Die Residenz von Franz-Peter Tebartz-van Elst in Limburg © Kai Pfaffenbach/Reuters

Rund 40 Millionen Euro soll der Hausbau zu Limburg schlussendlich kosten. Scherzhaft nennen manche die Residenz des Bischofs Tebartz-van Elst deshalb bereits "Limburg 21". Wie beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 wird auch in Limburg Geld verschwendet – doch handelt es sich um Geld der Allgemeinheit? Oder ist es nicht vielmehr so, wie es einige Verteidiger sagen: Der Bau sei lediglich aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls finanziert worden. Dann hätte der Kirchensteuerzahler keinen Cent dazubezahlt, die ganze Aufregung wäre überzogen. Wer hat nun recht?

Richtig ist: Die zusätzlichen 29 Millionen Euro, die der Bau über dem Plan lag, stammen tatsächlich aus dem Vermögen des Bistums. Lediglich die 2,5 Millionen Euro, die ursprünglich angesetzt waren, werden mit Einnahmen der Kirchensteuer finanziert. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Woher kommt das Vermögen des Bischöflichen Stuhls? Und wie finanziert sich diese Körperschaft des öffentlichen Rechts, die das Bistum verwaltet? Die Antwort lautet: Die deutschen Bistümer – egal ob katholisch oder evangelisch – leben natürlich nicht nur von dem, was ihre Besitztümer an Zinsen und Pachteinnahmen abwerfen. Sie werden üppig vom Staat bezuschusst.  

Dabei ist nicht die Rede von den Kirchensteuereinnahmen, die Katholiken und Protestanten sozusagen als Mitgliedsbeiträge freiwillig zahlen. Diese neun Milliarden Euro sind nur die halbe Wahrheit. Denn mehr als doppelt so viel Geld fließt den Kirchen aus allgemeinen Steuermitteln zu, weil sich der Staat immer noch an 200 Jahre alte Gesetze hält.

Insgesamt beziffert der Politologe und Kirchenkritiker Carsten Frerk die "staatlichen Zuwendungen" an die Kirchen auf mehr als 19 Milliarden Euro pro Jahr. Allein eine knappe halbe Milliarde davon fließt direkt an die deutschen Bischöfe. Deren Gehälter zahlt nicht etwa die Kirche selbst, sondern die Bundesländer. Mit Ausnahme der Stadtstaaten Hamburg und Bremen kommen alle Länder für die Besoldung der Bischöfe, Erzbischöfe, Weihbischöfe, Vikare und Kantonisten von Priesterseminaren auf. Deren Gehaltshöhe erregte bereits 2010 die Gemüter, als Frerk in seinem Violettbuch Kirchenfinanzen darlegte, dass der Staat regelmäßig 445 Millionen Euro für die oberen Geistlichen ausgab, während er bei Arbeitslosen und Rentnern in Krisenzeiten sparte. Heute sind es sogar 485 Millionen Euro.

Offen und detailliert ausgewiesen werden diese "Dotationen" meist nicht. Ganz genau schlüsselte bisher einzig das Land Bayern die einzelnen Gehälter seiner Bischöfe auf. Das hat sich geändert, seit die Öffentlichkeit auf diesem Wege erfuhr, wie hoch das Ruhestandsgehalt des früheren Augsburger Bischofs Walter Mixa ist, der 2010 wegen einer Prügel- und Finanzaffäre zurückgetreten war. Laut Frerk soll dieser 5.000 Euro monatlich bekommen. Nun will auch der Freistaat künftig nur noch pauschal nennen, wie viel die oberen Kirchenmänner verdienen.

"In Wirklichkeit sind Steuergelder drin"

Ohnehin werden viele Zahlungen des Staates in den kirchlichen Haushalten nur pauschal ausgewiesen. Deshalb ist es selbst für Finanzexperten und Kirchenrechtler schwer, sämtliche Summen zu überblicken. "Die Finanzverflechtungen sind kompliziert", sagt der Kirchenrechtler Jörg Winter, Honorarprofessor an der Universität Heidelberg, "man muss schon genau hingucken, worum es geht. Überdies sind die Dinge in jedem Bundesland anders geregelt, weil sich vieles noch an alten historischen Gegebenheiten orientiert."

In der Gesamtrechnung von Frerk betragen die staatlichen Zuschüsse für Bischofsgehälter und Bauten rund eine Milliarde Euro. Für die Ausbildung des theologischen Nachwuchses zahlt er eine halbe Milliarde Euro, für Religionsunterricht, Konfessionsschulen und Kindergärten rund 8,5 Milliarden Euro. "Bei vielen Einrichtungen steht zwar Kirche drauf, in Wirklichkeit sind aber Steuergelder drin", sagt er. Weitere drei Milliarden Euro entgehen dem Staat, weil die Kirchensteuer von der Einkommenssteuer absetzbar ist. Die Kirche wiederum spart rund 1,8 Milliarden Euro, weil sie die Finanzämter die Kirchensteuer eintreiben lässt. In Ländern wie Österreich übernehmen die Glaubensgemeinschaften das nämlich selbst – und betreiben dafür erheblichen Aufwand.