FinanzkriseLehmans Erbe

Vor fünf Jahren brachte die Pleite der Bank das Weltfinanzsystem ins Taumeln. Die folgende Krise hat die USA und Europa verändert. Fünf Grafiken zeigen, wie sehr. von 

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Es ist eine erstaunliche Kurve, die hier zu sehen ist. Sie zeigt, wie viel die privaten Banken in den USA verdienen – nicht in absoluten Zahlen, sondern gemessen an ihrem Anteil an den Unternehmensgewinnen insgesamt. Man könnte auch sagen: Die Kurve zeigt den Einfluss der Finanzhäuser auf die amerikanische Wirtschaft und wie sich dieser verändert hat, vom ersten Quartal des Jahres 2001 bis zum Beginn des Jahres 2013. Die neusten verfügbaren Daten stammen aus dem ersten Quartal des laufenden Jahres.

Erstaunlich ist nicht so sehr der tiefe Fall der Bankgewinne Ende 2008, unmittelbar nach der Lehman-Pleite. Damals verloren die Banken viel Geld: von Oktober bis Dezember 2008 insgesamt mehr als 110 Milliarden Dollar, besagt die offizielle Statistik. Erstaunlich ist die rasante Erholung. Schon im folgenden Quartal war ihr Anteil an den Unternehmensprofiten wieder auf über 20 Prozent gestiegen.  Kurz sprang er im Lauf des Jahres 2009 sogar auf mehr als 30 Prozent. Seit Jahren hatten die Banken nicht mehr so gut verdient. Heute liegt ihre Profitquote immer noch bei 23 Prozent, und ihr Anteil an der Beschäftigung in den USA oder an der gesamten Wertschöpfung des Landes ist nach wie vor deutlich geringer.

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Wie konnte sich die Finanzindustrie so schnell erholen? Der Staat hat die Banken mit Milliardenbeträgen saniert. Einige Geldhäuser gingen bankrott. Die übrig blieben, sind größer als vor der Krise und meist auch gesünder. Manche operieren immer noch am Rande der Legalität und zu Lasten der Kunden. Nach der Konsolidierung der Branche wissen sie über diese mehr als je zuvor, und sie nutzen die Informationen zum eigenen Vorteil. 

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Am Ausgangspunkt des Finanzbebens, dem US-Immobilienmarkt, hat sich die Lage inzwischen wieder beruhigt. Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist gesunken, die Häuserpreise steigen seit zwei Jahren wieder. Manche warnen schon vor der nächsten Blase. Denn die Immobilien verkaufen sich vor allem deshalb gut, weil die amerikanische Notenbank die Zinsen so niedrig hält. Das macht Kredite billig und schwemmt viel Geld in den Finanzmarkt – Geld, dass irgendwo angelegt werden muss. 

Noch haben die Preise ihre einstigen Rekorde nicht wieder erreicht, aber in manchen Regionen scheint erneut ein Kaufrausch ausgebrochen. Manchen US-Ökonomen ist das nicht geheuer. Im Mai sagte Dean Baker vom Center for Economic and Policy Research in Washington der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Falls die Preise in diesem Tempo für weitere sechs Monate anziehen, dann haben wir eine neue Blase. Und Leute werden leiden."

Zwei Monate später gab es allerdings erste Anzeichen für eine Ernüchterung. Im Juli wurden, ziemlich überraschend, weniger Häuser verkauft als im Monat zuvor. Auch die Hypothekenzinsen steigen wieder. Die Notenbank hat ihre Zinsen zwar nicht gesenkt, aber Experten erwarten, dass es bald so weit sein könnte. Die Hypothekenbanken scheinen ihre Kredite jetzt schon vorsorglich zu verteuern.

Das Hin und Her zeigt, wie unsicher alles noch ist. Vieles hängt jetzt an der Notenbank. Wird sie es schaffen, das von ihr geschaffene viele Geld wieder einzusammeln, ohne die Wirtschaft wieder in Schwierigkeiten zu stürzen?

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