Es ist nicht leicht, Dennis Kelleher ans Telefon zu bekommen. Mehrere Meetings seien immer wieder verschoben und dann wieder gestrichen worden, entschuldigt sich Kelleher zum Beginn des Gesprächs. Der 56-Jährige ist ein vielbeschäftigter Mann, gerade in diesen Tagen. Denn am 15. September jährt sich der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers zum fünften Mal. Und Dennis Kelleher will sicherstellen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

 

Kelleher ist Präsident von Better Markets, einer Organisation, die für mehr Regulierung auf den Finanzmärkten kämpft. Gegründet wurde sie von Michael Masters, einem Hedgefonds-Manager aus Atlanta. Masters, erzählt Kelleher mit breitem Bostoner Akzent, habe nach dem Zusammenbruch von Banken wie Lehman oder Bear Sterns und Versicherungsriesen wie AIG nach einer Organisation gesucht, die im öffentlichen Interesse für strengere Regeln kämpfte. "Aber er konnte keine finden."

 Also gründete der Philanthrop kurzerhand seine eigene – und beauftragte Kelleher damit, sie aufzubauen. "Ich dachte damals, Michael ist verrückt", erzählt der Geschäftsführer heute. Natürlich sei so eine Organisation dringend nötig gewesen. "Aber gegen die Banken aufzustehen ist nichts, was man leichtfertig machen sollte." Letztlich sei er aber wohl arrogant genug gewesen, zu glauben, er habe das nötige Rüstzeug.

Der Anzug tragende Cousin von Occupy Wall Street

Denn Kelleher kennt sich aus, im Finanzgewirr an der Wall Street und mit den Fallstricken der Politik. Bevor er zu Better Markets kam, war der Harvard-Absolvent Partner in der New Yorker Anwaltskanzlei Skadden. Spezialisiert auf Unternehmensrecht, räumte er vor allem in Firmen auf, gegen die wegen Betrugs ermittelt wurde, weil sie Bilanzen geschönt oder Gelder zweckentfremdet hatten.

In den Neunzigern wechselte Kelleher nach Washington. In der Hauptstadt machte er Karriere auf dem Kapitolhügel, arbeitete in Expertengremien zum Gesundheits- und Sozialsystem und als Berater für mehrere Senatoren, darunter Edward M. Kennedy, Neffe von JFK. Heute gilt Kelleher als einer der sprachgewaltigsten Gegner der Wall Street. Den "Anzug tragenden Cousin von Occupy Wall Street" nannte ihn die New York Times im vergangenen Jahr. Kelleher spricht schnell und bestimmt, seine Sätze sind druckreif und voll von starken Bildern. Der Jurist weiß, dass er auffallen muss, will er Gehör finden im Kampf gegen die Wall Street.

"Es gibt keine andere Industrie, die so reich ist und so gut vernetzt", sagt Kelleher. Die Banken nutzten ihre wirtschaftliche Macht, um sich politischen Einfluss zu kaufen und so ihre wirtschaftliche Macht weiter zu erhöhen. Es sei eine "formidable Maschine, die es gewohnt ist, sich durchzusetzen". Ernsthaft Paroli bieten, bestätigt auch Bankenexperte William Black von der Universität Missouri-Kansas und selbst lautstarker Kritiker der Branche, könne man dem nicht.