Jeder achte Mensch ist nicht ausreichend ernährt, insgesamt hungern 842 Millionen Menschen weltweit. Diese Zahlen gab die Welthungerhilfe zusammen mit dem Washingtoner Food Policy Research Institute (IFPRI) bekannt. Laut deren Welthunger-Index (WHI) nimmt der Anteil der weltweit hungernden Menschen zwar auch 2013 ab – im Vergleich zu 1990 hat sich der Wert um 34 Prozent verringert –, allerdings warnen die Autoren: "Die Situation bleibt ernst."

Prekär ist es für viele Menschen in der afrikanischen Sahel-Zone. Dem Index zufolge ist die Situation in Burundi, Eritrea sowie auf den Komoren am schlechtesten. Dem gegenüber stehen Länder in Lateinamerika sowie etwa Thailand, Vietnam, China und Ghana, die zu den 23 Ländern gehören, die seit 1990 deutliche Fortschritte gemacht haben. Eine besondere Rolle spielt dabei Südasien: Dort war der Kampf gegen den Hunger am erfolgreichsten. Gleichwohl leben dort noch immer die meistern hungernden Menschen.

Nach Erkenntnissen der Welthungerhilfe und des IFPRI wird die weltweite Ernährungssituation vor allem durch drei Faktoren verschlechtert: bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen und hohe Nahrungsmittelpreise. "Für viele Familien in den gefährdeten Gebieten ist nach der Katastrophe vor der Katastrophe", sagte Barbara Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe und weist zudem auf den Klimawandel und Spekulationen auf Rohstoffe als Gründe für Hunger hin. "Es gibt nicht die eine große Ursache", so Dieckmann.

Deiche, Straßen, Impfungen

Die Welthungerhilfe fordert auch deshalb ein Umdenken in der Entwicklungsarbeit. Die Betroffenen müssten sowohl in "akuten Notsituationen" als auch angesichts "chronischer Belastungen" gestärkt werden. Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sollten besser verzahnt, die lokale Bevölkerung aktiv in die Planung und Durchführung etwa von Frühwarnsystemen einbezogen werden.

Zu solche längerfristigen Strategien gegen Dürren, Fluten und andere Katastrophen in Entwicklungsländern gehören etwa stabile Häuser, Deiche, ein gutes Straßennetz, Impfungen und bessere Anbaumethoden. Eine gentechnische Weiterentwicklung von Pflanzen und mehr Nahrungsmittel-Exporte in Hunger-Regionen sind nach Einschätzung der Hilfsorganisationen dagegen keine geeignete Lösung. Stattdessen würde so vielmehr die Abhängigkeit der Kleinbauern von großen Konzernen gestärkt.

"Nicht mit Menschenwürde vereinbar"

Von einer neuen Bundesregierung forderte die Welthungerhilfe, das Entwicklungshilfeministerium nicht abzuschaffen, sondern "seine Kompetenzen in Fragen globaler Nachhaltigkeit zu stärken". Ministerien mit ähnlichen Zuständigkeiten müssten verstärkt zusammenarbeiten. "Das gilt auch für die EU-Ebene und das gilt auch für die UN-Ebene", sagte Dieckmann. Zudem müssten die Industriestaaten den Klimawandel bremsen. Er könne in den nächsten Jahren zur tiefgreifendsten Ursache für Hunger werden.

Anlässlich der "Woche der Welthungerhilfe", die an diesem Sonntag begonnen hat, hatte auch Bundespräsident Joachim Gauck davor gewarnt, im Kampf gegen den Hunger in der Welt nachzulassen. "Noch immer stirbt heute alle zehn Sekunden ein Kind unter fünf Jahren", sagte er in einer Ansprache, die auch im Fernsehen übertragen worden war. Ein Mangel an guter Ernährung in den ersten 1.000 Tagen im Leben eines Menschen bedeute stets auch einen Mangel an Möglichkeiten im späteren Leben. "Mit der Würde des Menschen ist dies nicht vereinbar."