"Ich bin auch gerne Bundesumweltminister": Peter Altmaier (CDU), hier im Jakob-Kaiser-Haus des Bundestags, über seine Ambitionen für die nächste Legislatur © Nina Lüth für ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Herr Altmaier, wird in diesem Wahlkampf zu viel über Geld gesprochen und zu wenig über andere Inhalte?

Peter Altmaier: Wir reden zwar viel über Geld. Aber ich halte das nicht für ein Problem – hätten wir das 40 Jahre früher gemacht, bräuchten wir heute keine Schuldenbremse. Aber es gibt noch viele andere wichtige Themen. Unsere Lebensqualität durch eine möglichst gesunde Umwelt zum Beispiel, oder die Frage, wie es mit Europa weitergeht.

ZEIT ONLINE: Gerade Letztere kreist vor allem ums Finanzielle.

Altmaier: Natürlich, das können Sie nicht ausblenden. Politik muss bezahlbar sein. Das gilt für die Europapolitik, für die Sozialpolitik, und auch für die Energiewende.

ZEIT ONLINE: Ursprünglich hatte die Energiewende zum Ziel, von den Gefahren der Atomkraft wegzukommen und das Klima zu schützen. Im Wahlkampf ist das kein Thema mehr – stattdessen spricht man nur noch über den Strompreis. Was läuft schief?

Altmaier: Die alten Ziele gelten immer noch. Aber die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir mit ihr in Deutschland weder auf Wohlstand verzichten müssen noch an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Anderenfalls wäre die Energiewende auch international kein Vorbild. Länder wie China und Indien suchen Modelle für ihre Energieversorgung, die der Umwelt und der Wirtschaft gleichermaßen dienen. Wir müssen und wollen beides zusammenbringen.

ZEIT ONLINE: Sie haben die möglichen Wohlstandsgewinne durch die Energiewende erwähnt. Müssten Sie als Umweltminister im Wahlkampf nicht offensiver mit deren Chancen werben? Stattdessen haben Sie die Preisdiskussion noch intensiviert.

Altmaier: Ich singe überall das Hohelied der Energiewende. In jeder Wahlkampfrede, drei bis vier Mal am Tag. Ich sage: Sie ist für uns die größte Chance der Nachkriegszeit, eine Riesen-Innovationsmöglichkeit für deutsche Unternehmen.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet das konkret?

Altmaier: Wir brauchen Speicher für die erneuerbaren Energien, und Geräte, die weniger Strom verbrauchen. Wir müssen Produktionsprozesse effizienter und Stromnetze intelligenter machen sowie die europäischen Strommärkte stärker vernetzen. Deutsche Unternehmen arbeiten fieberhaft an Lösungen dafür. Die Energiewende ermöglicht ihnen einen Innovationsvorsprung, den man nur in einem Land wie Deutschland erreichen kann. Und eben nicht in einem Land wie den USA, wo viele immer noch der Illusion erliegen, Energie müsse kostenlos sein.

ZEIT ONLINE: Für den Fall, dass Sie im Amt bleiben, wollen Sie in der kommenden Legislatur noch einmal eine Strompreisbremse in Angriff nehmen. Wie genau könnte die aussehen?

Altmaier: Strom ist teuer geworden und droht, noch teurer zu werden. Als der verantwortliche Minister kann ich diese Entwicklung nicht ignorieren. Deshalb brauchen wir eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Gleichzeitig brauchen wir ein vernünftiges Konzept für den Ausbau der Erneuerbaren, denn ich will sie weiter ausbauen. Am Ende darf der Strompreis nicht schneller steigen als die Inflationsrate und das Wirtschaftswachstum.