Oliver Steinki war Investmentbanker. Bis vor Kurzem hat der 29-Jährige für einen Hedgefonds in der Schweiz gearbeitet und viel Geld verdient. Im Februar 2010 gründete er zusammen mit Sven-Oliver Pink (33) und Florian Michajlezko (29) die Firma ergobag. Jetzt sitzt er im Konferenzraum der Kölner Zentrale auf Plastikstühlen und verdient deutlich weniger – aber er ist wesentlich zufriedener. "Als Investmentbanker bringst du keinen Nutzen, du transferierst nur Geld", sagt der 29-Jährige rückblickend. "Hier kümmern wir uns um unsere Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Das macht einfach mehr Spaß."

Ergobag lässt von Trekking-Rucksäcken inspirierte Taschen für Kinder und Jugendliche produzieren. Die Brust- und Beckengurte sollen den Rücken der jungen Träger besonders gut schützen und entlasten. Doch das ist nicht die einzige Innovation: Die Taschen sind auch noch ressourcenschonend hergestellt, denn sie bestehen aus recycelten Plastikflaschen. Im vergangenen Jahr verarbeitete ergobag eigenen Angaben zufolge 2,5 Millionen Flaschen, in diesem Jahr werden es wohl sechs Millionen sein.

Ergobag wächst: Als Steinki, Pink und Michajlezko ihr Unternehmen gründeten, hatten sie drei Mitarbeiter. Mittlerweile sind es 35. Dazu kommen zehn freie Handelsvertreter. Über 200.000 Rucksäcke hat das Unternehmen im letzten Geschäftsjahr verkauft und damit einen Umsatz von fünf Millionen Euro gemacht. Dieses Jahr werden es voraussichtlich über zwölf Millionen Euro sein. Damit kommt ergobag den Konkurrenten Scout und McNeill langsam immer näher, obwohl deren Rucksäcke im Schnitt teurer sind. Zum Vergleich: Scout macht rund 35 Millionen Euro Umsatz, McNeill rund 20 Millionen. 

Kunden kaufen nachhaltigen Lebensstil

Die Kunden seien inzwischen reif für derartige Produkte, sagt Sabine Lydia Müller, die Vorstandsvorsitzende von "dasselbe in grün". "Nachhaltig hergestellte Produkte bieten ein ganz anderes, positives Kauferlebnis", sagt Müller. In ihrem Verband sind nachhaltig arbeitende, privatwirtschaftliche Unternehmen wie Bio-Möbelhersteller, Restaurants oder Designagenturen zusammengeschlossen. Vor drei Jahren war es nur eine Handvoll Mitglieder, mittlerweile sind es fast 70. "Bei unseren Unternehmen geht es noch bergauf. Wir haben ständig neue Anfragen, es kommen immer neue Start-ups dazu", sagt Müller. Wolfgang Adlwarth, Handelsexperte bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg, bestätigt den Trend. "Vor allem besser gebildete Käuferschichten wollen ihren Kindern eine bessere Umwelt hinterlassen", sagt Adlwarth. Nach seinen Analysen ist diese Käuferschicht seit 2007 um fast 50 Prozent gewachsen.

Nicht immer allerdings findet Nachhaltigkeit vor der Haustür statt. Ergobag lässt in Vietnam produzieren. "Optimal ist der lange Weg sicher nicht", weiß Sven-Oliver Pink, "aber in Vietnam gibt es nun mal das Know-how. In Deutschland gibt es keine Produzenten, die Rucksäcke herstellen könnten, wie wir sie brauchen. Natürlich auch nicht für den Preis. Deshalb produzieren alle großen Hersteller von Trekkingrucksäcken in Vietnam." Florian Michajlezko reist regelmäßig nach Vietnam, um die Produktionsbedingungen dort zu kontrollieren. 

Die beiden Gründer im ergobag-Büro © Raphael Moritz

Weil es in Vietnam keinen entsprechenden Markt für den speziellen Rohstoff gibt, kommen die PET-Flaschen per Schiff aus Taiwan. Aus den eingeschmolzenen Flaschen werden dann sogenannte "Chips" hergestellt, aus denen später die Fäden für das Gewebe gewonnen werden. Wegen des aufwändigen Verfahrens ist der Stoff um 20 Prozent teurer als vergleichbares, nicht recyceltes Material. "Wir versuchen Ressourcen schonend zu arbeiten, auch wenn der Stoff etwas teurer ist. Das bedeutet für mich, nachhaltig zu arbeiten", sagt Florian Michajlezko. "Sicherlich gibt es Hunderte Möglichkeiten,  noch nachhaltiger zu sein. Ich glaube aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Um neun ins Büro, um fünf nach Hause – das wollten die drei Betriebswirte nie. Etwas Eigenes aufbauen, mit eigenen Regeln, das war ihr Ziel. Als auf einer Feier ein Freund von einer sogenannten Schulranzenparty erzählte und eine Physiotherapeutin über die schlechte Ergonomie von Schulranzen klagte – da war die Idee geboren, auf diesem Feld etwas besser zu machen als die Konkurrenz. Besser hätte es für die drei Gründer bisher nicht laufen können.