Jeff Bezos kauft die renommierte Traditionszeitung Washington Post – für 250 Millionen Dollar. Der Internetunternehmer erwirbt das Zeitungsgeschäft der Washington Post Company als Einzelperson und nicht im Namen des weltgrößten Onlinehändlers Amazon. Zusammen mit der Washington Post gehen auch mehrere andere Blätter an Bezos. Innerhalb von zwei Monaten soll der Verkauf bereits abgewickelt werden, schreibt die Washington Post auf ihrer Website. Bezos sei ein "einzigartig guter neuer Besitzer", sagte Verlagschef Donald Graham und begründete den Verkauf des Traditionsblattes mit der schwierigen Lage der Zeitungsbranche. Nach Jahren der Herausforderungen im Zeitungsgeschäft und reiflicher Überlegung sei er zu dem Entschluss gekommen, dass es der Zeitung unter einem anderen Eigentümer besser gehe. "Der Aufstieg des Internets und der epochale Wandel von Print zu Online haben eine massive Welle des Wettbewerbs für traditionelle Nachrichtenunternehmen" mit sich gebracht, schreibt die Washington Post. Jetzt wird die Zeitung ausgerechnet von einem milliardenschweren Internetunternehmer übernommen.

Die Washington Post hätte auch ohne den Verkauf überleben können, sagte Graham, dessen Familie das Blatt besitzt. Man habe jedoch "mehr als überleben wollen". Nun sehe er "eine viel größere Chance auf Erfolg".

Amazon-Chef Bezos sagte, er sei zuversichtlich für die Zukunft der Zeitung, deren "kritische Rolle" er schätze. Er versprach, dass sich die Werte der Washington Post nicht ändern würden. Die bisherigen Verantwortlichen sollen in ihren Ämtern bleiben.

Die börsennotierte Washington Post Company, der auch das Bildungsunternehmen Kaplan und mehrere Fernsehsender gehören, versucht sich seit Jahren breiter aufzustellen. Im operativen Umsatz musste das Unternehmen in den vergangenen sechs Jahren einen Rückgang von 44 Prozent verbuchen. Das Unternehmen wird seinen Namen nach Abschluss des Zeitungsverkaufs ändern. Ein neuer Name sei aber noch nicht gefunden.

Zu weltweitem Ruhm gelangte die Washington Post unter Grahams Mutter Katherine als Herausgeberin. Die Zeitung deckte damals den Watergate-Skandal auf, infolgedessen US-Präsident Richard Nixon 1974 zurücktreten musste.