Bundesumweltminister Peter Altmaier © Adam Berry/Getty Images

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Es war Mitte Februar 2013, als Peter Altmaier sich mehr als einen Fauxpas leistete. Zusammen mit Philipp Rösler, seinem Amtskollegen aus dem Wirtschaftsministerium, präsentierte der 55-Jährige die Strompreisbremse. Um die Kosten des Ökostromausbaus zu dämpfen, schlug Altmaier vor, kurzfristig die Vergütung für Solar- und Windströmung zu senken. Altmaier wollte radikal sein und sich nicht vorwerfen lassen, als Bundesumweltminister die Strompreise zu vergessen. Damals klang er fast wie der bessere Wirtschaftsminister: Die Energiewende müsse "volkswirtschaftlich verantwortbar und damit bezahlbar sein", trichterte er den Deutschen ein.

Doch die Strompreisbremse flog dem Saarländer gehörig um die Ohren. Denn Altmaier schlug nicht nur vor, die Ökostromvergütung zukünftig zu kürzen, sondern auch rückwirkend. Nach einer kurzen Schrecksekunde brach ein Sturm der Entrüstung aus: Warum sollte man noch in Windparks investieren, wenn es sein könnte, dass die Regierung im Nachhinein die Vergütung zusammenstreicht? Die Bundesländer torpedierten das Ansinnen, auch das Kanzleramt war wenig begeistert. Die Strompreisbremse ist seit dem Sommer vom Tisch.

Dabei hatte eigentlich alles so gut begonnen. Im Mai 2012 übernahm Altmaier das Amt von Norbert Röttgen (CDU), der nach seinem Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen gehen musste. Ein komplett anderer Ton zog ins Ministerium am Potsdamer Platz ein: Altmaier lud sämtliche Kontrahenten ins Ministerium ein, tingelte durch Deutschland, ließ sich Solarparks und Robbenzuchtstationen zeigen. Seine Redewut und die unzähligen Runden Tische beeindruckten, ob Atomkonzerne oder Ökos, alle waren voll des Lobes, dass ihr Anliegen gehört wurde.

Rösler contra Altmaier

Doch schnell musste Altmaier erkennen, dass ein Umweltminister in Deutschland zwar ehrgeizige Pläne haben kann, dass er allerdings seine Macht mit dem Wirtschaftsminister teilen muss. Das beginnt bei so sperrigen Worten wie der Energieeffizienzrichtlinie und endet bei einem zentralen Instrument des Klimaschutzes in Europa, dem Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten.

Immer wieder grätschte der zierliche Rösler dem Schwergewicht Altmaier dazwischen, eine ehrgeizige Reform des maroden Emissionshandels liegt auch wegen der Sprachlosigkeit Deutschlands in Brüssel seit Monaten brach.

Zumindest beim Thema Atomkraft kann Altmaier einige Ergebnisse vorweisen. Die Regierung verabschiedete ein Asse-Gesetz, das die Bergung des hochradioaktiven Mülls beschleunigen soll. Und auf den letzten Drücker kurz vor der Sommerpause schaffte er es, mit den Bundesländern eine fragile Mehrheit für ein Gesetz zu schnüren, um eine Alternative zum Atommüllendlager Gorleben zu finden.

Zu viel über die Kosten geredet

Sicher, Altmaier hat die unter Röttgen vernachlässigten Themen wie den Meeres- und Tierschutz etwas reaktiviert. Dass der Atomausstieg endgültig ist und die Energiewende unumkehrbar, das versichert er allenorts und immer wieder – glaubhaft. Er ist ein beliebter Politiker, der keine Kamera ignoriert. Mit Leidenschaft und Selbstironie kann er vom Essen und alten Büchern erzählen.

Doch die Bilanz seiner 16 Monate ist mau: Eine Reform des wichtigsten Gesetzes, des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das jedes Jahr die Umverteilung von mehr als 20 Milliarden Euro in Deutschland organisiert, hat er nicht geschafft. Zwar hat er in bester Altmaierscher Manier eine Dialogreihe initiiert, doch Konkretes hat sie nicht gebracht, noch nicht einmal einen Zeitplan.

Stattdessen hat Altmaier die Energiewende vor allem auf die Kostenfrage reduziert, auf die Strompreisbremse. Über ökonomische Chancen und eingesparte Milliarden, weil weniger Öl und Gas importiert werden müssen, spricht er wenig. Energiesparen? Kaum ein Thema.

Zurzeit redet Altmaier wieder, diesmal auf Dutzenden Wahlkampfbühnen des Landes. Mehr als hundert Unionsfraktionskollegen hat er einen Ministerbesuch im Wahlkampf zugesagt, ein Wahnsinnsprogramm. Altmaier legt sich ins Zeug. Im September will er wieder seinen Wahlkreis Saarlouis gewinnen. Und am liebsten wieder als Umweltminister ins nächste Kabinett einziehen.