Herman Rosa Chávez sucht nach Verbündeten. Am Dienstag hat er sich auf dem Warschauer Klimagipfel mit Ban Ki Moon getroffen, bei einer Versammlung der Gruppe der G-77-Staaten. Der UN-Generalsekretär könnte zu einem werden, hofft Chávez. "Auf diesem Gipfel muss ein robustes Verfahren für den Umgang mit Klimaschäden beschlossen werden", sagt er. "Ich habe Ban gebeten, sich dafür einzusetzen."

Herman Rosa Chávez ist Umweltminister von El Salvador, einem kleinen Land in Mittelamerika, eingeklemmt zwischen Honduras, Guatemala und dem Pazifik. Länder wie El Salvador spüren die Folgen der Erderwärmung schon jetzt. Doch auf den Klimagipfeln haben sie es besonders schwer. In Warschau zählt die Delegation von El Salvador zwölf Mitglieder. Die Deutschen hingegen sind mit 90 Personen angereist.

Die großen Staaten bestimmen die Agenda – die kleinen müssen sich Verbündete suchen, um dagegen anzukommen. Das weiß auch Chávez. Er hat schon viele Klimagipfel erlebt. 2009 war er beim Debakel von Kopenhagen dabei, als die Klimakonferenz an den hohen Erwartungen scheiterte. Es folgten Gipfel der kleinen Schritte, Cancún, Durban und Doha. Chávez war immer präsent. In Warschau geht es für ihn vor allem um Geld.

Kein Vertrag ohne Geld

Warum das so ist, zeigt ein Schaubild, das der Minister aus seiner Aktentasche zieht: blaue und braune Balken in einem dreidimensionalen Koordinatensystem. Sie symbolisieren alle zerstörerisch starke Regenfälle, die El Salvador zwischen 1961 und 2011 erlebt hat, ausgelöst durch Zyklone oder Tiefdruckgebiete. "In den sechziger und siebziger Jahren traten solche Starkregen nur einmal im Jahrzehnt auf und sie kamen immer vom Atlantik", sagt der Minister. "Dann wurden es mehr. Und seit 1982 schickt auch der Pazifik seine Sturmtiefs."

Das schlimmste Tief kam vor zwei Jahren vom Pazifik. Damals regnete es zehn Tage lang so stark, dass Flüsse über die Ufer traten, Hänge abrutschten, Brücken beschädigt und Ernten zerstört wurden. In Chávez' Grafik ist es ein langer, blauer Balken zu sehen. Er steht für Chávez' wichtigste Botschaft in Warschau: Wenn im Jahr 2015 in Paris das wichtigste Ziel der UN-Klimaverhandlungen beschlossen werden soll – ein umfassender, alle Staaten bindender Vertrag – dann muss Geld fließen.

Es klingt wie ein schnöder Handel. Aber für den Minister geht es um Gerechtigkeit. "Wir müssen die Chance haben, die Verluste und Schäden zu reparieren, die uns durch den Klimawandel zugefügt werden", sagt er. Humanitäre Hilfe im Katastrophenfall sei schön und gut. Aber sie reiche nicht aus. "Wir müssen investieren können, um uns auf künftige Katastrophen vorzubereiten. Die zehn Tage Regen im Oktober 2011 haben uns vier Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts gekostet. Und wir wissen, in Zukunft wird es noch schlimmer."