Fünf Jahre Lehman-PleiteDer Feind der Wall Street

Keine Branche ist so reich und so gut vernetzt wie die US-Finanzindustrie. Dennis Kelleher hat ihr den Kampf angesagt. "Wir haben viel zu verlieren", sagt er. von 

Ein US-Amerikaner protestiert gegen die Bankenrettung (Archivbild)

Ein US-Amerikaner protestiert gegen die Bankenrettung (Archivbild)  |  © dpa

Es ist nicht leicht, Dennis Kelleher ans Telefon zu bekommen. Mehrere Meetings seien immer wieder verschoben und dann wieder gestrichen worden, entschuldigt sich Kelleher zum Beginn des Gesprächs. Der 56-Jährige ist ein vielbeschäftigter Mann, gerade in diesen Tagen. Denn am 15. September jährt sich der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers zum fünften Mal. Und Dennis Kelleher will sicherstellen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

 

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Kelleher ist Präsident von Better Markets, einer Organisation, die für mehr Regulierung auf den Finanzmärkten kämpft. Gegründet wurde sie von Michael Masters, einem Hedgefonds-Manager aus Atlanta. Masters, erzählt Kelleher mit breitem Bostoner Akzent, habe nach dem Zusammenbruch von Banken wie Lehman oder Bear Sterns und Versicherungsriesen wie AIG nach einer Organisation gesucht, die im öffentlichen Interesse für strengere Regeln kämpfte. "Aber er konnte keine finden."

 Also gründete der Philanthrop kurzerhand seine eigene – und beauftragte Kelleher damit, sie aufzubauen. "Ich dachte damals, Michael ist verrückt", erzählt der Geschäftsführer heute. Natürlich sei so eine Organisation dringend nötig gewesen. "Aber gegen die Banken aufzustehen ist nichts, was man leichtfertig machen sollte." Letztlich sei er aber wohl arrogant genug gewesen, zu glauben, er habe das nötige Rüstzeug.

Der Anzug tragende Cousin von Occupy Wall Street

Denn Kelleher kennt sich aus, im Finanzgewirr an der Wall Street und mit den Fallstricken der Politik. Bevor er zu Better Markets kam, war der Harvard-Absolvent Partner in der New Yorker Anwaltskanzlei Skadden. Spezialisiert auf Unternehmensrecht, räumte er vor allem in Firmen auf, gegen die wegen Betrugs ermittelt wurde, weil sie Bilanzen geschönt oder Gelder zweckentfremdet hatten.

In den Neunzigern wechselte Kelleher nach Washington. In der Hauptstadt machte er Karriere auf dem Kapitolhügel, arbeitete in Expertengremien zum Gesundheits- und Sozialsystem und als Berater für mehrere Senatoren, darunter Edward M. Kennedy, Neffe von JFK. Heute gilt Kelleher als einer der sprachgewaltigsten Gegner der Wall Street. Den "Anzug tragenden Cousin von Occupy Wall Street" nannte ihn die New York Times im vergangenen Jahr. Kelleher spricht schnell und bestimmt, seine Sätze sind druckreif und voll von starken Bildern. Der Jurist weiß, dass er auffallen muss, will er Gehör finden im Kampf gegen die Wall Street.

"Es gibt keine andere Industrie, die so reich ist und so gut vernetzt", sagt Kelleher. Die Banken nutzten ihre wirtschaftliche Macht, um sich politischen Einfluss zu kaufen und so ihre wirtschaftliche Macht weiter zu erhöhen. Es sei eine "formidable Maschine, die es gewohnt ist, sich durchzusetzen". Ernsthaft Paroli bieten, bestätigt auch Bankenexperte William Black von der Universität Missouri-Kansas und selbst lautstarker Kritiker der Branche, könne man dem nicht.

Leserkommentare
  1. ... und marschieren dann dort ein!
    Dieser Macht kann man nur noch exekutiv begegnen.

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    Ich sehe das nicht so, mit der Exekutive.

    Nur mit der Legislative kann man etwas ändern. so wie man Deregulierung betreibt, kann man aucc wieder Regeln einführen.

    Nur - wie beschrieben im Artikel - die ist teileise gekauft. Es ist ein hin und her von GoldmanSachs in die Regierung und umgekehrt. Das ist kaum merh zu trennen.

    Und in Amerika ist das sehr einfach. Da gibt es keine Opposition. Es gibt 2 Parteien, die sich kaum unterscheiden und in wesentlichen Punkten gemeinsam handeln.
    Gäbe es in Deutschalnd nur die CDU und die SPD - es wäre wie in Amerika.
    Marktkonforme Demokratie. man könnte auch sagen: Bankenkonforme Demokratie. Das würde auch passen.

  2. ...mehr ist das nicht. Unser Banksystem mit Zinseszins und Girlageldschöpfung liefert den Besitzerdynastien der Banken seit Jahrhunderten den Grundstock für ihren Machterhalt. Wenn da jetzt auf der Wallstreet gezockt wird ist das auch verheerend aber gar nichts im Vergleich zu den wahren Gewinnern unseres Systems.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie in den Kommentarbereichen auf jegliche Form von Werbung. Auf Ihr privates Blog können Sie in Ihrem Profil einen Hinweis platzieren. Danke, die Redaktion/jk

    5 Leserempfehlungen
    • Wyt
    • 11. September 2013 12:31 Uhr

    Es ist gut, dass es solche Leute gibt und im Vergleich zu manch Anderem ist er sogar sehr erfolgreich.

    Die Deregulierung war und ist eines der schlimmsten Verbrechen an der Menschheit. Und der Finanzsektor wird es schon schaffen, sich selbst zu zerstören. Nur werden wir dann alle davon betroffen sein.

    Der Finanzmarkt kann nicht noch einmal vom Steuerzahler gerettet werden.
    Dazu haben sich die Staaten zu stark verschulden müssen und sich selbst immens in die Abhängigkeit der Banken begeben.

    Da es aber immer Interessen gibt, die eine Regulierung verhindern wollen, wird die Katastrophe unausweichlich sein. Einmal von der Kette gelassen, kommt der Hund nicht mehr freiwillig zum anketten zurück.

    Denn auch von der Verantwortung, z.B. die Staaten mit Steuern zu finanzieren drückt man sich, wo man nur kann.

    Dazu gab es gestern Abend eine sehr gute Doku auf ARTE:

    http://future.arte.tv/de/...

    Wie Staaten mit wegbrechenden Steuereinnahmen, Sparmaßnahmen gegen die Bevölkerung und Steuersenkungswettbewerb handlungsfähig bleiben sollen, ist fraglich.

    Solange die wenigen Gewinner die Regulierung blockieren können, wird das System weiter laufen, bis es in einer großen Katastrophe platzt.

    10 Leserempfehlungen
  3. macht doch jeden vorstand, direktor, geschäftsführer etc. persönlich haftbar.
    dann würde vielleicht das zocken, ausbeuten, umweltverschmutzung etc. aufhören und die vernunft wieder einkehren.
    solange nur gesellschaften, AG's etc.haftbar sind, werden die obengannnten auf nichts und niemanden rücksicht nehmen und weiterhin auf ihre 2 stellige renditen bestehen.

    aber so dumm werden die jungs nicht sein !

  4. Die Hände zur Raute falten, und die "Angie, Angie"-Huldigungen entgegen nehmen.
    Von Leuten deren Sparguthaben und Altersversorgung jetzt schon dahin schmelzen wegen der niedrigen Zinsen, die eine direkte Folge der Bankenkrise(n) sind.
    Es ist zum Verzweifeln, aber ein Grund zu grinsen für unsere Banker und ihre Lobbyisten.

    7 Leserempfehlungen
    • ToCa
    • 11. September 2013 13:10 Uhr

    Ich beklage mich ja bei jeder sich gebenden Gelegenheit, dass Journalisten negative Stimmung verbreiten und demotivierte Menschen hinterlassen, die dann keine Lust und oder Kraft mehr haben, etwas gegen das zu tun, was dem Journalisten eigentlich am Herzen lag. Ein Teufelskreis.
    Das hier mal Beispiele von Leuten gezeigt werden, die sich engagieren, finde ich richtig gut. Wenn es eine vergleichbare deutsche oder europäische Organisation gibt (TJN oder attac haben ja einen anderen Fokus) würde ich gerne mehr darüber erfahren, wenn jemand Anregungen hat?

    2 Leserempfehlungen
    • spr33m
    • 11. September 2013 14:10 Uhr

    Ich habe Mathematik studiert und werde wohl oder übel mit großer Wahrscheinlichkeit im Finanzsektor landen. An Informationen über entsprechende Organisationen wäre ich auch interessiert. Auch Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen, die sich z.B. für Nachhaltigkeit einsetzen (und es nicht nur vorgeben) oder sozialverträglich wirtschaften wären für mich von Interesse. Kann da jemand behilflich sein?

    2 Leserempfehlungen
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    welche auf Nachhaltigkeit, Ethik und der Banken Grundsätze folgen.
    regionales verträgliches wirtschaften, einsicht des geschäftsberichtes. reelle Kredite zu reellem Leistungsvermögen und Eigenkapital........

    http://www.ekobanken.se/

    http://www.social-banking...

    mitgliederbank
    http://www.jak.se/

    (ist ja irgendwie auch unser Geld mit dem wir die Abzocker füttern)

  5. Ich sehe das nicht so, mit der Exekutive.

    Nur mit der Legislative kann man etwas ändern. so wie man Deregulierung betreibt, kann man aucc wieder Regeln einführen.

    Nur - wie beschrieben im Artikel - die ist teileise gekauft. Es ist ein hin und her von GoldmanSachs in die Regierung und umgekehrt. Das ist kaum merh zu trennen.

    Und in Amerika ist das sehr einfach. Da gibt es keine Opposition. Es gibt 2 Parteien, die sich kaum unterscheiden und in wesentlichen Punkten gemeinsam handeln.
    Gäbe es in Deutschalnd nur die CDU und die SPD - es wäre wie in Amerika.
    Marktkonforme Demokratie. man könnte auch sagen: Bankenkonforme Demokratie. Das würde auch passen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte AIG | Citigroup | JPMorgan Chase | SEC | Bank | Börsenaufsicht
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