USAMillionen für den Angriff auf Syrien

Die Kriege in Irak und Afghanistan haben die USA Unsummen gekostet. Ein Angriff auf Syrien sei nicht finanzierbar, sagen Obamas Gegner. Doch das Argument trifft nicht. von 

US-Präsident Barack Obama vor wenigen Tagen auf einer Pressekonferenz unter anderem zu Syrien, die er gemeinsam mit dem schwedischen Premier Fredrik Reinfeldt in Stockholm gab.

US-Präsident Barack Obama vor wenigen Tagen auf einer Pressekonferenz unter anderem zu Syrien, die er gemeinsam mit dem schwedischen Premier Fredrik Reinfeldt in Stockholm gab.   |  © Jewel Samad/AFP/Getty Images

Anfang der Woche sah Mike Turner seine Gelegenheit gekommen. "Wir haben Flugzeuge, die auf dem Boden festsitzen, Piloten, die nicht trainiert werden, Ausrüstung, die nicht gewartet wird", meldete sich der frustrierte republikanische Abgeordnete aus Ohio zu Wort. "Und trotzdem will der Präsident Geld für einen Angriff in Syrien verschwenden." Der konservative US-Sender Fox News stimmte ein und zitierte Kongressmitglieder mit den Worten, die Regierung müsse für den Einsatz zusätzliche Gelder locker machen und den Kongress um Erlaubnis bitten, um sich den Militärschlag überhaupt leisten zu können – zumal außer den Franzosen keiner der internationalen Partner Hilfen bereitstellen werde.  

Die Debatte um einen Einsatz in Syrien trifft das US-Verteidigungsministerium auch finanziell. Es befindet sich mitten in den größten Einschnitten seit Jahren. In der kommenden Dekade kommen auf das Pentagon Kürzungen in Höhe von fast einer Billion Dollar zu, allein im kommenden Haushaltsjahr, das im Oktober beginnt, drohen Kürzungen mehr als 50 Milliarden Dollar. Statt den geplanten 526,6 Milliarden wird das Budget nur bei 475 Milliarden Dollar liegen. Obamas Gegner nutzen das für ihr politisches Kalkül, so wie Mike Turner in der Syrien-Diskussion.

Anzeige

Wie viel ein möglicher Militärschlag die USA kosten würde, ist dabei bislang noch gar nicht klar. "Es macht einen großen Unterschied, ob Sie zehn oder 150 Raketen abfeuern und ob Sie nur eine Woche den Luftraum überwachen oder länger bleiben müssen", sagt Peter Singer, Experte für Verteidigung bei der renommierten Brookings Institution in Washington. Schätzungen für das Basis-Szenario, einen von Zerstörern im östlichen Mittelmeer ausgehenden Raketenangriff, gehen von rund 100 Millionen Dollar aus.   

Soldaten im Zwangsurlaub

Viele in der Hauptstadt rechnen indes mit deutlich mehr. In einem Brief an das Armed Services Committee des Senats vor wenigen Wochen wagte General Martin Dempsey, der ranghöchste Soldat im Land, bereits lange vor dem Chemiewaffeneinsatz durch das Assad-Regime eine Schätzung: "Je nach Dauer könnten die Kosten in die Milliarden gehen", warnte er. Eine einfache Luftverbotszone käme Dempsey zufolge auf rund 500 Millionen Dollar, jeder weitere Monat würde die USA eine zusätzliche Milliarde kosten.   

Das ist Geld, das Kritiker anderswo besser investiert sehen. Die Budgetkürzungen, schrieb Ex-Verteidigungsminister Leon Panetta in der Washington Post, hätten schon jetzt dazu geführt, dass weniger als die Hälfte aller Kampfjets überhaupt einsatzbereit sei. Insgesamt säßen derzeit zwölf Staffeln auf dem Boden fest. Zudem sei das Training in einigen Lagern ausgesetzt, 650.000 Soldaten befänden sich notgedrungen auf Heimaturlaub. "Diese Folgen beeinträchtigen unsere Fähigkeiten, auf eine große Krise angemessen zu reagieren, vor allem neben dem Schauplatz Afghanistan", so Panetta.

Gordon Adams, Verteidigungsexperte an der American University, hält die Argumentation aber für ungerechtfertigt. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass die Budgetkürzungen das Militär so sehr beeinträchtigt hätten, dass es diese Operation nicht ausführen könne. 

Einsatz sei bereits bezahlt

Im Grunde sei für den Einsatz ohnehin bereits bezahlt, so Adams, selbst lange Mitglied im House Budget Committee. "Wir besitzen die fünf Zerstörer vor der syrischen Küste bereits. Wir haben auch die Tomahawk-Raketen schon." Genauso stünden die Soldaten auf den Schiffen bereits auf der Gehaltsliste des Pentagons. Budgetdiskussionen seien deshalb für die Frage, ob ein Einsatz vernünftig oder notwendig sei, irrelevant.   

Obama betont, er wolle einen begrenzten Einsatz. Es gehe darum, militärische Ziele zu zerstören, nicht darum, das Gleichgewicht im Kampf zwischen Rebellen und Assad zu beeinflussen oder das Regime zu stürzen. Am ehesten lässt sich Syrien nach Meinung vieler Experten deshalb mit Libyen vergleichen. Dort hatte das Pentagon 2011 etwas mehr als eine Milliarde Dollar investiert, um die Luftabwehr des Landes zu zerstören, eine Flugverbotszone einzurichten und so die Bevölkerung und die Aufständischen zu schützen.   

Sollte die Militäraktion in Syrien ähnlich ablaufen, meint Stephen Biddler, Politik-Professor an der George Washington Universität, "wird das das Verteidigungsministerium nicht in den Ruin treiben". Anders sehe es aus, falls sich ein Angriff zum über Jahre andauernden Einsatz entwickeln sollte und die USA letztlich doch Bodentruppen entsenden müssten. Dann, so Biddler, würden die Kosten schnell "unkontrollierbar". 

Teures Erbe der Irak- und Afghanistan-Kriege

Dieses Szenario weckt bei vielen böse Erinnerungen an Irak und Afghanistan. Bis Ende des Haushaltsjahres werden die Kosten der beiden Kriege nach Angaben des Center for Defense Information auf 1,49 Billionen Dollar steigen. Die seit rund einem Jahrzehnt andauernden Einsätze haben die Schulden der USA nach oben getrieben. Mit rund zwei Billionen Dollar machen Irak und Afghanistan rund 20 Prozent der Gesamtschulden aus, die das Land zwischen 2001 und 2012 angesammelt hat.

Die endgültige Rechnung dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Die beiden Einsätze könnten die US-Steuerzahler insgesamt zwischen vier und sechs Billionen Dollar kosten, wie Wissenschaftler der Harvard-Universität errechneten. In den Zahlen berücksichtigten die Forscher unter anderem die Ausgaben für die medizinische Versorgung von Veteranen und die teure Instandsetzung. "Das Erbe der politischen Entscheidungen im Irak und in Afghanistan wird das Budget noch über Jahrzehnte belasten", heißt es in dem Bericht. Und das, obwohl die Truppen längst abgezogen sind.     

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Sandale
    • 06. September 2013 10:32 Uhr

    MWer mit solchen messerschrfen Argumenten hantiert, der kann sich leicht mal unueberschaubare Staatschulden aufhaeufen, aber halt mal, genau das haben die USA schon - haben die immer so gerechnet?

    Davon abgesehen - auch Raketen haben ein Verfallsdatum und die naechste Generation will ja auch gekauft werden, also das Zeug muss irgendwann eh raus, Truppenuebungsplaetze sind auch teuer zu unterhalten, wohin damit also?

    2 Leserempfehlungen
  1. Der Angriff ist sicher (irgendwie) bezahlbar, aber danach?

    2 Leserempfehlungen
  2. "Schätzungen für das Basis-Szenario, einen von Zerstörern im östlichen Mittelmeer ausgehenden Raketenangriff, gehen von rund 100 Millionen Dollar aus."
    UNHCR fehlen für hilfe an flüchtlinge aus Syrien gerade mal $1,798,219,062.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das sobald es Flüchtlinge gibt die Bevölkerung mit Kinderphotos zum Spenden aufgerufen wird um das Leid zu beenden.

    Und wenn es um Kriege geht Geldsummen aus Steuern genannt werden womit man die Flüchtlinge und das Leid auch einfach beenden könnte und nebenher noch das restliche Land noch renoviren könnte.

    -------------------- SATIRE ------------------------------

  3. Laut RIA Novostni haben die Golfstaaten den Amis bereits die Übernahme der Kosten zugesagt. Dieses Angebot wurde bereits dankend angenommen.

    16 Leserempfehlungen
  4. Ist sowieso langsam.. nicht mehr berechenbar.
    Also was soll die da drüben noch von was abhalten.
    Können wir ja noch froh sein das es noch keine schlimmeren Waffe gibt als die A..Knaller.. extra anders benannt sonst wird man gleich von der NSA anvisiert.

    Man kann ja hier echt nicht das scheiben was man denkt...
    Und schade das sie nicht in die andere Richtung gehen damit man Globalen Frieden oder Gesellschaftliche Probleme minimiert.

    Und aufhalten kann eine A-Merkel die sowieso nicht.. dazu ist und bleibt sie ein kleine Lachnummer auf der Welt. Plus Unfähigkeit gratis dazu.

    8 Leserempfehlungen
  5. Zumindest Steigt der ÖL Preis, und welche offizielle Währung ist in ÖL tausch relevant na der Dollar.. oder steht dahinter der Euro...

    Die haben sicher was davon, nämlich es geht wie immer um Geld und Gewinnmaximierung was hätte man auch von eine Kapitalistischen Staat erwartet.

    Tja wenn man Griechenlands Öl mal zu Euro Leitwährung machen würde.
    Aber wir haben hier ja Böse ... Staaten die haben es aufs Öl abgesehen und natürlich die Lobby dazu.

    Die Welt wird von paar wenigen gelenkt, und um dessen Interessen geht es immer nur wenn Kriege entstehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | Syrien | US-Verteidigungsministerium | Afghanistan | Irak | Militäraktion
Service