Ein drittes Hilfsprogramm für das überschuldete Griechenland wird laut einem Bericht wohl deutlich kleiner ausfallen als die beiden ersten. Auch würden die Reformauflagen weit weniger streng sein, berichtet die Süddeutsche Zeitung und beruft sich auf Regierungskreise. Griechenland habe "einen erheblichen Teil der nötigen Veränderungen bereits eingeleitet". Es gehe darum, die Rückkehr des Landes an die Kapitalmärkte möglichst sanft zu gestalten.

Zudem werde darüber diskutiert, die Hilfe zumindest teilweise über den EU-Haushalt zu finanzieren, hieß es weiter. Mit zusätzlichem Geld aus den EU-Strukturfonds könne Griechenland die Wirtschaft stärken, zugleich würde griechisches Staatsgeld für die Schuldentilgung frei. 

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Dienstag während einer Wahlkampfveranstaltung erkennen lassen, dass er mit einem dritten Hilfsprogramm für Griechenland rechnet. Das Land hat bereits zwei Hilfsprogramme über insgesamt 240 Milliarden Euro zugesichert bekommen.

Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn äußerte sich zu dem Thema. Er schloss ein drittes Hilfsprogramm in einem Interview nicht aus. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds würden im Herbst über eine mögliche Fortsetzung der Finanzhilfe entscheiden, sagte Rehn der finnischen Tageszeitung Helsingin Sanomat. "Die Schuldentragfähigkeit könnte beispielsweise durch eine Verlängerung der Kreditlaufzeit verbessert werden."

Die Opposition macht die Griechenland-Hilfe nun zum Wahlkampfthema. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, anstehende weitere Unterstützungsmaßnahmen vor der Bundestagswahl konkret zu benennen. "Frau Merkel muss den Deutschen endlich reinen Wein einschenken – und zwar vor der Wahl", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Kein weiterer Schuldenerlass

Die Linkspartei forderte eine Regierungserklärung. Über Schäubles Offenbarungseid müsse der Bundestag in seiner Sitzung Anfang September debattieren, verlangte Bundeschef Bernd Riexinger in der Berliner Zeitung.

Am Dienstag war Schäuble nach einem Wahlkampfauftritt mit der Äußerung zitiert worden: "Es wird in Griechenland noch einmal ein Programm geben müssen." Dies hatte er zwar auch bisher nicht ausgeschlossen, jetzt wurde er aber etwas deutlicher. Zugleich bekräftigte er, dass es keinen weiteren Schuldenerlass geben werde.

Die SPD kritisierte daraufhin die Krisenkommunikation der Kanzlerin: "Wolfgang Schäuble spricht aus, was die Kanzlerin der Bevölkerung verheimlichen will", sagte Parteichef Gabriel. "Griechenland wird weitere Hilfen – in welcher Form auch immer – beantragen." Das sei auch eine Folge der "einseitigen Politik" von Angela Merkel.

Altkanzler Gerhard Schröder warf seiner Nachfolgerin vor, den Deutschen die Unwahrheit über die Kosten der europäischen Schuldenkrise zu sagen. "Mit Vertuschen und Verschleiern gewinnt man kein Vertrauen des Volkes, sondern nur mit Klartext", sagte Schröder bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung in Detmold. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erinnerte dort daran, dass Merkel 2010 noch angekündigt habe, dass es für Griechenland keinen Cent geben werde. Schröder sprach von einer "ganz großen Lüge", die zu den Kosten der Euro-Krise vorbereitet werde. Deutschland werde zahlen müssen für die europäische Schuldenkrise.

Vermögende Griechen sollen zahlen

Linken-Chef Riexinger verlangte, vermögende Griechen an der Krisenfinanzierung zu beteiligen. "Ich kann mir kein drittes Hilfspaket vorstellen, bevor nicht die griechischen Millionäre eine 50-prozentige Solidarabgabe geleistet haben", sagte er.

Laut Bild-Zeitung ist Griechenland bei der geplanten Privatisierung von Staatsvermögen bisher nicht so vorangekommen wie vorgesehen. Mit etwa 2,4 Milliarden Euro Einnahmen sei nur ein Bruchteil der geplanten Summe erreicht, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Bundesfinanzministerium. Wie aus den Zahlen weiter hervorgeht, will die Regierung bis Ende 2015 rund 7,2 Milliarden Euro aus Privatisierungen eingenommen haben. Noch vor zwei Jahren hatte Athen für diesen Zeitpunkt 50 Milliarden Euro Erlöse in Aussicht gestellt.