Schuldenkrise : Griechenland könnte zweistelligen Milliardenbetrag erhalten

Ein drittes Hilfspaket wird laut EU-Kommissar Oettinger eine Summe im "kleinen zweistelligen Milliardenbereich" umfassen. Einen neuen Schuldenerlass hält er für möglich.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger rechnet bei dem diskutierten dritten Hilfspaket für Griechenland mit einem Volumen im "kleinen zweistelligen Milliardenbereich". Das Paket solle die Jahre 2014 bis 2016 umfassen, sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag. Es reiche nicht, bei der Euro-Rettung auf Sicht zu fahren.

Oettinger schloss auch einen weiteren Schuldenerlass und damit weitere Belastungen für den Steuerzahler nicht aus. "Ein Schuldenschnitt ist auf absehbare Zeiten kein Thema, man kann ihn aber nicht für alle Zeiten ausschließen", sagte der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Spekulationen über einen zweiten Schuldenerlass hingegen verworfen. "Es gibt keinen Schuldenschnitt und wir haben nichts zu verbergen", sagte Schäuble dem Mannheimer Morgen. Mit seinen Äußerungen zu einem dritten Hilfspaket für Griechenland habe er nichts anderes gesagt als das, was die Euro-Gruppe schon 2012 beschlossen habe.

Das Volumen der zusätzlichen finanziellen Unterstützung werde erheblich kleiner ausfallen als bei den bisherigen Programmen, weil Griechenland "wesentliche Fortschritte" gemacht habe, sagte Schäuble. Neue Maßnahmen würden aber erst Mitte nächsten Jahres ergriffen. Griechenland hat bereits zwei Hilfsprogramme über insgesamt 240 Milliarden Euro zugesichert bekommen, das zweite davon läuft noch bis Ende 2014.

SPD-Chef Gabriel nimmt Griechenlands "Superreiche" in die Pflicht

Die Ankündigung neuer Griechenland-Garantien ist beim Koalitionspartner auf Kritik gestoßen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte der Bild am Sonntag, man dürfe den Reformdruck Griechenlands nicht nur durch verfrühte Diskussionen abschwächen. Aus der Opposition erhielt Schäuble hingegen Lob. "Ich bin froh, dass wenigstens der Finanzminister die Wahrheit sagt", sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel der Passauer Neuen Presse.

Gleichzeitig warnte Gabriel die Bundesregierung jedoch vor einem leichtfertigen Umgang mit deutschem Steuergeld. Statt neue Milliardenhilfen in Aussicht zu stellen, brauche Griechenland einen internen Lastenausgleich. "Es darf nicht sein, dass griechische Superreiche nichts zur Hilfe für ihr Land beitragen, obwohl viele von ihnen ja das Land richtig ausgeplündert haben."

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