So viele Arbeitnehmer wie noch nie gehen einem Zweitjob nach. Ende des vergangenen Jahres arbeiteten 2,66 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zusätzlich in einen Minijob — das sind 2,3 Prozent mehr als zum Ende des Jahres 2011.

Seit 2003 ist der Minijob als Nebenjob erlaubt. Wie aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, waren Ende 2003 1,44 Millionen Menschen im Nebenjob geringfügig beschäftigt gemeldet. Seitdem steigt die Zahl kontinuierlich.  

2,66 Millionen Zweitjobber sind 9,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, also fast jeder Zehnte. Über die Gründe für eine Zweitbeschäftigung geben die Statistiken jedoch keine Auskunft.  

Woran liegt das? Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums hatte neben der finanziellen Notwendigkeit auch den Begriff "Konsumlust" erwähnt. Das hat im Netz großen Ärger hervorgerufen. Innerhalb von drei Stunden gab es bei Twitter 1.200 Tweets mit dem Hashtag Konsumlust.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann interpretierte die Zahlen gegenüber der Chemnitzer Freien Presse als Beleg dafür, dass das Einkommen aus einer Beschäftigung für immer mehr Menschen nicht mehr zum Leben reiche. Der überwiegende Teil der Zweitjobber handle aus "finanzieller Not und nicht freiwillig", sagte sie.  

Keine Statistik zu den Gründen für Zweitjobs

Für die Motivation einen Zweitjob anzunehmen, seien viele Gründe vorstellbar, sagte eine Sprecherin der Agentur auf Anfrage ZEIT ONLINE. Es gebe Menschen, die in Teilzeit arbeiten und sich ihr Gehalt aufbessern müssten, ebenso wie Menschen, die sich etwas mehr leisten möchten, als ihr erstes Gehalt hergibt. Auch eine zunehmende Flexibilisierung des Arbeitsmarktes könne eine Rolle spielen.

Die 2,66 Millionen bezeichnen nur die Menschen, die einen Minijob als Zweitjob ausüben. Es ist jedoch auch möglich, zwei sozialversicherungspflichtige Stellen anzutreten oder im Nebenberuf selbstständig tätig zu sein.