Anfang der Woche war es mit der Ruhe in dem kleinen, abgeschiedenen Bergdorf Roşia Montană vorbei, glaubt man der Aktivistin Ramona Dumnicioiu. Arbeiter des Bergbaukonzerns Rosia Montana Gold Corporation (RMGC) zogen durch die Straßen, pöbelten gegen Dumniciuoi und ihre Mitsteiter, sogar zu Schlägereien soll es gekommen sein. "Wir bereiten jetzt eine Klage wegen Körperverletzung gegen den Bergbaukonzern vor", sagt die 30-Jährige, die sich in der Protestorganisation Salvați Roşia Montană engagiert.

Es ist wohl die Enttäuschung, die sich unter den Minenarbeitern entladen haben muss. Seit Jahren hoffen sie darauf, dass RMGC, ein kanadisch-rumänisches Gemeinschaftsunternehmen, endlich in dem Bergdorf eine Goldmine eröffnen darf. Und tatsächlich: Das Kabinett unter dem sozialdemokratischen Regierungschef Victor Ponta hatte Ende August einen Gesetzentwurf angenommen, der das Goldprojekt ermöglichen würde.

Doch nach lautstarken Protesten in Bukarest und einem Veto des Rechtsausschusses machte Ponta am Montag einen Rückzieher – und kündigte an, dass die Regierung das Gesetz platzen lassen würde. Was wiederum zu Protesten führte – nur diesmal unter den Minenarbeitern. Wohl kein Bergbauprojekt in Europa ist so umstritten wie das in Rumänien.

Roşia Montană, das ist ein milliardenschwerer Wirtschaftskrimi in den Wäldern Siebenbürgens. Er dreht sich um Milliarden Euro, um tausende Arbeitsplätze in einem kriselnden Staat und um mindestens 300 Tonnen Gold und 1500 Tonnen Silber, die in den Bergen rund um das Dorf vermutet werden. Es sollen mit die größten Goldvorkommen in Europa sein, sie allein könnten 5,6 Milliarden Euro wert sein, schätzt RMGC.

Das Unternehmen ist ein Gemeinschaftsprojekt der staatlichen rumänischen Bergbaufirma Minvest und dem Bergbauer Gabriel Resources, der mit einem Anteil von knapp 81 Prozent das Sagen hat. Gabriel Resources ist in fester Hand des Hedgefonds-Managers John Paulson, einer Weltberühmtheit, die mit Wetten auf die Immobilienkrise in den USA Milliarden einfuhr. Unter ihm arbeitet inzwischen sogar ein Exkanzler: Der ehemalige sozialdemokratische Regierungschef von Österreich, Alfred Gusenbauer, ist einer der RMGC-Direktoren.

Die Kanadier versprechen Milliarden

Mit mindestens 1,3 Milliarden Euro Steuereinnahmen könnte die Staatskasse rechnen, rechnet RMGC der Regierung regelmäßig vor und trommelt seit Jahren mit einer aufwendigen PR-Kampagne landesweit für die Goldmine. Die gesamte Wirtschaft des 20-Millionen-Einwohner-Landes würde über 16 Jahre insgesamt drei Milliarden Euro in Form von Investitionen und Aufträgen erhalten, verspricht RMGC. Die Goldmine, sie würde einen verschlafenen Weiler mit einer Arbeitslosenquote von 80 Prozent in eine pulsierende Goldschürfermetropole verwandeln, so verkauft es der Konzern. 

300 Millionen Euro hat RMGC bereits investiert, hat erste Grundstücke gekauft, Pläne erstellt, zahlreiche Gerichtsverfahren ausgefochten. Das Unternehmen verspricht ein Bergbaumuseum, den Wiederaufbau wichtiger Denkmäler und florierenden Tourismus.