Gute Nachrichten sind es, die in letzter Zeit aus Italien kommen – Nachrichten von neu gewonnener politischer Stabilität, von beachtlichen Fortschritten bei der ökonomischen Konsolidierung. Noch Anfang Oktober hatte ganz Europa gezittert, weil Silvio Berlusconi sich anschickte, die Regierung unter Enrico Letta zu stürzen, um sich so für seine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung und für den drohenden Verlust seines Senatssitzes zu rächen. Doch aus der Krise wurde nichts: Viele Parlamentarier der Berlusconi-Partei entzogen nicht Letta, sondern Berlusconi die Unterstützung. Letta sitzt nun mit seiner Großen Koalition fester im Sattel denn je.

Und auch die Konsolidierungspolitik, so scheint es, macht gute Fortschritte. Das Haushaltsminus wird dieses Jahr bei drei Prozent liegen; die EU-Kommission hat das Defizitverfahren gegen Italien eingestellt. Die Drei-Prozent-Marke konnte mit straffer Haushaltsdisziplin erreicht werden: Italien erwirtschaftet mittlerweile einen Primärüberschuss – das ist der Saldo der staatlichen Einnahmen und Ausgaben ohne Berücksichtigung der Zinszahlungen – von knapp fünf Prozent des BIP.

Erfreuliches gibt es auch von der Leistungsbilanz zu berichten; jahrelang im Minus, wird sie im Jahr 2013 ausgeglichen, im Jahr 2014 wohl leicht im Plus sein. Im Export sowohl von Gütern als auch von Dienstleistungen erwirtschaftet Italien, immerhin zweitstärkstes Industrieland der EU, mittlerweile kräftige Überschüsse.

Keine Erholung in Sicht

Dennoch will in Italien einfach keine Euphorie aufkommen, und selbst wenn die Regierung verkündet, 2014 werde das Land wieder ein, wenn auch sehr bescheidenes Wachstum erleben, ist von Wendestimmung nichts zu spüren. Denn allzu deutlich ist: Die Konsolidierung ist eine Konsolidierung nach unten, ohne das sich Perspektiven neuer Prosperität eröffneten. Zwei volle Jahre harter Rezession hat das Land hinter sich; 2012 sank das BIP um 2,4 Prozent, und dieses Jahr wird es noch einmal um etwa zwei Prozent nach unten gehen.  

Dramatisch ist der Vergleich mit 2007, dem letzten Jahr vor Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise: In den letzten sechs Jahren hat Italien knapp zehn Prozent seiner Wirtschaftsleistung eingebüßt. Noch stärker ist der Einbruch bei der Industrieproduktion, die um über 20 Prozent schrumpfte. Egal ob Konsum, Investitionen oder staatlicher Verbrauch: alle Indikatoren weisen steil nach unten. Nur ein Wert steigt und steigt: Die Arbeitslosigkeit hat mittlerweile 12,5 Prozent erreicht, liegt bei den 15- bis 24-Jährigen gar bei 40 Prozent – eine glatte Verdoppelung gegenüber den Zeiten vor der großen Krise.

Kein Ausweg aus der Depression

Und es gibt keine Zeichen, wie Italien aus der Depression herausfinden sollte. Beispiel Autoindustrie: Der Absatz von Pkw brach von etwa 2,5 Millionen im Jahr 2007 auf voraussichtlich nur noch 1,1 Millionen im laufenden Jahr ein. Hauptopfer ist Fiat. Vor wenigen Jahren noch elftgrößter Hersteller von Pkw weltweit, liegt das Unternehmen jetzt nur noch auf Platz 22; bloß noch etwa 400.000 Autos jährlich werden in den italienischen Fiat-Fabriken gefertigt. Und der Boss des Turiner Autohauses, Sergio Marchionne, verspricht zwar immer wieder Milliardeninvestitionen, schiebt sie aber immer wieder auf – während die Arbeiter den meisten Teil des Jahres Kurzarbeit schieben.

Kurzarbeit, Pleite, Ausverkauf: Dieses Bild herrscht auch bei anderen der wenigen wichtigen verbliebenen Großunternehmen. Vor fünf Jahren privatisierte die Regierung unter Silvio Berlusconi Alitalia, halste dem Staat dafür Kosten von etwa fünf Milliarden Euro auf, für die Übernahme der Altschulden und die Abwicklung tausender Entlassungen. 25 Prozent übernahm Air France, den Rest teilten sich diverse italienische Unternehmer und Banken. 

Jetzt aber ist Alitalia wieder am Rand der Pleite; über eine Milliarde Schulden häufte das Unternehmen seit 2008 an, allein im ersten Halbjahr 2013 flog es knapp 300 Millionen Euro Verluste ein. Und erneut springt der Staat ein: An der unvermeidlichen Kapitalerhöhung, die der Airline ein bisschen Luft verschafft, sie aber nicht auf Dauer rettet, beteiligt sich die italienische Post, zu 100 Prozent im Staatsbesitz.