Deutschland ist ein zutiefst vernünftiges Land – vernünftiger als derzeit Amerika im Shutdown, besser regiert als Italien mit seinen 60 Kabinetten seit Kriegsende.

Der Restwahnsinn fließt hier durch die Steckdose, wie der erneute Anstieg der Ökostromumlage gerade zeigt. Im Namen der Energiewende will die Regierung in einem Land, wo die Sonne nur spärlich scheint und das Wasser nur gemächlich rauscht, partout auf 100 Prozent erneuerbare Energie umschalten – irgendwann.

Zu diesem Behufe subventioniert sie Solar-, Wind- und Wasserkraft. In Zahlen: Vor zehn Jahren war es nur ein Tröpfchen, nicht mal ein halber Cent, der auf die Kilowattstunde draufgesattelt wurde. Vor drei Jahren waren es schon etwas über drei Cent. In diesem Jahr sind es schon 5,28 Cent, und 2014 werden es 6,24 Cent sein. Das macht mit der Haftungsumlage für Offshore-Windparks (0,25) fast ein Viertel des Strompreises aus – oder 24 Milliarden Euro für die Förderung insgesamt.

Jede politische Torheit beginnt mit einer guten Idee: weg von C02, Atomenergie, der Abhängigkeit von Putin und orientalischen Potentaten. Aber dann schlägt gnadenlos die ökonomische Logik zu, die erklärt, warum die Umlage sich in zehn Jahren mehr als verzehnfacht hat. Wenn ein Gut subventioniert wird, das Risiko gen null sinkt und die Rendite steigt, wird mehr davon produziert.

Und: Je mehr Kilowattstunden auf Dächern, Kuppen und  im Meer installiert werden, desto mehr Steuergeld fließt in die Taschen der Investoren. Die gehören übrigens nicht zu den Ärmsten im Land. Auch die großen Industrieunternehmen nicht, die Abschläge auf den Strompreis bekommen, um weltweit konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Umverteilung läuft von unten nach oben. Gerecht ist die Sache nicht, effizient auch nicht. Der Teufel im Netz heißt Grundlast. Für die müssen Gigawatt an konventioneller Kapazität vorgehalten werden für den Fall, dass die Sonne (so oft) nicht scheint, der Wind abflaut. Eine Folge des Überflusses: Teilweise wird der überteuerte Strom, der nicht aufbewahrt werden kann, wie Korn oder Kohle, ins Ausland verschenkt.

Nun ist noch jede neue Großtechnik vom Staat bezuschusst worden – bis sie effizient genug wurde, um sich auf dem Markt zu bewähren. Freunde der Alternativenergie argumentieren, dass diese inzwischen preiswert genug ist, um mit der konventionellen Produktion mitzuhalten.

Nur lässt sich der ironischen Pointe des FAZ-Kommentators Andreas Mihm nichts mehr hinzufügen: "Prima", schreibt er. Dann können sich die Investoren ihr Geld vom Markt holen und "getrost auf schädliche Subventionen verzichten".

Doch der Griff in den Steuertopf ist einfacher.