Gedränge auf Griechenlands Flughäfen, ausgebuchte Hotels, gut besuchte Tavernen: In dem krisengeplagten Land mehren sich die Anzeichen für ein Ende der Rezession, auch dank eines Tourismus- Booms. Vom Arbeitsmarkt kommen ebenfalls erste ermutigende Signale. Sogar die Steuereinnahmen steigen.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras beschwört es seit Wochen, das "Licht am Ende des Tunnels". Noch bestimmen die Angst um den Job und die Frage, wie man von immer weiter gekürzten Einkommen leben soll, den Alltag vieler Griechen. Das Land steckt im sechsten Jahr der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte, hat seit Beginn der Krise fast ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung verloren. Aber nun zeigt sich möglicherweise so etwas wie ein Silberstreif am wirtschaftlichen Horizont.

Am greifbarsten sind die Vorboten einer Erholung im Tourismus. Griechenland erwartet für dieses Jahr einen Reise- Rekord. In den ersten sechs Monaten stieg die Zahl der ausländischen Urlauber gegenüber 2012 um 6,6 Prozent. Die Schickeria-Insel Mykonos registrierte sogar ein Plus von 68 Prozent, Kreta liegt mit einem Zuwachs von 20 Prozent ebenfalls über dem Schnitt. Viele Hotels sind für August und September ausgebucht. Bis zum Jahresende erwarten die Griechen mehr als 17 Millionen Besucher. Der bisherige Rekord mit 16,5 Millionen Besuchern stammt aus dem Jahr 2011.

Mit der Zahl der Gäste steigen die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr. Sie legten in den ersten fünf Monaten um 15,4 Prozent zu. Ein Grund für das deutliche Plus ist die gegenüber dem Vorjahr um rund 70 Prozent gewachsene Zahl russischer Urlauber. Sie geben deutlich mehr aus als Gäste aus EU-Staaten.

Der Tourismus ist eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft. Er steuerte im vergangenen Jahr ein Sechstel zum Bruttoinlandsprodukt bei und stellte fast ein Fünftel der Arbeitsplätze. Volkswirte schätzen, dass der Fremdenverkehr in diesem Jahr zusätzlich 1,5 Prozent zur Wirtschaftsleistung beisteuern kann. Damit schrumpft Griechenlands Ökonomie möglicherweise weniger stark als erwartet. Prognostizierte noch im Frühjahr das Wirtschaftsinstitut IOBE einen Rückgang von bis zu fünf Prozent, erwarten Fachleute inzwischen nur noch ein Minus von vier Prozent. 2014 soll Griechenland zum Wachstum zurückkehren.

Erholung absehbar

Auch langfristig bleibt der Tourismus ein Hoffnungsträger. Die Branche könne bis 2020 rund 300.000 neue Arbeitsplätze schaffen, prognostiziert Andreas Andreadis, Präsident des Tourismus-Verbandes. Noch hat Griechenland mit knapp 27 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Aber es gibt Anzeichen für eine Wende. In den ersten sieben Monaten wurden 91 611 mehr Menschen neu eingestellt als entlassen. Das war der höchste Wert seit 2008.

Dass sich "am Horizont eine Erholung abzeichnet", sagt auch der Ökonom Phil Smith, beim Wirtschaftsforschungsinstitut Markit zuständig für den Einkaufsmanager-Index. Dieser ist ein wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung und erreichte im Juli mit 47 Punkten den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Auch im Finanzministerium herrscht Zuversicht. Im Juli lagen die Steuereinnahmen um 2,5 Prozent über dem Plan. Finanzminister Giannis Stournaras erwartet, dass sein Land 2013 erstmals seit einer Dekade einen Primärüberschuss (ohne Berücksichtigung des Schuldendienstes) im Etat ausweisen wird. Damit würde sich die Tür für weitere Schuldenerleichterungen öffnen, wie sie die Euro-Finanzminister in Aussicht gestellt haben. Einen weiteren Schuldenschnitt, wie er im Februar 2012 privaten Gläubigern verordnet wurde, erwarte er aber nicht, sagte Stournaras dem Sender Bloomberg TV. Auch die deutsche Regierung schließt einen Schuldenschnitt aus. Denkbar wären jedoch Zinssenkungen und spätere Tilgungen der bereits gewährten Kredite.

Erschienen im tagesspiegel