MonsantoSuper-Genmais darf nach Europa

Der Agrarkonzern Monsanto darf bald den mehrfach gentechnisch manipulierten Mais Smartstax in die EU importieren. Kritiker warnen: Er ist kaum getestet. von 

Biologin im Versuchslabor von Monsanto in Missouri/USA

Biologin im Versuchslabor von Monsanto in Missouri/USA  |  © Brent Stirton/Getty Images

Die EU-Kommission wird spätestens im Oktober dem amerikanischen Agrarkonzern Monsanto den Import des gentechnisch veränderten Mais' SmartStax erlauben. "Die Entscheidung liegt bei der EU-Kommission und diese wird dem Import im September oder Oktober zustimmen", sagte ein Sprecher des EU-Verbraucherschutzkommissars Tonio Borg auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Es habe zuvor ein "stringentes, wissenschaftliches Bewertungsverfahren" gegeben.

SmartStax ist ein Super-Genmais der US-Agrarfirmen Monsanto und Dow Agroscience und wird in den USA seit 2011 angebaut. Er kombiniert zwei bereits gentechnisch veränderte Maissorten. Die neue Sorte ist extrem umstritten, weil sie nicht nur gegen zwei Unkrautbekämpfungsmittel resistent ist, sondern auch Gifte gegen sechs verschiedene Insektenarten wie etwa den Maiszünsler bilden kann. Landwirte erhoffen sich höhere Erträge und einen einfacheren Einsatz von SmartStax.

Anzeige

Kritiker warnen dagegen vor unklaren Folgen für die Umwelt und den Menschen. "Keine andere bereits zugelassene Pflanze enthält so viele gentechnisch veränderte Bestandteile", sagt Christoph Then von der Gentechnik-kritischen Beratungsfirma Testbiotech. "Es ist völlig ungeklärt, wie sie zusammenwirken und welche Folgen das langfristig hat."

Seit Jahren schon streiten sich Behörden, Ministerien und Genkritiker über die Zulassung von SmartStax. Monsanto und Dow Agroscience hatten im Jahr 2008 die Vermarktung in der EU beantragt. Damit wird SmartStax zwar nicht auf Europas Äckern angebaut, kann aber als Maissilage für Tiere oder in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen.

Marlies Uken
Marlies Uken

Marlies Uken ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft und bloggt bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA kam im Jahr 2010 in einer Studie zu dem Schluss, dass SmartStax "so sicher sei wie konventionell gezüchteter Mais und kommerzielle Varianten, wenn man sich die möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier und die Umwelt anschaut". Die Studie wurde ein Jahr später noch einmal ergänzt, kam aber erneut zum gleichen Ergebnis: Es spreche nichts gegen eine Vermarktungsgenehmigung.

Then kritisiert vor allem die fehlenden Praxistests und spricht von "gravierenden Lücken in der Sicherheitsbewertung von SmartStax". Zwar wurden die einzelnen Ursprungs-Genpflanzen einem 90-tägigen Fütterungstest unterzogen. SmartStax selbst wurde aber nie in Europa an Tiere im Vorfeld verfüttert, um wissenschaftlich die Folgen abzuschätzen.

Die EU-Kommission sieht darin kein Problem. Die EFSA habe keine Notwendigkeit gesehen, eine 90-tägige Fütterungsstudie zu machen, sagt ein EU-Sprecher.

Then vermutet dahinter ein erfolgreiches Lobbying der Agrarkonzerne. "Die EU-Behörden haben eine zu große Nähe zur Agrarindustrie, welche die Kosten für die Risikountersuchung möglichst gering halten will", sagt er. Die Entscheidung der EU sei exemplarisch: Sie zeige, dass der EU-Kommission Verbraucherschutz weniger wichtig sei als die Interessen der Industrie und Monsanto zu schützen.

Leserkommentare
    • wawerka
    • 12. August 2013 14:58 Uhr

    ...irgendwo auch nur ein Cent geflossen oder Jobversprechungen gemacht worden, nein, nein, bestimmt nicht.

    Wenig getester, genmanipulierter Mais kommt hierzulande auf den Markt, weil das gut für den Verbraucher ist. Warum auch sonst?

    42 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bedenken sie doch die astronomischen Maispreise.. Mais das Luxusgut.. Gott sei dank wird es nun ercshwinglich auch für den armen Mann..
    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/jk

    • zeman
    • 12. August 2013 15:00 Uhr

    Ein "Dankeschön" der EU UND der "FDP"!

    P.S. Ist dieser Irrsinn wirklich nicht mehr zu stoppen? Ich gehe davon aus das das Gift auch nicht gekennzeichnet werden muß?

    67 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Yulivee
    • 12. August 2013 16:15 Uhr

    Hab ich was nicht mitbekommen? Monsato verkauft Gift und die EU ist einverstanden?

    Verstehen Sie mich nicht falsch ich mag Monsato nicht. Den ganzen Konzern nicht. Das ist ein riesen Konzern, der kleine Bauern verklagt, wenn die auch nur Spuren von deren Saatgut beim Bauern finden, wo der Bauer noch nicht mal was dafür kann.. Und gegen deren Antwälte kommt man sowieso nicht an.

    Aber, erklären Sie mir mal, was besser ist:
    Eine Pflanze, die sich selber gegen Schädlinge wehren kann oder eine Pflanze, die mit Pestiziden behandelt werden muss.

    Sie glauben doch nicht, dass sie nicht gentechnisch verändertes Obst und Gemüse essen! Alles, was Sie essen (sogar die Sorten, die Ihr Biobauer anpflanzt) sind gezüchtete Sorten. Und was ist Zucht? Das Ändern von Erbgut. Ob ich jetzt ein Gen in eine Pflanze einbringe, weil ich sie mit einer anderen kreuze oder weil ich das Gen mittels Gentechnik (huch, das böse Wort) in die Pflanze einbringe, macht faktisch keinen (!) Unterschied!

    Niemand würde auf die Idee kommen und eine neue Zucht, die besoners resitent gegen irgendwas ist, zu verteufeln und Gift zu nennen.

    Aber nennt man es beim Namen: "Gentechnik" oder "veränderte Gene" springen alle gleich vor Angst aus dem Fenster.

    • Rend
    • 12. August 2013 16:57 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/ca

  1. bedenken sie doch die astronomischen Maispreise.. Mais das Luxusgut.. Gott sei dank wird es nun ercshwinglich auch für den armen Mann..
    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/jk

    8 Leserempfehlungen
  2. Nahrungsmittel, sollten sich die super Lobbyisten mindestens 10 Jahre davon ernährt haben. Wenn sie dann noch in der Lage sind ihren Dreck anzubieten, sollten die Verbraucher entscheiden, ob sie entsprechend gekennzeichnete Waren kaufen und zu sich nehmen wollen.

    36 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist gar nicht so abwegig, was Sie schreiben. Wenn ich es recht verstanden habe werden die (jetzt nicht mehr notwendigen) Fütterungsexperimente mit Nagetieren durchgeführt. Nun ähneln sich zwar alle Säugetiere von ihrer Biologie her, aber je näher man hinschaut, desto größere Unterschiede findet man auch. Vom Prinzip her müsste man deshalb - genau wie bei Medikamenten - Langzeitstudien (!) an (freiwillig teilnehmenden) menschlichen Probanden durchführen. Und erst wenn diese Tests positiv ausfallen, dürften gentechnisch veränderte Lebensmittel zugelassen werden. Darüber hinaus muss jedem Menschen (durch Kennzeichnungspflicht) die Möglichkeit gegeben werden, diese Nahrungsmittel nicht zu sich zu nehmen. Warum das nicht passiert, kann nur einen Grund haben: Einknicken der Politik vor den Profit-Interessen der Hersteller.

    Die Pestizide essen sie bereits jeden Tag mit.
    Auch in der Kombination. Da gibt es keinen Unterschied zu den veränderten Pflanzen, bis auf die Tatsache, dass man es nichtmehr sprühen muss.

    Ist schon ne lustige Sache: Die Gifte über die Pflanzen zu sprühen ist ok.
    Die Gifte von der Pflanze selbst produzieren zu lassen nicht.
    Für uns macht das keinen Unterschied.

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | BASF | Genkartoffel | Import | Monsanto | Vermarktung
Service