BierAber bitte ohne Alkohol

Na, Prost: Alkoholfreies Bier ist das neue Trendgetränk in Deutschland. Wie konnte das in einer Nation der Biertrinker passieren? von 

Als Günther Beckstein noch bayerischer Ministerpräsident war, sprach er den denkwürdigen Satz in die Mikrofone: Es sei problemlos möglich, zwei Liter Bier zu trinken und dann noch Auto zu fahren. Beckstein löste damit ein Sturm der Entrüstung aus – die ganze Republik diskutierte über die Trinkfestigkeit des damaligen Ministerpräsidenten. Natürlich ist Deutschland ein Land der Biertrinker und ein Volk der Autofahrer – aber doch bitte schön nicht beides gleichzeitig! Heute, fünf Jahre später, haben immer weniger Deutsche ein Problem mit dem Biertrinken und dem Autofahren, denn sie konsumieren in immer größeren Mengen alkoholfreies Bier.

Es sind aber nicht nur die Autofahrer, die beim Besuch von Kneipen, Volksfesten und Biergärten immer öfter ein "Alkoholfreies" bestellen. "Es ist ganz klar ein verändertes Gesundheits- und Fitnessbewusstsein, das den Absatz von alkoholfreien Bieren treibt", sagt Franz Jürgen Weihrauch von der Krombacher Brauerei. Auch viele Figurbedachte entdecken das Bier, das bei reichlichem Genuss keine Zellen zerstört und zudem nur halb so viel Kalorien hat wie die alkoholhaltigen Sorten.

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Unter Sportlern gilt alkoholfreies Weißbier längst als isotonischer Durstlöscher und als ideales Regenerationsgetränk, das zumindest attestieren ihm diverse Wissenschaftler. Zuletzt kam eine Studie der TU München – freilich im Auftrag der Brauerei Erdinger – zu dem Schluss, größere Mengen alkoholfreien Weißbiers nach dem Ausdauersport würden Marathonläufer oder Triathleten eher vor Infekten bewahren als andere Getränke. Und sogar Frauen kommen plötzlich immer mehr auf den Geschmack. Wohl auch deshalb, "weil viele alkoholfreie Varianten auch etwas milder schmecken" als das dazugehörige Original, sagt Marc Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund.

Deutschland auf Platz drei

So kommt es, dass hierzulande inzwischen schon über vier Millionen Hektoliter Alkoholfreies getrunken werden. Der Ausstoß hat sich damit in den vergangenen sechs Jahren fast verdoppelt. Auch international gelten die Alkoholfreien als am schnellsten wachsendes Marktsegment. In Spanien haben sie schon einen Marktanteil von zehn Prozent erobert.

Das beruhigt hierzulande inzwischen die gesamte Branche. Denn seit Jahren sinkt der Bierabsatz in Deutschland. So mancher warnte schon vom Untergang der Biernation Deutschland – auch angesichts der zunehmenden Konzentration und der abnehmenden Brauereidichte. Tatsächlich ist der Konsum in den vergangenen 30 Jahren um fast ein Drittel zurückgegangen. Während 1980 jeder Deutsche im Schnitt 145 Liter Bier im Jahr trank, sank der Konsum auf nur noch 109 Liter im vergangenen Jahr. Damit belegt Deutschland aber immer noch Platz drei auf der Rangliste der größten Biertrinker der Welt, hinter den Tschechen und Österreichern.

Die Statistik erfasst jedoch kein Bier ohne Alkohol. Seit die aber ihren Siegeszug angetreten haben, fangen sie den Rückgang beim deutschen Bierkonsum zumindest auf.

Leserkommentare
  1. "Bierersatz" passt irgendwie zu Menschen wie uns, die auch den Politikersatz von Angela Merkel schätzen, nebst anderen Scheußlichkeiten. "Ersatz" ist übrigens eines der wenigen deutschen Lehnwörter, die sich auch in anderen Sprachen finden.

    9 Leserempfehlungen
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    Alkoholfreies Bier und der vermehrte Konsum davon spiegeln auch gesellschaftliche Entwicklungen wieder. So etwas wie Maß zu halten wird mittlerweile immer mehr ausgeblendet. Bier ohne Alkohol, Käse und Pommes ohne Fett, Süßigkeiten ohne Zucker.
    Früher hat man bei Genußmitteln einfach Maß gehalten. Heute soll man einfach nur weiter konsumieren ohne Sinn und Verstand. Genau so ist es doch auch mit dem Bio Ablasshandel. Kaufen sie ihren Kaffee hier damit sie den Regenwald retten. Tatsächlich für den Regenwald machen sie einen DRECK aber durch den Kauf dieses Bierkastens retten sie den Regenwald.

    Alkoholfreies Bier ist eine geschmacklose Kopie. Wenn ich Sport mache brauche ich kein Fake Bier um das Gefühl zu haben das ich ein Mann bin. Das weniger Bier getrunken wird, liegt vielleicht auch einfach daran, dass es heute einfach vielfältige Angebote gibt und grade junge Menschen auch viel mehr auf andere alkoholische Getränke stehen.

    wie man Äpfel mit Birnen vergleichen kann, genau so wenig kann man Bier mit Politik, geschweige denn mit der von Frau Merkel vergleichen.
    Übrigens: die politische Landschaft in Deutschland wäre vielleicht eine andere, wenn nicht so viele Menschen an (Bier-)-stammtischen dahindümpeln würden, sondern sich aktiv an einer Veränderung in diesem Land beteiligen.
    Alkoholfreies Bier macht auch frei von einem durch Bierdunst vernebelten Geist.

  2. 2. […]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ca

    • einszwo
    • 23. August 2013 16:52 Uhr

    Deutschland, das Land der *Billig*Biertrinker...

    Traurig aber wahr:
    http://www.youtube.com/wa...

    8 Leserempfehlungen
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    Wie ich finde das ist eine sehr schlecht Dokumentation. Der Typ vergleicht Deutsches Industriebier wie Öttinger mir Amerikanischen Bier aus kleinen Brauereien. Beschwert sich dass es in deutschland keine Biervielfalt gibt aber er zeigt kein regionales Bier.

    Bitburger und Budweiser wäre mal ein Vergleich gewesen.

    Fährt nach Amerika auf eine "Bierolympiade" und wundert sich dass es dort amerikanisches Bier so gut abschneidet.

    Und zu guter Letzt die größte Brauereidichte der Welt ist in Oberfranken was eine gewisse Vielfalt erzeugen sollte

    ... da ist sie wieder, die deutsche Lust am Weltuntergang und der kulturell tiefstehenden Sonne.

    Alleine bei mir in Nordbayern gibt es über 300 unterschiedliche Brauerein bzw. Biere. Man darf Bier halt nicht gleich mit Becks (brrrr), Bitburger (arrrgh) und sonstiger Plörre aus der TV-Werbung gleichsetzen.

    • Antigen
    • 23. August 2013 17:00 Uhr

    Weil Deutschland voller Weicheier ist, voll von Warmduschern, Frauenverstehern, Vätermonatnehmern, Bussigebern und anderen verderblichen Elementen.

    *Ist nicht ganz ernst gemeint ;)

    16 Leserempfehlungen
    • det-c
    • 23. August 2013 17:00 Uhr

    Morgens nach dem Frühsport oder tagsüber gegen den Durst ein alkoholfreies Erdinger und abends zur Entspannung ein "richtiges" Bier.

    Eine Leserempfehlung
  3. Ich kann mit alkoholfreiem Bier nichts anfangen und trinke lieber Saft, Cola oder Kaffee, wenn ich was Alkoholfreies will. Seit mir jemand mal erklärt hat, dass alkoholfreies Bier *das* Trendgetränk für Marathonläufer und andere Freizeitprofisportler ist, weil es wohl isotonisch sei, leuchtet mir auch die wachsende Verbreitung an. Da ja mittlerweile kaum ein Sommerwochenende vergeht, an dem nicht irgend ein Stadtmarathon, Triathlon oder ähnliches durchgeführt wird, wird der Trend zum alkoholfreien Bier eine starke Korrelation zum Ausdauersporttrend haben.

    Damit will ich nichts zu tun haben. Keine koffeinfreien Kaffees, keine Cola ohne Zucker, kein alkoholfreies Bier, keine Saft- und Weinschorlen. Lieber ab und zu ein richtiges Bier mit ordentlichen Prozenten anstatt andauernd diese halben "milden" Sachen.

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    Dann trinken sie doch mal bitte an einem heißen Sommertag ein eiskaltes Erdinger Alkoholfrei.

    Es schmeckt ziemlich gut, es gibt Flüssigkeit und vor allem kann man es 16 Uhr bei 35 Grad im Schatten trinken ohne nachher Bummzu zu sein.

    Wie wäre es, wenn man das ganze als eigenständiges Getränk sieht, statt immer nur von Ersatz zu reden. Es ist wie bei den Vegetariern und dem was so alles aus Tofu und Gluten gemacht werden kann - es wird als "Fleischersatz" angesehen, aber wenn man es als eigenständiges Produkt sieht, so wie Käse, Joghurt, Marmelade whatever - dann ist es halt einfach ein Getränk. Ist Vita Cola auch Scheisse, weil ein Schuss Zitrone drin ist, Ist nicht Cola schon scheisse, weil ja kein Coka Extrakt mehr enthalten ist? Darf nur noch Absinth mit genügend zerstörerischen Inhaltsstoffen getrunken werden? Und sind Pommes vom Backblech zu verachten, nur die versifften aus der Friteuse zählen?

    • Socke9
    • 23. August 2013 17:33 Uhr

    Schmeckt doch eklig, egal ob mit oder ohne Alkohol, wieso sollte man das mögen? ;)

    6 Leserempfehlungen
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    ... natürlich weil's besoffen macht !!!

    Spaß beiseite, ich habe im Urlaub erstmals Bitburger Radler 0,0% nach einer langen Fahrradtour getrunken, der hat tatsächlich wie richtiger Radler geschmeckt. Hat meine Frau gekauft und hat nach dem Sport auch gut getan.

    Vielleicht traue ich mich demnächst auch mal an alkoholfreies Bier ran, zögere aber noch, Begründung siehe oben.

  4. 8. .....

    Dann trinken sie doch mal bitte an einem heißen Sommertag ein eiskaltes Erdinger Alkoholfrei.

    Es schmeckt ziemlich gut, es gibt Flüssigkeit und vor allem kann man es 16 Uhr bei 35 Grad im Schatten trinken ohne nachher Bummzu zu sein.

    Wie wäre es, wenn man das ganze als eigenständiges Getränk sieht, statt immer nur von Ersatz zu reden. Es ist wie bei den Vegetariern und dem was so alles aus Tofu und Gluten gemacht werden kann - es wird als "Fleischersatz" angesehen, aber wenn man es als eigenständiges Produkt sieht, so wie Käse, Joghurt, Marmelade whatever - dann ist es halt einfach ein Getränk. Ist Vita Cola auch Scheisse, weil ein Schuss Zitrone drin ist, Ist nicht Cola schon scheisse, weil ja kein Coka Extrakt mehr enthalten ist? Darf nur noch Absinth mit genügend zerstörerischen Inhaltsstoffen getrunken werden? Und sind Pommes vom Backblech zu verachten, nur die versifften aus der Friteuse zählen?

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    • Mortain
    • 23. August 2013 18:25 Uhr

    Vita Cola schmeckt wie Spüli und ist nur was für Ostgoten, wg Nostalgie.

    "Gläuterten" Absinth zu trinken, ist ohne das Zeug was van Gogh und der Pariser Boheme tolle Hallos erlebt ließ, in det Tat Verschwendung. Der LSD ähnliche Rausch ist das, was der Absinth einst gut machte. Nicht der tolle Geschmack....

    Pommes aus der Fritteuse sind besser, weil fett ein Geschmacksträger ist. Die kastrierten kommen da nicht gegen an. Ob es gesund ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Und so ist es eben auch mit Bier. Die Pleurre die uns als alkoholfrei verkauft wird, verdient den Namen Bier nicht (allerdings trifft das auch auf viele Biere zu, weswegen ich selber braue). Dann wenn alkoholfrei lieber ein gutes Malzbier (nicht das von Flens!!!!).

    Lieber nennwert,

    für mich gehört Alkohol zum Biergenuss einfach dazu. Aber das ist ja wirklich eine Einstellungsfrage. Vielleicht liegts einfach dran, dass ich Bier nicht nur aus Geschmacksgründen trinke.

    Mit dem Tofu liegen Sie bei mir falsch. Ich esse gerne Tofu, Seitan, Käseschnitzel und echtes Fleisch, jedes für sich hat seine Vorzüge.

    Und gegen Vita-Cola hab ich auch nix. Aber eine koffeinfreie und zuckerfreie Cola würde ich mir nicht antun. Diese Energielieferung und der Antrieb des Koffeins gehören für mich zum Getränk dazu. Vielleicht hab ich bei Ihnen den falschen erwischt, aber der Trend zum alkoholfreien Bier fühlt sich schon ein wenig so an, als ob es wieder eines dieser Dinge ist, wo man ein bisschen was vom Original haben will, aber ja nicht zu viel oder nur in homöopathischen Dosen (weil reine Fruchtsäfte "zu sauer" sein oder echter Kaffee den Magen aufrühren würde oder man von Bier etwas schummrig werden könnte).

    Ich muss sagen, dass ich diesmal voll im Trend liege. Das ist mir ein wenig peinlich, aber es liegt daran, dass alle anderen Getränke außer Bier so süß sind, und ich das auf die Dauer nicht vertragen kann. Also entweder Wasser oder Bier. Und da gewinnt das Freie Bier eben öfter, weil es einen klaren Kopf lässt.

    genieße ich gerne, denn geschmacklich steht es dem normale in (fast) nichts nach, und man kann es auch in der Mittagspause mal genießen. Ob Trend oder nicht, ist mir doch egal. Der (orale) Genuss entscheidet. Und wenn ich noch einen klaren Kopf brauche (zB beim Arbeiten, Autofahren), dann eben auch der Alkoholgehalt. So gehen Vernunft UND Genuss je nach Situation hervorragend zusammen, ein Prosit auch auf die alkoholfreie Braukunst!

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  • Schlagworte Bier | Alkohol | Ausdauersport | Holsten-Brauerei | Spanien | Jever
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