BergbauVergiftetes Gold

Bergarbeiter gegen Umweltschützer: Für eine riesige Goldmine in Rumänien soll das kleine Dorf Roşia Montană platt gemacht werden. Die Umweltzerstörung wäre gewaltig. von 

Demonstranten gegen das Goldminen-Projekt in Bukarest

Demonstranten gegen das Goldminen-Projekt in Bukarest  |  © Karine Knapek/AFP/Getty Images

Anfang der Woche war es mit der Ruhe in dem kleinen, abgeschiedenen Bergdorf Roşia Montană vorbei, glaubt man der Aktivistin Ramona Dumnicioiu. Arbeiter des Bergbaukonzerns Rosia Montana Gold Corporation (RMGC) zogen durch die Straßen, pöbelten gegen Dumniciuoi und ihre Mitsteiter, sogar zu Schlägereien soll es gekommen sein. "Wir bereiten jetzt eine Klage wegen Körperverletzung gegen den Bergbaukonzern vor", sagt die 30-Jährige, die sich in der Protestorganisation Salvați Roşia Montană engagiert.

Es ist wohl die Enttäuschung, die sich unter den Minenarbeitern entladen haben muss. Seit Jahren hoffen sie darauf, dass RMGC, ein kanadisch-rumänisches Gemeinschaftsunternehmen, endlich in dem Bergdorf eine Goldmine eröffnen darf. Und tatsächlich: Das Kabinett unter dem sozialdemokratischen Regierungschef Victor Ponta hatte Ende August einen Gesetzentwurf angenommen, der das Goldprojekt ermöglichen würde.

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Doch nach lautstarken Protesten in Bukarest und einem Veto des Rechtsausschusses machte Ponta am Montag einen Rückzieher – und kündigte an, dass die Regierung das Gesetz platzen lassen würde. Was wiederum zu Protesten führte – nur diesmal unter den Minenarbeitern. Wohl kein Bergbauprojekt in Europa ist so umstritten wie das in Rumänien.

Roşia Montană, das ist ein milliardenschwerer Wirtschaftskrimi in den Wäldern Siebenbürgens. Er dreht sich um Milliarden Euro, um tausende Arbeitsplätze in einem kriselnden Staat und um mindestens 300 Tonnen Gold und 1500 Tonnen Silber, die in den Bergen rund um das Dorf vermutet werden. Es sollen mit die größten Goldvorkommen in Europa sein, sie allein könnten 5,6 Milliarden Euro wert sein, schätzt RMGC.

Marlies Uken
Marlies Uken

Marlies Uken ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft und bloggt bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Das Unternehmen ist ein Gemeinschaftsprojekt der staatlichen rumänischen Bergbaufirma Minvest und dem Bergbauer Gabriel Resources, der mit einem Anteil von knapp 81 Prozent das Sagen hat. Gabriel Resources ist in fester Hand des Hedgefonds-Managers John Paulson, einer Weltberühmtheit, die mit Wetten auf die Immobilienkrise in den USA Milliarden einfuhr. Unter ihm arbeitet inzwischen sogar ein Exkanzler: Der ehemalige sozialdemokratische Regierungschef von Österreich, Alfred Gusenbauer, ist einer der RMGC-Direktoren.

Die Kanadier versprechen Milliarden

Mit mindestens 1,3 Milliarden Euro Steuereinnahmen könnte die Staatskasse rechnen, rechnet RMGC der Regierung regelmäßig vor und trommelt seit Jahren mit einer aufwendigen PR-Kampagne landesweit für die Goldmine. Die gesamte Wirtschaft des 20-Millionen-Einwohner-Landes würde über 16 Jahre insgesamt drei Milliarden Euro in Form von Investitionen und Aufträgen erhalten, verspricht RMGC. Die Goldmine, sie würde einen verschlafenen Weiler mit einer Arbeitslosenquote von 80 Prozent in eine pulsierende Goldschürfermetropole verwandeln, so verkauft es der Konzern. 

300 Millionen Euro hat RMGC bereits investiert, hat erste Grundstücke gekauft, Pläne erstellt, zahlreiche Gerichtsverfahren ausgefochten. Das Unternehmen verspricht ein Bergbaumuseum, den Wiederaufbau wichtiger Denkmäler und florierenden Tourismus.

Leserkommentare
  1. ...dass immer der vermeintliche Umweltschutz herhalten muss, um Projekte zu stoppen, die die Leute in Brot und Arbeit bringen könnten, wenn rundherum gar nichts mehr läuft, wie in Rumänien, oder auch in Nordgriechenland,

    ausbaden müssen das letztlich aber auch wir, die den dann Arbeitslosen eine Perspektive geben müssen, sei es hier, sei es dort, direkt beim Zuzug, oder indirekt, indem man den Staaten unter die Arme greifen muss, dabei ist alles, was der Mensch zum Menschen macht, immer relativ mit Umweltverschutzung verbunden, seit er mit Feuer sein Essen kocht.

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    Noch immer glauben viele multinationale Firmen, dass es in Rumänien keine Gesetze gibt und die Einwohner für Jobs ihre Seele hergeben würden.

    Das ist - gott sei Dank - falsch. Zumindest das Letztere.

    Lieber Demetrios, wohnen Sie doch mal neben einem Zyanid Becken, dass möglicherweise bei Regen Ihren Garten überschwemmt. Spätestens wenn Sie als Selbstversorger nichts mehr haben, weil alles in Ihrem Garten stirbt und die Eichhörnchen tot sind oder drei Augen haben, werden Sie merken, dass der Preis für Ihren Job zu hoch war - vor allem weil man Geld nicht essen kann.

    Herr Poliorketes, leider sieht die Situation in dem Fall Rosia Montana nicht so aus wie sie es geschildert haben. Die Gegend wurde von korrupten Politiker am 19 July 2002 als monoindustriell erklart, das bedeutet das es im Bebauungsplan und in den Regeln des Ortes klar steht, dass keine andere Aktivitat dort erlaubt ist als Bergbau. Die Gegend hat einen sehr grossen Potenziall auch andere Industrien zu entwikeln, wie Turismus. Es gibt dort Architektur Bauten aus Romerzeiten fast 2000 Jahre alt, die denkmalgeschutzt sind und die ebenfalls durch dieses Projekt zerstort werden, ein Projekt welches 206 milionen Tonen Zyanid (in 17 Jahre) nicht nur! in rumanische Gewasser freisetzen wird. Es sollen 40 t Zyanid am Tag benutzt werden. Die Gegend ist denkmalgeschutzt, und die Politiker wollen jetzt Denkmal-, Umweltgesetze und Menschenrechte brechen.

    Ich fürchte, sie ahnen nicht einmal, welche folgen so ein Bergbauprojekt eigentlich hat.

    Erstens wird zwar Geld für Volk und Staat abfallen, das ist sicher, aber diese Geldquelle versiegt nach einigen Jahrzehnten. Und plötzlich sind tausende Arbeiter arbeitslos, denn wie soll die Regierung plötzlich genug Industrie ranschaffen, um die alle zu beschäftigen? Das Problem wird nur verschoben.

    Zweitens ist der Bergbau ein absolutes Verbrechen. Klar, offene Minen sind unschön anzuschauen, aber die mine tailings sind es erst, die die wahren Probleme schaffen. Da werden Schwermetalle und Aluminium aus dem Erdreich an die Oberfläche geschafft, die in erster Instanz die Auffangbecken so vergiften, dass darin kein (und damit meine ich KEIN - nichtmal Bakterien überleben das) Leben möglich ist. Dass die Schwermetalle sich nicht einfach in Luft auflösen ist auch klar. In zweiter Instanz sickert das Zeug dann gerne ins Grundwasser, und wenn das die Trinkwasserreservoire besiedelter Regionen erreicht, dann wird es erst richtig spaßig. Notiz am Rande: Nicht mal Deutschland kann es sich leisten, alle seine Grundwasserschadfälle zu sanieren. Rumänien erst recht nicht.

    Totes Land für zehn Jahre Gewinn? Klingt klasse!

  2. Noch immer glauben viele multinationale Firmen, dass es in Rumänien keine Gesetze gibt und die Einwohner für Jobs ihre Seele hergeben würden.

    Das ist - gott sei Dank - falsch. Zumindest das Letztere.

    Lieber Demetrios, wohnen Sie doch mal neben einem Zyanid Becken, dass möglicherweise bei Regen Ihren Garten überschwemmt. Spätestens wenn Sie als Selbstversorger nichts mehr haben, weil alles in Ihrem Garten stirbt und die Eichhörnchen tot sind oder drei Augen haben, werden Sie merken, dass der Preis für Ihren Job zu hoch war - vor allem weil man Geld nicht essen kann.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Das ist traurig.."
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    ...schauen Sie sich das Dorf doch einmal an, schon aus 20 Kilometer Höhe im Luftbild bei google sieht man, wie zerwühlt schon die Landschaft dort ist, und man sieht den riesigen Tagebau, da kommt es auf ein Becken nun auch nicht mehr an, zumal das Örtchen ziemlich einsam in den Bergen liegt, die Leute haben doch nicht nur ein Menschenrecht auf diese oder jene Grenzwerte und Proteste durch gelangweilte Studenten in der Hauptstadt, sondern vor allem auf eine Existenz vor Ort, meinen Sie nicht auch ?

  3. ...schauen Sie sich das Dorf doch einmal an, schon aus 20 Kilometer Höhe im Luftbild bei google sieht man, wie zerwühlt schon die Landschaft dort ist, und man sieht den riesigen Tagebau, da kommt es auf ein Becken nun auch nicht mehr an, zumal das Örtchen ziemlich einsam in den Bergen liegt, die Leute haben doch nicht nur ein Menschenrecht auf diese oder jene Grenzwerte und Proteste durch gelangweilte Studenten in der Hauptstadt, sondern vor allem auf eine Existenz vor Ort, meinen Sie nicht auch ?

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    Das wäre doch mal ein klassischer Fall für einen Volksentscheid, meinen Sie nicht?

    Auf der einen Seite ein paar Hundert Demonstranten und 22 Kumpel für die Mine (http://www.ziare.com/rosi...)

    Auf der anderen Seite ein paar Tausend Demonstranten gegen die Mine (http://www.theguardian.co...) bzw. gegen Umweltverschmutzung & Vetternwirtschaft

    Das Wohl der Vielen, wiegt mehr als das Wohl der Wenigen (Start Trek / Sheldon Cooper); vielleicht sieht das ein Victor Ponta ja auch so...

    Herr Poliorketes, erneut mochte ich Ihnen antworten: die ganze rumanische Gesellschaft ist emport, nicht nur "gelangweilte Studenten", sogar die Rumanische Akademie, Die Rumanische Orthodoxe Kirche (es sollen unter anderem auch 7 Kirchen dort zerstort werden mit Friedhof inklusive) , Die Rumanische Konigsfamilie, und zahlreiche Staatsamter haben das Projekt kritisiert. Es ist sogar Illegal. Es verstosst gegen viele Gesetze! Die ganze Gemeinschaft arbeitet daran die Gegend zu verbessern, es werden jahrlich Sommerschulen mit Architekturstudenten und Restaurierung experten organisiert. Es werden Festivals dort organisiert. Die ganze Gemeinschaft erhofft sich eine Chance auf ein normales gesundes Leben! Wir wollen nicht die dritte Welt sein, die Nachbarn mit denen sich Eurpoa schamen muss! Wir brauchen verzweifelt Hilfe dieses KRIMINELLE PROJEKT zu stoppen dass uns die ganzen Rechte auf ein normales Leben raubt! Menschen werden von dort von der Privatfirma aus den Hausern geschmissen, falls das Projekt erlaubt wird! Menschen mussen ihre Todte aus den Friedhofen mitnehmen, weil alles alles was sie jemals gekannt haben unter dem grossten Zyanidsee Eropas liegen wird!!! ZYANID!!! ZYANID TODTET!!!!! BItte liebe Leser!! Ich flehe euch an, HELFT UNS!!!!!!!! :(((((((((

    warum willt dann Deutschland kein Atomkraftzentrale? wenn viel besser wäre? warum gingen Sie nicht hin, zu sehen die genaue Landschäfte, oder lieber: wann sie mit Bergbau anfangen, vllt gehen Sie hin und Arbeiten. Es ist doch super! oder?! Zu sprechen über die andere Lände, können alle. Traurig ist wenn die Leute sprechen ohne wissen ....
    Und über ihre "Gold fever" ... es bleibt fast nichts in Rumänien! So... die Frage bleibt noch: "WARUM???"

  4. Das wäre doch mal ein klassischer Fall für einen Volksentscheid, meinen Sie nicht?

    Auf der einen Seite ein paar Hundert Demonstranten und 22 Kumpel für die Mine (http://www.ziare.com/rosi...)

    Auf der anderen Seite ein paar Tausend Demonstranten gegen die Mine (http://www.theguardian.co...) bzw. gegen Umweltverschmutzung & Vetternwirtschaft

    Das Wohl der Vielen, wiegt mehr als das Wohl der Wenigen (Start Trek / Sheldon Cooper); vielleicht sieht das ein Victor Ponta ja auch so...

    Antwort auf "Lieber Crazycashier..."
  5. Die Rumänen sollten sich von den penetranten deutschen Besserwissern
    nicht beeindrucken lassen und ihre Bodenschätze nach ihren eigenen
    Vorstellungen und Bedürfnissen abbauen.

    2 Leserempfehlungen
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    Wie haben denn jetzt die Deutschen damit zu tun? Die Rumänen gehen doch demonstrieren und sind mit dem Minenbau nicht einverstanden... nicht irgendwelche grünen Hippies in Stuttgart.

  6. Wie haben denn jetzt die Deutschen damit zu tun? Die Rumänen gehen doch demonstrieren und sind mit dem Minenbau nicht einverstanden... nicht irgendwelche grünen Hippies in Stuttgart.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Umweltparanoiker"
    • Tiroler
    • 12. September 2013 18:02 Uhr

    ""Das Unternehmen ist ein Gemeinschaftsprojekt der staatlichen rumänischen Bergbaufirma Minvest und dem Bergbauer Gabriel Resources"". - Vielleicht könnte an auch bei derartigen, im Grunde positiven Artikeln darauf achten, dass die deutsche Sprache irgendwie verständlich bleibt und nicht so schrecklich verhunzt wird.
    ""Die Rumänen sollten sich von den penetranten deutschen Besserwissern
    nicht beeindrucken lassen und ihre Bodenschätze nach ihren eigenen
    Vorstellungen und Bedürfnissen abbauen."" - Das Problem ist ja, dass die Rumänen im Grunde nicht viel zu sagen haben, sondern sich einem kanadischen Konzern ausliefern, der glaubt, in diesem Land keine Gesetze einhalten zu müssen, weil er den armen Rumänen ein wenig Geld gibt. Man hat das Gleiche ja schon mit den Australiern erlebt, die bei ihrem Goldabau in Rumänien rücksichtslos die Umwelt verseucht haben. Es herrscht echte Goldgräbermentalität und die Einstellung, die Rumänen sollten gefälligst den Mund halten, weil ja ein paar Brosamen auch für sie abfallen. "Deutsche Besserwisserei" könnte manchmal auch hilfreich sein, man denke nur an die Umweltkatastrophe im siebenbürgischen Reußmarkt, von einer skrupellosen deutschen Firma verursacht und nach vielem Hin und Her und auf Druck von deutschen "Besserwissern" von der Bundesregierung teilweise wieder gut gemacht.

    3 Leserempfehlungen
    • Gariban
    • 12. September 2013 18:15 Uhr

    Umwelt schön und gut; aber warum setzen sich all diese Umweltschützer nur dann für ihre Landschaften ein, wenn es darum geht, Industrieprojekte ausubremsen. Viele gutgebildete "Hippies" verlassen ihre Dörfer und Städtchen bzw kehren nicht nach Studium/Ausbildung zurück, sondern leben in den großen, stickigen Städten ihres Landes (viele gehen sogar ins Ausland). Dabei müsste sich gerade diese Bevölkerungsgruppe vermehrt der Förderung des Ländlichen widmen, wenn sie die Natur erhalten wollen. Schließlich will niemand Wälder roden und Berge sprengen, wenn er eine Alternative zur Existenzerhaltung hat.

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  • Schlagworte Rumänien | Kanada | USA | Ungarn | Österreich | Bukarest
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