Robert Frichtel kann es gar nicht erwarten, dass das Jahr endlich rum ist. Denn dann soll für ihn das große Geschäft beginnen. "Wir reden von mindestens 100 Millionen Dollar", sagt er. 56 Millionen Touristen gebe es schließlich in Colorado allein im Jahr, entsprechend groß sei das Marktpotenzial, schwärmt der 50-Jährige. Dabei war seine Geschäftsgrundlage noch vor wenigen Monaten illegal.

Frichtel ist Vorstandsvorsitzender von Advanced Cannabis Solution. Erst Anfang 2013 hat er die Firma mit zwei Kollegen gegründet – und Marihuana damit zum Geschäft gemacht. ACS berät Cannabis-Produzenten in Colorado, hilft bei der Finanzierung, kauft geeignete Räume, baut sie aus und vermietet sie. Fünf Mitarbeiter hat er inzwischen. "Der Markt ist aufregend", so Frichtel.

Seit sich die Wähler im November in Referenden für eine Lockerung aussprachen, ist der Konsum für Erwachsene in Colorado und Washington State straffrei. Im Januar treten die Gesetze in Kraft, dann kann zum ersten Mal jeder über 21 das Rauschmittel legal im Laden erwerben. Seit vergangener Woche laufen die Bewerbungen um die Lizenzen.

Die zunehmende Lockerung im Land – neben dem freien Gebrauch in Colorado und Washington erlauben 18 US-Bundesstaaten den Konsum zu medizinischen Zwecken – hat den Markt auch für Unternehmen interessant gemacht. Vor fünf Jahren seien es vor allem Liebhaber und Hobbygärtner gewesen, die die Pflanzen im kleinen Stil angebaut hätten, sagt Jonathan Caulkins, Professor an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. "Jetzt fangen die Produzenten an, sich mit Betriebswirten zusammenzutun."

Beispiel Diego Pellicer: Die Firma aus Colorado träumt davon, die erste Einzelhandelskette für Marihuana zu werden – und neben Pflanzen auch Produkte wie Kekse oder Bonbons zu verkaufen. Er wolle den Markt ähnlich dominieren wie "Starbucks das Kaffeegeschäft", kündigt Firmengründer Jamen Shively in Interviews großmundig an. Mehr als zehn Millionen Dollar hat er dafür inzwischen von Investoren eingesammelt. 

Die Aussichten scheinen gut. Im vergangenen Jahr setzten die 2.000 bis 4.500 legalen Vertriebe, die Marihuana für medizinische Zwecke verkaufen, laut dem Branchenblatt Medical Marijuana Business Daily bereits 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar um. Bis 2018 könnte sich das Marktvolumen auf sechs Milliarden Dollar erhöhen. Wer eine wirkliche Ahnung haben wolle, wie viel Geld sich mit Marihuana verdienen lasse, sagen viele, der müsse sich nur den Schwarzmarkt anschauen. Allein in den USA werden hier derzeit rund 18 Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt. "Fest steht: Es ist ein bedeutender Wirtschaftszweig", sagt Jon Gettman, Reformaktivist und ehemaliger Präsident der National Organization for the Reform of Marijuana Laws.