Wer sich früher über die Aktivitäten des Instituts für die religiösen Werke (IOR) der Vatikanbank, informieren wollte, hatte keine andere Wahl, als nach Rom zu reisen und den Turm Nikolaus V.direkt bei der päpstlichen Residenz im apostolischen Palast aufzusuchen. Selbst im Vatikan wussten die wenigsten, was im Inneren des Turms passiert.

Abgesehen von den Mitgliedern des vierköpfigen Vorstands und den Kardinälen, die die Aufsichtskommission bilden, durfte nur der Papst in die Geschäftsbücher der Bank blicken. Das alles ist nun Geschichte: Heute veröffentlichte das IOR zum ersten Mal in seiner siebzigjährigen Geschichte eine Bilanz im Internet.

Diese historische Wende ist Teil der Transparenz-Initiative, die von Papst Benedikt XVI. begonnen und von seinem Nachfolger Franziskus I. mit Entschlossenheit weitergeführt wurde. Selbst die Website des Instituts ist ein Novum. Bis vor Kurzem waren die einzigen Informationen über das IOR auf einer unübersichtlichen Seite des Vatikans zu finden, die so aussah, als ob sie zeitgleich mit dem Turm Nikolaus V. entstanden sei. Jetzt begrüßt den Besucher eine schlichte, jedoch ausführliche Infoseite, auf der man Näheres über die Geschichte, die Führung und die Pläne der Bank erfahren kann.

Mehr Gewinn, weniger Kunden

Hier veröffentlichte das IOR seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2012. Trotz der Krise in Europa konnte die Vatikanbank ein deutliches Plus verbuchen: Der Nettogewinn beläuft sich auf 86,6 Millionen Euro, etwa viermal so viel wie in 2011. Den erstaunlichen Gewinnzuwachs führen die Finanzexperten des Instituts auf die verbesserte Situation am Markt für Staatsanleihen zurück. Denn das IOR konzentriert traditionell Großteile seiner Investitionen auf Staatspapiere.

Vom Gewinn flossen 54,7 Millionen Euro in den Haushalt des Vatikans. Auch das vom IOR verwaltete Vermögen stieg im vergangenen Jahr von 6,9 auf 7,1 Milliarden Euro – ein beachtliches Ergebnis, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Kunden zurückging: von 21.100 auf 18.900.

Das Thema Kundschaft ist für die Vatikanbank nach wie vor ein kritischer Punkt. Zwar dürfen laut Gründungsakt des Instituts ausschließlich Geistliche oder kirchliche Institutionen Kunden beim IOR werden. Doch, wie der jüngste Skandal um den ehemaligen Rechnungsprüfer der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls Nunzio Scarano zeigt, hatten auch viele nichtgeistliche ein Konto bei der Bank: Denn es reichte, eine Kontaktperson im Vatikan zu kennen, um Geld auf einem IOR-Konto anlegen zu können.

Die Mitglieder des achtköpfigen Kardinalausschusses sind auch deshalb durch die Liste der Kontoinhaber gegangen. Unterstützt werden sie von der amerikanischen Beratungsfirma Promontory. Die Untersuchungen förderte einige Unstimmigkeiten zutage. Am Montag ordnete zum Beispiel die Geschäftsführung des Instituts die Schließung der Konten einiger diplomatischer Vertretungen an: Betroffen waren iranische, indonesische und irakische Diplomaten, die nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ihre IOR-Konten für Transaktionen in Millionenhöhe genutzt haben.