Nach Angaben von Vizeregierungschef Evangelos Venizelos braucht Griechenland kein drittes Hilfspaket der Euro-Partner . Der Außenminister brachte eine Umschuldung ins Spiel. So könne das Land seinen zusätzlichen Finanzbedarf decken, ohne die internationalen Geldgeber noch einmal um Hilfe bitten und dafür neue Reformauflagen erfüllen zu müssen.

Seine Regierung strebe Neuverhandlungen über Verzinsung und Laufzeit der bestehenden Schulden an. "Es geht um eine zusätzliche Neustrukturierung – ohne Problem, ohne neue Lasten für unsere institutionellen Partner", sagte der frühere Finanzminister. "Wir fordern keinen Schuldenerlass." Vielmehr könne die Regierung in Athen bereits kommendes Jahr an den Kapitalmarkt zurückkehren sowie Erleichterungen im aktuellen Hilfsprogramm erhalten.      

Umschuldungen gehen üblicherweise mit zusätzlichen Lasten für die Kreditgeber einher – inform von niedrigeren Zinsen oder längeren Fristen bei der Rückzahlung. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte vor der Wahl ein weiteres Hilfspaket für Griechenland ins Spiel gebracht, weil die bisherigen Hilfen nicht ausreichen würden. Einen zweiten Schuldenschnitt schloss Schäuble aber aus

Venizelos machte deutlich, dass die Griechen keine weiteren Sparauflagen verkraften könnten. "Es ist nicht möglich, neue Haushaltsmaßnahmen umzusetzen. Es ist nicht möglich, neue Lohn- und Rentenkürzungen zu beschließen", sagte der Minister. Sein Land steckt das sechste Jahr in Folge in der Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt nahe 28 Prozent, bei den jungen Griechen sogar bei mehr als 60 Prozent.

Troika prüft Finanzbedarf

Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenland bereits rund 240 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um den Staatsbankrott zu verhindern. Zwei Hilfspakete gab es bereits, außerdem einen Schuldenschnitt zulasten privater Investoren. Trotzdem dürfte das Land in den kommenden beiden Jahren etwa weitere zehn bis zwölf Milliarden Euro brauchen. 

Derzeit befinden sich Experten der Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF in Athen, um die Reformfortschritte der Regierung zu prüfen. Danach dürften die Euro-Länder über neue Unterstützung entscheiden, wahrscheinlich im November.