Zwischen Maulwurf und Fliegenpilz klafft eine Lücke. Hier saß der Hase, bevor er zum Test musste. Jetzt geht es ihm an den Kragen. In Stücke zerschnitten, kocht er in einem Becherglas in destilliertem Wasser. Gleich wird er gehobelt und auf einem Objektträger unters Mikroskop geschoben. Er lässt dabei kein Blut, er ist aus Sperrholz, bloß eine Figur auf einem Spielbrett.

Buntes Kinderspielzeug türmt sich im Labor des Thünen-Instituts für Holzforschung in Hamburg. "Man merkt schon, bald ist wieder Weihnachten", sagt Gerald Koch, Leiter der Einrichtung. Was demnächst als Kinderpuzzle, Tierpuzzle, Angelspiel oder Kaufmannsladen im Geschäft steht, wird hier erst einmal untersucht. Ein großer deutscher Lebensmitteldiscounter hat Teile seines Sortiments eingeschickt, weil er sicher sein will, dass tatsächlich die Hölzer drin sind, die auch auf der Verpackung stehen.

Seit März dieses Jahres hat das Thünen-Institut viel zu tun. Seit März gilt in der EU eine neue Holzhandelsverordnung: Hölzer aus illegalem Einschlag dürfen in der Staatengemeinschaft nicht mehr vermarktet werden. Und wer zweifelhaftes Holz einführt und verkauft, muss dessen Herkunft lückenlos nachweisen. Im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens sind seit 1975 viele Baumarten auf die CITES-Liste der bedrohten Spezies aufgenommen worden. Trotzdem wurden sie weiter abgeholzt und mit falschem Etikett exportiert. Die EU-Regelung zieht nun die Händler und Einkäufer zur Verantwortung.

Die sind entsprechend nervös. Sie ahnen, dass ihre Ware möglicherweise falsch deklariert vom asiatischen Hersteller kommt. Sie wollen Gewissheit und ein Gutachten. Nicht nur, um sicher zu sein, woher das Holz stammt, sondern auch, um im Fall der Fälle gegen betrügerische Lieferanten vorgehen zu können. Das Thünen-Institut ist in solchen Fragen die erste Adresse: Niemand in Europa kann Holz so genau bestimmen. Zusammen mit den Instituten für Forstgenetik, Weltforstwirtschaft und Forstökonomie bildet es das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte, ist eine Einrichtung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und kooperiert mit der Universität Hamburg.

Deutschlands größte Xylothek

Normale Universitätsarbeit findet meist in der Bibliothek statt, das Herz des Thünen-Instituts ist seine Xylothek. Hier lagern 35.000 Holzproben von 12.000 verschiedenen Arten aus der ganzen Welt. Schon zu Kaisers Kolonialzeit begann man mit dem Sammeln. Noch heute reisen die Wissenschaftler in entlegene Flecken der Erde, um unbekannte Hölzer anzusprechen, wie sie die Kategorisierung nennen.

Eiche, Buche, Fichte, Kiefer, nach scharfem Überlegen auch noch Birke, Ahorn, Teak und Mahagoni – der durchschnittliche Möbelhauskunde kann seine Holzkenntnisse an zwei Händen abzählen. Dabei sind rund 600 verschiedene Arten auf dem hiesigen Markt erhältlich. Shima, Lotusholz, Monterey-Kiefer oder Eukalyptus haben weite Reisen hinter sich. Meist liegen Ozeane zwischen Anbauland, Verarbeitungsland und Verkaufsland. Deutschland spielt nur noch für den Verkauf eine Rolle. China kontrolliert den Holzmarkt. "Mit der Globalisierung, der Verlagerung der Produktionsstätten nach Asien, ist uns dieser Markt unwiderruflich verloren gegangen. Das ist schade. Für unsere Buchen interessiert sich niemand mehr", sagt der Holzwirt Gerald Koch. Gäbe es den globalisierten Handel nicht, bräuchte aber auch niemand ein Zertifikat vom Thünen-Institut.

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Der illegale Holzeinschlag ist sowohl ein ökonomisches als auch ein ökologisches Problem. Jedes Jahr werden weltweit 13 Millionen Hektar Wald gerodet, mehr als ganz Deutschland hat. Die maßlose Abholzung steht im Widerspruch zu allen Bemühungen um eine nachhaltige Bewirtschaftung. Da hilft dann auch kein Regenwald-Solidaritätseuro für jede gekaufte Kiste Bier. Wo Wälder sterben, wird weniger CO2 in Sauerstoff verwandelt und somit aller Lebensraum auf der Erde langfristig gefährdet.

Laut einer Studie des Thünen-Instituts für Forstökonomie wurden im Jahr 2009 zwischen 103 und 284 Millionen Kubikmeter Rohholz illegal geschlagen. Rund 17 Prozent des gesamten Holzhandels stammt aus illegalen Quellen. Wo legales Holz zu knapp oder zu teuer ist, wird geholzt, was eben wächst, und dann mit falschen Papieren verhökert. Albanien und Kambodscha sind von dieser Praxis am stärksten betroffen, dicht gefolgt von Georgien, Myanmar, Aserbaidschan, Bolivien und Peru.