Schweinemast in Bayern © dpa

Als Margarete Bause aus ihrem Wahlkampfbus steigt, rümpft sie die Nase: "Das stinkt ja widerlich", sagt die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen für die Landtagswahl, während sie in Richtung einer Vielzahl von Schweineställen blickt. Der Reichertsweiler Hof im bayerischen Landkreis Donau-Ries sieht von außen mit seinen roten Ziegeldächern so aus wie die meisten Ferkelzuchtbetriebe. Doch der beißende Geruch von Ammoniak und die schiere Größe der Ställe lassen erahnen, dass es sich bei dem Anwesen um einen der größten Schweinehöfe Bayerns handelt. Eine Nachbarin berichtet von kläglich wimmernden Säuen und schrecklichem Lärm. Beim Hof heißt es dagegen auf Anfrage, den Tieren gehe es gut, mit den Behörden habe es nie Probleme gegeben.

An diesem sonnigen Augusttag sind nur wenige Geräusche aus dem Inneren der Ställe zu hören. Eine riesige Baugrube und die aufgeschütteten Erdhaufen verraten, dass der Betreiber hier derzeit einen weiteren Stall errichtet. Schon bald sollen auf der gesamten Anlage etwa 3.000 Mutterschweine und 8.000 Ferkel leben. Damit wäre der Betrieb die größte Schweinezuchtanlage Bayerns.

Für Bause eine Horrorvorstellung. "Das hat doch nichts mehr mit artgerechter Tierhaltung zu tun", sagt die Politikerin. Es dürfe nicht sein, dass Agrarfabriken "den kleinteiligen, bayerischen Familienbetrieben die Existenzgrundlage entziehen". Ein Betrieb, in dem laut Tierschützern bis zu 75.000 Ferkel jährlich "produziert werden", passe nicht nach Bayern.  

Der Widerstand wächst

Betreiber des Hofs ist einer der größten Schweinezüchter Europas, der Niederländer Adrian Straathof. Sein Konzern hat vor allem in Ostdeutschland viel Geld in mehrere Riesenställe investiert. Dort wurde die Firma wegen Verstößen gegen Tierschutzbestimmungen bereits zu hohen Geldstrafen verurteilt. Eine Konzernsprecherin sagt jedoch, die Zwangsgelder seien "nicht rechtmäßig verhängt worden". Sie verweist auf laufende Gerichtsverfahren. Man halte sich streng an die geltenden Tierschutzverordnungen, versichert auch einer der beiden bisherigen Betriebsleiter des Reichertsweiler Hofs, der für Straathof Fragen zu den bayerischen Firmenaktivitäten beantwortet.

In einer Region, die sich selbst als Ferienland "Donau-Ries" bezeichnet und auf ihrer Internetseite "Wandern durch intakte Natur" verspricht, sind die Straathof-Expansionspläne zum Politikum geworden. Unter dem Motto "Stoppt den Saustall" machten 350 Demonstranten Mitte August in der Kreisstadt Donauwörth ihren Unmut über den Großbetrieb Luft. Zum Protest aufgerufen hatten Naturschützer und lokale Initiativen. Eine als Schwein verkleidete Frau etwa schimpfte: "Die kleinen Familienbetriebe haben da doch keine Chance mehr."  

Aber auch ohne den Holländer entstehen im Freistaat immer mehr Riesenställe. So soll etwa in der Nähe von Landshut ein Mastbetrieb mit 3.000 Sauen unweit eines Wasserschutzgebietes entstehen. Und im niederbayerischen Hohenthann planen mehrere Großbauern, ihre Mastanlagen massiv auszubauen. So will etwa der Schweinemäster Rudolf L. seinen Bestand von 3.900 auf 6.400 Tiere aufstocken. Anders könne der Hof langfristig angesichts dauerhaft niedriger Schweinepreise kaum überleben, rechtfertigt L. den Ausbau.