Fraglich bleibt, welches Giftgas verwendet wurde. Anhand des Bildmaterials halten Wissenschaftler im Westen den Einsatz von Sarin für unwahrscheinlich. Die Opfer auf den Fotos wiesen nicht die typischen Symptome auf. Syrien verfügt über Sarin – aber auch über andere Giftgase.

Die Giftgase Sarin, Tabun und Soman stammen ursprünglich aus deutschen Laboren, sie wurden im Dritten Reich entwickelt. VX entdeckten amerikanische und schwedische Chemiker. Die Produktion von Chemiewaffen ist relativ einfach. Mit der Globalisierung breitete sich das dafür notwendige chemische Know-how weltweit aus. Teile für Produktionsanlagen und die Zutaten sind leicht zu beschaffen. Viele Staaten auf der Welt könnten Chemiewaffen wie Phosgen, Senfgas oder Blausäure produzieren. Innerhalb weniger Wochen lassen sich zivile Anlagen so umstellen, dass Giftgase hergestellt werden können.

Sieben Länder wollen nicht auf Giftgas verzichten

Das Genfer Protokoll zur Haager Landkriegsordnung verbietet seit 1925 lediglich den Erstangriff mit Chemiewaffen. Syrien trat dem Abkommen 1968 bei, weigert sich aber bis heute, das Chemiewaffen-Übereinkommen (CWÜ) von 1993 zu unterzeichnen, das auch das Entwickeln, Herstellen, Lagern und den Besitz von Chemiewaffen verbietet. Lediglich sieben Staaten haben das CWÜ noch nicht unterschrieben, dazu gehören Ägypten, Libyen, Nordkorea und Syrien.

Deutschland hat 1954 erklärt, auf das Herstellen von atomaren, biologischen und chemischen Waffen zu verzichten. Dennoch spielten Firmen aus der Bundesrepublik beim Aufbau von Chemiewaffenprogrammen im Ausland eine unrühmliche Rolle. Deutsche Unternehmen haben in der Vergangenheit mehrfach die Chemiewaffenprogramme anderer Staaten unterstützt, vor allem Lieferungen an Irak unter Saddam Hussein und Libyen unter Muammar al-Gaddafi sorgten für Schlagzeilen.

Dank Technik made in Germany konnte der Irak chemische Massenvernichtungswaffen herstellen. Ein Gutachter stellte fest, dass Teile der gelieferten Anlagen für die Herstellung und Abfüllung von chemischen Kampfstoffen wie Lost und Tabun und die Herstellung von Werfer-Munition, Bomben und mit chemischen Kampfstoffen gefüllten Raketen "besonders konstruiert waren".

Saddam Hussein setzte 1988 an bis zu 40 Orten Giftgas gegen Kurden ein, am bekanntesten ist der Angriff auf die irakische Stadt Halabdscha mit verschiedenen Nervengasen wie Tabun, Sarin und auch mit Senfgas. Bis zu 5.000 Menschen kamen dabei um, mehr als 10.000 wurden verletzt. "Viele Überlebende der Anfal-Operationen und der Giftgasangriffe auf die Stadt Halabdscha leiden noch heute unter physischen und psychischen Spätfolgen dieser von irakischen Regierungstruppen durchgeführten Verbrechen", stellte die Bundesregierung 2010 fest. Eine "Mitverantwortung" dafür weist die Regierung zurück: "Illegale Lieferungen deutscher Firmen in den Irak sind, soweit sie zur Kenntnis der deutschen Behörden gelangten, gerichtlich geahndet worden und werden erforderlichenfalls weiterhin zur Anzeige gebracht."