ZEIT ONLINE: Herr Cowen, übernehmen Roboter bald all unsere Jobs?

Tyler Cowen: Das ist etwas übertrieben. Der technologische Fortschritt läuft meist viel subtiler ab. Nehmen Sie beispielsweise ein Auto. Heute befinden sich darin so viele Computer, die Ihnen sagen, ob irgendetwas beschädigt ist oder das Fahrzeug demnächst zusammenbricht. Das hat zur Konsequenz, dass die Leute ihr Auto nicht mehr so oft zur Reparatur bringen. Für den Verbraucher ist das toll. Aber am Ende werden so Jobs vernichtet. Ich glaube, dass der Großteil unserer Innovationen heutzutage mehr Arbeitsplätze zerstört, als neue zu schaffen. Vom Fortschritt profitiert nur eine sehr kleine Gruppe.

ZEIT ONLINE: Wer profitiert?

Tyler Cowen: Wer mit Computern arbeitet, wird auch künftig keine Problem haben, der Wert seiner Arbeit wird durch die Maschine gesteigert. Sie sehen das in New York. High-Frequency-Händler zum Beispiel, die mithilfe von Computern an der Börse handeln, geht es gerade fantastisch. Auch die Leute bei Facebook haben keinen Grund zur Klage. Sie profitieren schon jetzt von dieser Entwicklung.

ZEIT ONLINE: Und wer verliert?

Cowen: Verwundbar sind gut bezahlte Angestellte im Service-Bereich, die lange geglaubt haben, ihr Job könne niemals automatisiert werden und die jetzt feststellen müssen: Das stimmt nicht. Es gibt mittlerweile Maschinen, die sogar Anästhesien übernehmen können. Das ist eigentlich ein sehr gut bezahlter Job, der aber in Zukunft verschwinden wird. Genauso gibt es Computer, die Examen benoten, und sie tun das nicht schlecht. 

ZEIT ONLINE: Gibt es auch Jobs, bei denen sich der Wandel schon vollzogen hat?

Cowen: Vor 15 Jahren waren das zum Beispiel Angestellte im mittleren Dienst, die Akten sortiert haben. Sie mussten mit Computern um ihre Stellen kämpfen und haben verloren. Ähnlich ist es mit Angestellten in Reisebüros, die noch vor wenigen Jahren Ihre Flüge gebucht haben. Mit der Zeit konkurrieren mehr und mehr Leute in immer mehr Bereichen mit Computern.

 ZEIT ONLINE: Am Ende ist fast niemand sicher?

Cowen: Doch. Menschen beispielsweise, die eng mit anderen Menschen arbeiten. Nehmen wir an, Sie sind eine Nanny. Nannys werden in absehbarer Zeit nicht durch Roboter ersetzt. Oder ein Yogalehrer. Es gibt viele Jobs, bei denen menschliche, schwer greifbare Qualitäten gefragt sind. Die sind relativ sicher.

ZEIT ONLINE: Technischer Fortschritt schadet also mehr, als dass er uns nutzt?

Cowen: Ich bin nicht gegen die Technologien, überhaupt nicht, ich finde sie sehr nützlich. Es ist ein bisschen wie zu Beginn der Industriellen Revolution. Es werden eine Menge neuer Maschinen erfunden, die viele Leute den Arbeitsplatz kosten. Natürlich war es besser, diese Innovationen zu haben als auf dem Lebensstandard des 18. Jahrhunderts zu verharren.

Aber zunächst hatten die Menschen Jahrzehnte schwieriger Anpassung vor sich. Ich glaube, die heutige Situation kommt dem sehr nahe. Die alten Technologien haben die Körperkraft ersetzt. Das führte dazu, dass Leute mehr und mehr in Berufe gewechselt sind, in denen sie ihr Gehirn benutzen. Die Technologien von heute ersetzen das Denken. Wohin die Leute jetzt ausweichen können, um neue Jobs zu finden, ist aber eine viel schwierigere Frage.