Energiewende"Den Wutbürger gibt es nicht"

Die Energiewende klappt nur mit großer Unterstützung der Bevölkerung, sagt Regulierer Jochen Homann. Im Interview erklärt er, wie er die Bürger überzeugen will. von Heike Jahberg und Carsten Brönstrup

Frage: Herr Homann, wegen Personalmangels in den Stellwerken drohen immer wieder Zugausfälle wie in Mainz. Sollte man das Schienennetz nicht jemandem anvertrauen, der es besser managen kann?

Jochen Homann: Es gibt derzeit niemanden, der das Netz besser managen kann, als die DB Netz AG. Das dortige Know-How lässt sich nicht einfach so ersetzen. Man kann allerdings dafür sorgen, dass durch entsprechende Aufsicht das Zugangsrecht der Verkehrsunternehmen durchgesetzt werden kann. Leider ist ein entsprechendes Gesetz dazu kürzlich am Widerstand im Bundesrat gescheitert. Ich finde es gut, dass der Bundesverkehrsminister das Thema nun in der nächsten Wahlperiode wieder auf die Tagesordnung setzen will.

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Frage: Mit dem Gesetz wäre das Stellwerk in Mainz nicht ausgefallen?

Homann: Langfristig gesehen hätte das Gesetz für mehr Qualität und Effizienz im Netz gesorgt. Zu effizientem Betrieb gehört in der Gesamtschau auch die Verhinderung von Betriebsausfällen und -störungen, denn diese verursachen unnötige Folgekosten. Was in Mainz geschehen ist, ist eine Folge früherer Versäumnisse. Die jetzt aufgetretenen Probleme hätte auch die Bundesnetzagentur nicht verhindern können. Die Frage der richtigen Personalpolitik und der Personalvorsorge obliegt allein der Deutschen Bahn.

Frage: Neben Mainz waren mehrere andere Stellwerke betroffen, darunter zwei in Berlin. Wann kann die Bahn zum Normalbetrieb zurückkehren?

Homann: Wir setzen hier auf die gemachten Angaben der DB Netz AG. Zunächst muss Personal eingestellt oder umgeschult werden, das geht nicht von heute auf morgen.

Frage: Sie haben ein Zwangsgeld angedroht

Homann: … ja, 250.000 Euro für Mainz sowie 100.000 Euro für den Standort Bebra. Damit wollen wir die Bahn zwingen, den ordnungsgemäßen Betrieb wieder zu gewährleisten. Sie muss uns gegenüber nachweisen, dass sie dafür alles Erforderliche tut.

Frage: Schmerzt einen Konzern mit 40 Milliarden Euro Umsatz eine Strafe von einer Viertelmillion?

Homann: Die im Einzelfall festlegbare Höchstsumme liegt bei 500.000 Euro. Aktuell geht es insgesamt um 350.000 Euro Zwangsgeld. Sicherlich kann die Bahn das leisten. Viel wirksamer und effizienter ist allerdings der öffentliche Druck durch ein solches Zwangsgeld. Der Image-Schaden dürfte die Bahn weitaus mehr schmerzen.

Frage: Wann haben Sie von den Problemen erfahren?

Homann: Im vergangenen Herbst haben sich diverse Wettbewerber mit konkreten Beschwerden an uns gewandt. Um die Ursachen aufzudecken, haben wir ein Verfahren eröffnet. Das Unternehmen wurde schließlich aufgefordert, die Zugangshindernisse zu beseitigen.

Frage: Die Bahn hat also ein Dreivierteljahr die Dinge schleifen lassen?

Homann: Personalausfall durch Krankheit kann man nicht konkret vorhersehen, Personalknappheit und fehlende Redundanz in einem kritischen Bereich aber schon. Die Abhilfe durch Neueinstellung und Schulung benötigt aber wie gesagt Zeit. Man kann die Fachkräfte nicht ohne weiteres von einem Stellwerk zum nächsten umsetzen. Ein Argument mehr für ausreichende Vorsorge vor Ort.

Frage: Haben Sie den Eindruck, dass die Bahn aus Mainz gelernt hat?

Homann: Ich habe den Eindruck, dass sich die Bahn sehr anstrengt. So ein Desaster kann sie sich nicht noch einmal erlauben. Wenn Menschen, die bisher Zug gefahren sind, nun auf das Auto den Bus oder das Flugzeug umsteigen, kann das auch nicht im gesamtwirtschaftlichen Interesse sein.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

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    Nun möge man auf den Gedanken kommen, dass Homann als ehemaliger Mitarbeiter von Phlip Rösler wohl nicht gerade innig grünem Gedankengut anhängt, denn wem verdankt er diesen Job? Raten Sie mal, ich sage nur so viel: Trittin war's nicht.

  2. Die Bahn AG ist zu 100% im Eigentum des Bundes, und bezahlt nun die Strafe quasi an sich selbst. Das ist wirklich bitter und ein verdammt strenger Fingerzeig !

    6 Leserempfehlungen
  3. 3. Grün?

    Nun möge man auf den Gedanken kommen, dass Homann als ehemaliger Mitarbeiter von Phlip Rösler wohl nicht gerade innig grünem Gedankengut anhängt, denn wem verdankt er diesen Job? Raten Sie mal, ich sage nur so viel: Trittin war's nicht.

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    Antwort auf "[...]"
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    • wd
    • 02. September 2013 21:00 Uhr

    Man könnte auch sagen: „Die übliche Parteipolemik.“
    Da gibt es irgendein Sprichwort das so ähnlich besagt, dass der Bote nichts nichts für die Nachricht kann, die er überbringen muss.

    Genauso polemisch könnte ich verbreiten: „Rot-Grün schafft den Unterricht an Schulen in den Fächern Ph, Ch und Bio teilweise ab oder verändert Richtlinien so, dass man eine zukünftige Bevölkerung leichter mit Halbwahrheiten regieren kann.“

  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

  5. 5. [...]

    Entfernt, bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

  6. "Die Energiewende klappt nur mit großer Unterstützung der Bevölkerung,"
    Und genau die verweigere ich ihm - genauso wie viele andere auch - da kann er sich auf den Kopf stellen, der Herr Homann.

    Da wurden in ein paar Tagen nach der Fukushima-Hysterie Jahrzehnte gewachsener Energiepolitik in die Tonne getreten - und wir Bürger sollen jetzt von den Folgen begeistert sein? Stromteuerung, Umweltschweinerei durch verstärkte Braunkohleverheizung, unsichere Stromversorgung, idiotische Solarsubventionierung etc ....

    "Den Wutbürger gibt es nicht" - da mag er recht haben: Wer sich wehrt, das sind die Vernünftigen und Nachdenkenden.

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    "Die Bundesnetzagentur strebt deshalb einen transparenten und intensiven Diskurs mit den Bürgerinnen und Bürgern an. Denn es ist ganz klar, die Energiewende wird nur dann gelingen, wenn die Bevölkerung sie mit breiter Akzeptanz trägt und unterstützt."

    Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Ausser vielleicht ... auch Ihre Unterstützung.
    Aber vermutlich wohnen Sie tausende Kilometer von Fukushima entfernt.
    Ihre Unterstützung würde mich wirklich freuen.

    ... ganz meiner Meinung.
    "Stromteuerung, Umweltschweinerei durch verstärkte Braunkohleverheizung, unsichere Stromversorgung, idiotische Solarsubventionierung etc ...."
    Wenn Homann sagt, es gibt keine Wutbürger, dann bich wohl der einzige "Wutbürger"

  7. Das Thema geistert durch alle möglichen Foren, ohne wirklich geklärt zu sein. Kann jemand einen Golfplatz nennen, der von der Umlage befreit ist.
    Befreit ist auf jeden Fall die Fabrik von Solarworld (H. Asbek im Spiegel-Interview)

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  8. -Frustbürger dürfte eher hinkommen. In der Regel Menschen, die sich dem Staatsapparat oder Teilen davon immer hilfloser ausgeliefert und nicht mehr vertreten sehen. Parteien und Teile des öffentlichen Dienstes haben sich objektiv von den Interessen vieler Millionen Bürger abgekoppelt, die negative Betroffenheit dieser Millionen wird vom Apparat gar nicht mehr wahrgennommen..

    Die Frustbürger organisieren sich daher nicht mehr in den Parteien, sondern in lokalen Bürgerbewegungen.und vertreten ihre Interessen selbst.
    Was bleibt ihnen auch anderes übrig ?

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