Es war eine bemerkenswerte Pressekonferenz, die der polnische Umweltminister Marcin Korolec vor wenigen Wochen in Warschau abhielt. Korolec präsentierte den Journalisten die Namen von zwölf Unternehmen: den Sponsoren des kommenden Klimagipfels. Der Minister dankte den Firmen für die "substanzielle" und "professionelle" Unterstützung, und er pries die Auserwählten: "Die Produkte und Dienstleistungen, die sie anbieten, sind grün."

Es klang damals schon, als wolle Korolec sich verteidigen – und möglicherweise hat er die Kritik an seiner Wahl tatsächlich vorausgesehen. Denn die meisten der Sponsoren sind nicht gerade für eine besonders klimafreundliche Geschäftspolitik bekannt, oder sie gehören zumindest zu einer klimapolitisch heiklen Branche. Jetzt laufen Umweltschützer Sturm.

Sie sind wütend, weil zum Beispiel ArcelorMittal den Klimagipfel der Vereinten Nationen sponsern darf. ArcelorMittal ist der größte Stahlkonzern der Welt. Seine Fabriken sind enorme Luftverschmutzer. Umweltschutz-Organisationen erklären, ArcelorMittal sei innerhalb der Europäischen Union der fünftgrößte Emittent von Klimagasen. Großen Druck, seine Emissionen zu reduzieren, hat der Konzern offenbar noch nicht verspürt: Anfang des Jahres machte er Schlagzeilen, weil er so viele überschüssige Verschmutzungsrechte verkaufte, dass er damit seine Bilanz sanieren konnte.

Intransparente Sponsoren-Auswahl

Oder die Polnische Energiegruppe (Polska Grupa Energetyczna, PGE), der größte Stromversorger Polens, der seinen Strom zu 69 Prozent aus Braunkohle und zu weiteren 22 Prozent aus Steinkohle gewinnt. Erneuerbare Energien tragen nur mit vier Prozent zum Brennstoffmix von PGE bei – und der Großteil davon dürfte heftig umstrittene Biomasse sein, die zum Teil um die halbe Welt transportiert wird, bevor sie einfach in PGE-Kohlekraftwerken mit verbrannt wird.

Zu dem Konzern gehört auch das größte europäische Braunkohlekraftwerk in Bełchatów, das in EU-Statistiken als der größte Luftverschmutzer Europas geführt wird. Der polnische Staat hält eine Mehrheit der PGE-Aktien. Ebenso wie an der Luftlinie LOT Polish Airlines, die anfangs auf der Liste der Sponsoren auftauchte, jetzt aber von ihr verschwunden ist. Unter elf noch übrig bleibenden Unterstützern des Gipfels sind auch der Papierkonzern International Paper, die Autohersteller BMW und General Motors, der Energiekonzern Alstom und die Fluglinie Emirates; Softwarehäuser und ein Anbieter von Leasingautos.

Umweltschützer kritisieren die Auswahl der Sponsoren als intransparent. Es sei völlig unklar, ob sich weitere Firmen als Unterstützer des Gipfels beworben hätten, sagte WWF-Sprecher Paweł Średziński. Deshalb sei auch nicht nachzuvollziehen, warum die Regierung keine klimafreundlicheren Unternehmen ausgewählt habe.

Der polnische Umweltminister Korolec aber hat für die Kritik kein Verständnis. "Wo gibt es das größte Potenzial, Klimagase zu reduzieren?" sagte er dem europäischen Nachrichtendienst EurActiv. "Diese Branchen werden bleiben. Wir brauchen Windräder, und sie sind aus Stahl." Korolec besteht darauf: Die Industrie, auch die großen Verschmutzer, müsse einen Platz am Verhandlungstisch erhalten.