Brauchen wir einen umfassenden Kapazitätsmarkt? Dahinter verbirgt sich die Idee, Kraftwerksbetreiber für das Vorhalten von Kapazitäten finanziell zu entlohnen. Das ist nötig, weil der Anteil der erneuerbaren Energien immer weiter zunimmt und zugleich Kernkraftwerke vom Netz gehen. Die Frage ist, ob die derzeitigen konventionellen Kraftwerkskapazitäten flexibel genug sind, um mit volatilen erneuerbaren Energien kombiniert werden zu können. Kohlekraftwerke werden in erster Linie als Grundlastkraftwerke genutzt. Sie sind wegen längerer An- und Abfahrzeiten weniger gut kombinierbar mit schwankendem Ökostrom.

Gaskraftwerke dagegen produzieren nicht nur weniger Treibhausgase als Kohlekraftwerke, sie sind als Spitzenlastkraftwerke auch besonders flexibel. Derzeit gibt es einen deutlichen Stromüberschuss im Markt, noch immer sind zahlreiche Atomkraftwerke am Netz, es werden weitere neue Kraftwerke zusätzlich zu den erneuerbaren Energien hinzukommen.

Nicht nur wegen des Angebotsüberschusses, sondern auch aufgrund niedriger CO2- und Kohlepreise sinkt aber der Strompreis an der Börse. Aus diesem Grund werden insbesondere teure Gaskraftwerke immer unwirtschaftlicher. Auch Kohlekraftwerke werden wegen geringerer Einsatzstunden an den Rand der Rentabilität gedrängt.

Unterscheiden sollte man in der Diskussion über Kapazitätsmärkte allerdings die kurzfristige und mittelfristige Perspektive. In den kommenden Jahren wird der Strommarkt auch weiterhin durch Überkapazitäten insbesondere im Norden, Westen und Osten des Landes geprägt sein. Atomkraftwerke werden zwar sukzessive abgeschaltet und alte Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Vor allem im Süden Deutschlands wird der Bedarf nach Ersatzkapazitäten besonders hoch sein. Aus diesem Grund prüft die Bundesnetzagentur genau, ob so genannte systemrelevante Kraftwerke überhaupt vom Netz genommen werden dürfen.

Der Markt liefert ausreichend Preissignale für Investoren

Mittelfristig werden aber vermehrt flexible Kraftwerke benötigt, welche immer weniger Stunden im Jahr im Einsatz sein werden. Genau hier stellt sich die Frage, ob nicht der Markt selbst ausreichende Signale liefern kann, um genügend Investitionsanreize in eben solche Kraftwerke zu liefern. Mit der Abnahme von Überkapazitäten werden erwartungsgemäß zunehmend Preissprünge an der Börse auftreten – sofern sie nicht reglementiert werden. Derartige Preissprünge können durchaus ausreichende Marktsignale für den Einsatz von flexiblen Kraftwerkskapazitäten liefern. Auch würde durch einen deutlich höheren CO2-Preis der Börsenpreis tendenziell steigen, der Einsatz von Gaskraftwerken somit wieder wirtschaftlicher werden. Brauchen wir also neben den herkömmlichen Marktsignalen weitere Anreizmechanismen?