PreisabsprachenWettbewerbshüter heben Wurstkartell aus

Hersteller sollen die Preise nach oben getrieben haben. Das Kartellamt ließ Büros durchsuchen und verhängt jetzt Millionenstrafen. Erste Unternehmen fürchten die Pleite.

Viele Würste in einem Fleischgeschäft

Viele Würste in einem Fleischgeschäft  |  © John MacDougall/AFP/Getty Images

In der deutschen Wurstbranche sollen sich rund zwei Dutzend Unternehmen zu einem Kartell zusammengeschlossen haben, um Preise abzusprechen. Den Beschuldigten drohen nun Strafen in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe, berichtete der Spiegel.

Das Bundeskartellamt wird demnach bald erste Strafbescheide erlassen. Die Wettbewerbshüter hatten in den vergangenen vier Jahren mehrere Wurstfabriken durchsucht, um Beweise für Preisabsprachen zu finden, heißt es in dem Bericht.

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Das Kartellverfahren begann demnach mit einer anonymer Anzeige gegen die Firma Heinrich Nölke, besser bekannt als Gutfried. Die Zahl der Verdächtigen sei dann aber bald gestiegen. Beschuldigt seien heute "so gut wie alle namhaften Hersteller".

Mehrere Wurstfabrikanten räumten dem Bericht zufolge bereits ein Fehlverhalten ein. Die Wurstbranche sei beim Thema Preisabsprache jahrelang "ziemlich sorglos" gewesen, wird ein Manager zitiert.

Manchen Firmen soll der Bankrott drohen

Auch der Branchenverbandschef gab die Absprachen zu: "Dass es in einzelnen Fällen Preisabsprachen gegeben hat, ist keine Frage", sagte Wolfgang Ingold, Präsident des Verbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie, dem Spiegel. Allerdings seien nicht alle Vorwürfe zweifelsfrei belegt.

Ingold fürchtet den Bankrott einiger Kollegen und warnte vor Millionenbußen für die profitschwache Wurstindustrie: "Für manche Firmen wird das existenzbedrohend."

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Leserkommentare
  1. Sie hätten ja von dem von uns erschlichenen Gewinn Rücklagen für Strafen bilden können.

    Wenn jetzt Menschen die Arbeit verlieren und Unternehmen Insolvenz anmelden, geht das auch wieder zu unseren Lasten. Wenn man keine Angst haben muss als Chef persönlich belangt zu werden, ist halt das gute Jahresergebnis wichtiger. Im Zweifelsfall illegal und auf Kosten aller.

    Tolle Leistung ihr Würstchen!

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    Warum soll der Verbraucher zweimal der Dumme sein- Zuerst hohe Preise wegen Absprache und dann hohe Preise um die Strafe zu amortisieren.
    Diese Preisabsprachen werden nicht nur unter Chefs ausgemacht; es gibt viele Leute in einer Firma die in die Kalkulation Einblick haben-die Belegschaft kann sich der Mitwisserschaft nicht entziehen. Schlimmer noch, man muss auch unterstellen: wer Preismanipulation duldet, duldet auch Qualitätsmanipulation.
    Arbeitsplätze gehen nicht verloren, sie sind entstehen anderenorts-es wird ja weiterhin Wurst produziert und konsumiert.

  2. Diesen kriminellen Methoden kann man nur entgegen wirken, indem man keine Wurst mehr kauft. Außerdem tut man damit seiner Gesundheit etwas Gutes.

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    Habe ich eher das Gefühl, dass man dann das nächste Kartell unterstützt.

    Aber naja, es gibt ja doch kaum einen Unterschied zwischen Viel-Fleischesser und Vegetariern - beide müssen Pillen schlucken oder sie haben ein kurzes Leben.

    " ... indem man keine Wurst mehr kauft. "

    auch den anständigen Wurstherstellern schadet. - Vielfalt ist das Leben, nicht Einfalt. -

    • Abwaka
    • 08. September 2013 14:35 Uhr

    Aber es hat natürlich schon einen Sinn, dass der Mensch die Voraussetzungen zur omnivoren Ernährung besitzt.
    Aber Ihrer Logik nach müssten die Menschen ja schon ausgestorben sein wegen der sooooo bösen Wurst.

    Ich bin mir sicher, der selbstständige Metzger um die Ecke ist Mitglied im Wurstkartell!

    Ziemlicher Käse, den Sie da schreiben. Scheinbar hat Fleischentzug eine sinkende Hirnleistung zur Folge?

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    • iolger
    • 08. September 2013 12:29 Uhr

    Ich habe kein Mitleid, wenn die Firmen pleite gehen. Doch in Wirklichkeit wird mit den gleichen Leuten und dem gleichen, wertvollen Namen die Firma wieder eröffnet. Deshalb sollte die höchstmögliche Strafsumme genommen werden, denn die über Jahre durch die Preisabsprachen erzielten Gewinne sind sehr hoch gewesen. Da nutzt das Gejammer um die angeblich geringen Profitmargen auch nichts.

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  3. Habe ich eher das Gefühl, dass man dann das nächste Kartell unterstützt.

    Aber naja, es gibt ja doch kaum einen Unterschied zwischen Viel-Fleischesser und Vegetariern - beide müssen Pillen schlucken oder sie haben ein kurzes Leben.

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    Antwort auf "Aufgepaßt Wurstesser!"
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    Es gibt kaum einen Unterschied zwischen einem Menschen und einem Pappkarton: Beide haben das wichtigste im Inneren und verbrennen im Feuer.

    Zum Thema: Wenn der Wurstpreis noch künstlich höher gehalten wurde, dann haben wir eindeutig viel zu niedriger Fleischpreise!

    Ich empfinde Gemüse als recht preiswert. Es muss ja nicht immer das exotischste sein....

    • M.Punkt
    • 08. September 2013 12:36 Uhr

    die Wursthersteller doch sind!
    Schließlich sind ja nicht ALLE Vorwürfe einwandfrei belegt.

    Und so viel Geld können die auch gar nicht zahlen.

    Die Forderung nach geringeren Strafen geht da nicht weit genug! Ich sage, im Namen der Wurst: Preisabsprachen müssen wieder her!

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    Eine Leserempfehlung
  4. ... werden völlig überbewertet. Denn beides enthält so viel Energie, daß Otto Normalverbraucher sie gar nicht verbrauchen kann.
    back to the roots! Esst einmal mehr eine Möhre - ein Apfel tut's auch.

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  5. 7. da hat

    "uns ulli" das nächste problem an der backe.

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    waren sie auch bei seiner Fabrik damals.

    Ach Ulli....

    Aufstieg und Fall des Artulli H....

    *Ironie off*

    • eras
    • 08. September 2013 12:44 Uhr

    ...fragt man sich: Waren das jetzt Dumpingpreisabsprachen?

    Wenn der Gutfried-Dreck (an deren Reklame habe ich immer ähnlich traumatische Erinnerungen wie an die vom Mumm-Sekt und an Mitschüler mit stinkenden Kondom-Bifis auf der Klassenfahrt) jetzt für noch billiger über die Theke geht, dann sollten die Krankenkassen schon mal Rücklagen bilden.

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    Ich hab genau das gleiche gedacht. Man könnte absurderweise annehmen, den Konzernen taten die Tiere leid und sie wollten sie nicht für so einen Spottpreis verkaufen. Ich weiß, das ist Unsinn.

    Ich fänd cool, wenn ein paar Konzerne jetzt dicht machen müssen (ja, sorry, ich weiß da gehen Arbeitsplätze erstmal verloren), damit dann ein paar Wochen im Regal mal keine Wurst liegt. Was wäre das für eine gesellschaftliche Performance? Riesig...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, wif
  • Schlagworte Bundeskartellamt | Anzeige | Kartellamt | Spiegel | Strafe | Präsident
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