man hingegen nur rund 5.000 Liter Wasser. Für ein Kilo Kartoffeln reichen schon rund 100 Liter.

Die Folgen des Wasserdursts sind enorm: Wasser wird knapp, die Wasserspiegel sinken. Schon jetzt leben nach Angaben des WWF 2,5 Milliarden Menschen in Gebieten mit Wasserstress. Sie konkurrieren mit der Landwirtschaft um kostbares Süßwasser. Die Fleischproduktion sorgt zudem für eine schlechtere Wasserqualität. Gülle und Kunstdünger für den Futteranbau lassen die Nitrat-und Phosphatbelastung ansteigen, auch Antibiotika-Rückstände aus der Tierhaltung können ins Grundwasser gelangen.

Ein Kilo Rindfleisch verbraucht bis zu 49 Quadratmeter

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Kaum erforscht ist bislang, welchen Flächenverbrauch die Fleischproduktion nach sich zieht. Hier nehmen Wissenschaftler den Futtermix als Grundlage für ihre Berechnungen – eine komplexe Schätzung, da sich das Futter je nach Tierart unterscheidet, mal Zuckerrübenschnitzel enthält, mal Hülsenfrüchte.

Schaut man sich die Zahlen des WWF-Reports Fleisch frisst Land an, so zeigt sich, dass die Rindfleischproduktion der größte Flächenfresser ist. Für ein Kilo Rindfleisch werden außerhalb der EU bis zu 49 Quadratmeter Fläche benötigt. In Deutschland sind es nur 27 Quadratmeter. Die Zahlen unterscheiden sich, weil Rinder etwa in Südamerika öfter draußen auf Grasland weiden als in Deutschland. Hierzulande wird dagegen öfter mit Kraftfutter zugefüttert. Besonders wenig Fläche verbraucht dagegen die Kartoffel. Auf einem Viertel Quadratmeter Boden lässt sich bereits ein Kilo Kartoffel anbauen.

Klimagas Kohlendioxid

Die Viehzucht ist außerdem ein Klimakiller, das zeigen die Zahlen der Environmental Working Group aus den USA. Bei der Herstellung eines Kilo Rindfleisches entstehen rund 27 Kilogramm des Klimagases Kohlendioxid. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Schweinefleisch und fast zehn Mal so viel wie beim Kartoffelanbau. Problematisch sind vor allem die Methanemissionen der Verdauung.

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Die Kühe pauschal als Klimakiller zu denunzieren, ist allerdings nicht so einfach. Weiden sie etwa ausschließlich auf ungedüngtem Grünland und werden nicht zugefüttert, dann sieht die Klimabilanz weitaus besser aus: Das Gras kann etwa in gleicher Höhe Klimagas speichern wie die Kuh auch ausstößt. Eine solche extensive Viehhaltung ist allerdings kaum möglich, will man die aktuelle Nachfrage nach Rindfleisch weltweit decken.