Das Dokument umfasst nur acht Seiten, doch der Inhalt hat es in sich. Der Energieexperte Felix Matthes vom Öko-Institut räumt darin mit der Mär auf, dass die stromintensive Industrie besonders unter der Energiewende leidet. Dass die Unternehmen immer neue Lasten schultern müssen.

Glaubt man Matthes, dann ist das Gegenteil der Fall: Rund 40 Euro bezahlen Unternehmen derzeit im Direkteinkauf an der Börse für eine Megawattstunde Strom. Im großen Stil profitieren sie dabei vom Erfolg der Erneuerbaren Energien. Denn deren Ausbau lässt die Großhandelspreise fallen. Merit-order-Effekt nennen das die Fachleute. Matthes schätzt, dass die Megawattstunde ohne die Erneuerbaren rund 25 Prozent mehr kosten würde: Statt 40 wären es 50 Euro. "Energieintensive Industrieunternehmen  (...) profitieren von diesen preissenkenden Effekten, werden aber nicht zur Schließung der Deckungslücke des Flankierungssystems nur mit marginalen Beträgen herangezogen", heißt es in der Studie.

Was Matthes da etwas verklausuliert formuliert, kritisieren Verfechter der Energiewende seit Monaten. Es sind vor allem die privaten Haushalte, die die Energiewende finanzieren – nicht aber die Wirtschaft und erst recht nicht die großen Stromverbraucher. Alle Stromkunden finanzieren über die Ökostromumlage den Ausbau der Erneuerbaren. Im Jahr 2013 stieg die Umlage von 3,59 auf 5,28 Cent je Kilowattstunde.

Für den Rekordanstieg gibt es zwei Gründe. Zum einen ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Opfer des eigenen Erfolgs. Weil immer mehr Deutsche Ökostrom produzieren, steigen die Ansprüche auf Vergütung. Allein in diesem Jahr liegt der Finanzierungsbedarf bei rund 20,4 Milliarden Euro. Diese Summe müssen alle Stromkunden aufbringen. Das ist die Idee des EEG. 

Regierung weitete Stromrabatte noch aus

Zum anderen hat die Politik die Ausnahmen für die Unternehmen ausgeweitet. Ob Großverbraucher, Bahnunternehmen oder Firmen, die sich international behaupten müssen: Sie alle genießen Sonderregelungen für die EEG-Umlage. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat diese Ausnahmen in der EEG-Novelle 2012 noch einmal erheblich erweitert, indem sie die Hürden für Firmen senkte, die in den Genuss der Ausnahmen kommen wollen. Begünstigte Firmen müssen jetzt nur noch 0,05 Cent Ökostromumlage zahlen – Privathaushalte dagegen zurzeit 5,3 Cent.

Für ZEIT ONLINE hat das Öko-Institut zwei Szenarien durchgerechnet: Erstens: Wie entwickelt sich die Ökostrom-Umlage, wenn man die zusätzlichen Ausnahmen für die Industrie wieder zurücknimmt. Und zweitens: Wie hoch ist die Ökostromumlage, wenn die Industrie gar keine Ausnahmen mehr genießt – auch wenn das ein unrealistischer Vorschlag sein mag, den selbst Oppositionspolitiker nicht ernsthaft fordern.