Es ist eine denkwürdige Pressekonferenz auf dem Warschauer Klimagipfel. Normale Pressekonferenzen sollen Botschaften in die Welt senden, möglichst laut und deutlich. Hier aber kann man weder sehen, wer spricht, noch verstehen, was gesagt wird. Die Journalisten drängen sich nicht in einem offiziellen Pressekonferenzraum mit Mikrofonen und Lautsprechern, sondern in einer nach oben offenen Halle im Erdgeschoss des Nationalstadions, zwischen Rolltreppen und Glaswänden. Die keinen Platz finden, versuchen aus einer Galerie im ersten Stock einen Blick zu erhaschen. Im Pulk aus Körpern, Kameras und Mikrofongalgen sind die Sprecher nicht zu erkennen.

Wer auffällt, sind viele Leute in weißen T-Shirts. Über ihrer Brust sind Zettel festgetackert mit dem Aufdruck "#COP19 polluters talk – we walk", frei übersetzt: "Auf dem Klimagipfel reden die Klimasünder. Wir machen da nicht mit." Auf ihren Rücken prangt die Ankündigung: "#volveremos – we will be back". Zum nächsten Gipfel in Peru werde man zurück sein.

Damit ist, auch ohne Mikrofone, alles gesagt. Die Pressekonferenz ist ein politisches Zeichen der großen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen und des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Sie haben am vorletzten Tag der Warschauer Klimaverhandlungen beschlossen, den Gipfel unter Protest zu verlassen. Die Konferenz sei eine "Farce" und zu einem "Zirkus" verkommen, erklärt der WWF. Die Regierungen nähmen den Klimagipfel nicht mehr ernst. Deshalb sei man zum Protestauszug gezwungen.

Mitten im Gewühl leuchtet neongelb ein Riese in einer Regenjacke: Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Er findet starke Worte. Die Untätigkeit der Regierungen lasse den Verbänden "keine andere Wahl", als die noch verbleibenden Verhandlungstage zu boykottieren.

"Die fossile Industrie hat die Klimakonferenz in Warschau okkupiert." Sie mache dadurch den Klimaschutz unmöglich, kritisiert Weiger. Auch die deutsche Regierung lasse sich inzwischen "fast ausschließlich von den Interessen der großen fossilen Energieunternehmen leiten".

Der Protestauszug ist ein starkes Signal. Zwar boykottieren nicht alle Organisationen die Verhandlungen – Misereor, Brot für die Welt und Germanwatch bleiben –, aber die größten. In der Geschichte der Klimagipfel hat es so etwas noch nie gegeben.

Umweltschützer, Kirchen und Menschenrechtler saßen von Anfang an mit am Verhandlungstisch. Sie waren Beobachter, Lobbyisten oder sogar Teil der staatlichen Verhandlungsparteien. In manchen Regierungsdelegationen des Warschauer Gipfels stellen die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen die Mehrheit der Mitglieder und geben wertvollen Input.