Gesund ist das alles nicht. Da scheidet einer der besten Ökonomen der Vereinigten Staaten aus dem Rennen um den Chefsessel der Zentralbank aus, und an der Wall Street zünden die Händler ein Feuerwerk. Warum? Weil er vielleicht etwas früher wieder zu einer normalen Geldpolitik zurückgekehrt wäre als seine Gegenspielerin.

So geschah es Anfang der Woche. Der Ökonom heißt Lawrence Summers, niemand zweifelt an seinem Sachverstand, viele aber finden den Mann zu eckig. Deshalb ließ Barack Obama ihn fallen. Die Favoritin auf den Job heißt nun Janet Yellen, steht weiter links und glaubt, die Zentralbank solle mit der Politik des ganz billigen Geldes noch lange das Wachstum beschleunigen.

Wie billig, das haben viele schon vergessen. Nicht nur hält die Fed, wie die amerikanische Zentralbank heißt, ihren Zinssatz bei fast Null. Sie bringt auch noch jeden Monat 85 Milliarden Dollar zusätzlich in Umlauf, indem sie Staatsanleihen und Immobilienpapiere kauft. 

Und was macht sie in der Nacht zu heute?  Beschließt, erst einmal genau so weiter zu machen. 85 Milliarden Dollar, Monat für Monat, und die Zinsen bleiben an der Nulllinie. Zwar hatte der scheidende Chef der Bank angedeutet, bald würde man den immensen Geldfluss drosseln, aber jetzt geht es erstmal unvermindert weiter.

So sehr die Finanzmärkte auch feiern, die Gefahr für die Wirtschaft ist immens. Worin sie liegt? Derart billiges Geld macht die Wirtschaft auf Dauer kaputt wie Kokain einen Abhängigen. Alle gewöhnen sich an die Droge, sie löst neue Hysterien an den Finanzmärkten aus – und in der Folge weitere Krisen. Auf die reagiert die Zentralbank dann mit noch mehr billigem Geld. Und irgendwann versinkt die Wirtschaft in Inflation.

Der Jubelsturm der Wall Street in dieser Woche ist also ein vergiftetes Lob für die laxen Zentralbanker in Washington. Die Börsenhändler interessiert es nicht, ob irgendwann neue Blasen platzen und unser aller Geld entwertet wird. Sie wollen einfach, dass die Party weiter geht. Jetzt und hier. Das Heute ist ihnen, wie allen Süchtigen, ungleich wichtiger als das Morgen.

So aber dürfen Politiker und Zentralbanker nicht denken. Deshalb ist es eine schlechte Nachricht, dass die gegenwärtige Fed-Spitze nichts gegen die Geldflut unternommen hat. Und es ist eine noch schlechtere Nachricht, dass Lawrence Summers als Kandidat abdankt und die Börse deshalb jubelt.

Die amerikanische Wirtschaft wächst um zwei bis drei Prozent im Jahr, die Arbeitslosenquote ist auf dem Weg nach unten, die Aktienkurse sind auf Rekordstand und die Banken drehen schon wieder gewaltige Räder. Die große Krise sieht anders aus. 

Es wäre also Zeit für eine Wende und für ein klares Signal, das sagt: Werte, ob nun an der Börse oder in der Volkswirtschaft, müssen wieder verdient werden. Das Wirtschaften auf Null-Zins-Pump darf nicht einfach weitergehen. Erst muss es in Amerika aufhören, dann in Europa. Sonst entsteht vielleicht kurzfristig neuer Wohlstand, der sich aber langfristig als teure Illusion erweist.