17 Minister an 17 Tagen: ZEIT ONLINE bewertet die Arbeit aller Regierungsmitglieder. Was haben sie geleistet? Woran sind sie gescheitert? Täglich erscheint ein weiteres Kurzporträt unserer Ministerbilanz.

Ilse Aigner ist gelernte Radio- und Fernsehelektronikerin. Melken, das kann sie nur theoretisch. Trotzdem: Ihr beherztes Auftreten im Dirndl, ihr Lächeln und das alljährliche Zupacken an den Ständen der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche sind ihr Erfolgsrezept, mit dem sie besonders Landwirte um den Finger wickelt. Die mögen die 48-jährige Bayerin. Auch bei CSU-Kollegen ist sie beliebt, weil sie sich aus Parteikonflikten lieber heraushält. Stattdessen vermittelt sie oft hinter den Kulissen zwischen den verfeindeten Lagern.

Ihren stärksten Gegner suchte sich die Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin jedoch in den Banken, Versicherungen und Finanzvermittlern. Gegen deren Lobby setzte sie durch, dass Beratungsgespräche beim Verkauf von Finanzanlagen protokolliert werden müssen. Banken müssen Produktinformationsblätter vorlegen, die nun erklären sollen, was in Fonds und Zertifikaten wirklich steckt.  

Ob diese allerdings Anleger vor überflüssigen Anlagen bewahren, darf man schon fragen, aber mehr Transparenz schadet gerade dieser Branche nicht. Selten aber hat es so viele Initiativen zum Schutz von Privatsparern und Kleinanlegern gegeben wie unter Ministerin Aigner. Sie brachte ein Gesetz für Finanzvermittler auf den Weg, bessere Regeln für den unregulierten Kapitalmarkt und führte die Pflicht zur Offenlegung von Kosten und Provisionen bei der Geldanlage ein.

Weil sie sich auch um das Thema Datensicherheit und Internet sorgt, löschte Aigner medienwirksam im Jahr 2010 ihren eigenen Facebook-Auftritt. Damit wollte sie sich öffentlich gegen Informationsspione und Datensammler zur Wehr setzen. Doch die reagierten gar nicht auf die Aufforderung der deutschen Ministerin zum Dialog und vor allem zum besseren Datenschutz. 

Auch Tierschützer und Besseresser konnte Aigner nicht überzeugen, für sie ist die Ministerin ein rotes Tuch. Sie werfen ihr vor, zu wenig gegen die Massentierhaltung zu unternehmen und kritisieren, sie setze sich zu wenig gegen die Interessen der Lebensmittelmultis durch. Tatsächlich fielen etliche Lebensmittelskandale in Aigners Amtszeit: Zuerst kam der Analogkäse aufs Brot, dann Dioxin ins Ei. Deutschland suchte ewig nach Ehec-Erregern und aß unwissentlich Pferdefleisch. All das offenbarte ein Zuständigkeitschaos sondergleichen unter den Lebensmittel-Kontrollbehörden. Angekündigt hat Aigner nach all den Skandalen sehr vieles. Verbessert hat sich die Lebensmittelaufsicht seitdem aber nicht. Viele nennen sie deshalb nur "die Ankündigungsministerin".

Aigners Zukunft liegt im Bayernland, sie verlässt die Berliner Politik. Mit geradezu sozialistischer Zustimmungsquote von 99,7 Prozent ist Aigner zur Bezirkschefin für Oberbayern gewählt worden. Damit ist sie die Oberfürstin unter den CSU-Fürsten und könnte eines Tages Ministerpräsident Horst Seehofer ablösen – wenn der sich ablösen lässt.