Ein Rekordausstoß von Kohlendioxid, aber auch Hoffnung auf ein Umsteuern zugunsten des Klimas – das ist die Bilanz des aktuellen Klimaschutzindexes, den die Organisation Germanwatch vorgestellt hat. 

Demnach hat China, das weltweit das meiste Kohlendioxid verbreitet, seine Schadstoffemissionen im Vergleich zum Vorjahr verringert, hieß es bei der Vorstellung des Berichts auf der UN-Klimakonferenz in Warschau. Chinas Investitionen in Erneuerbare Energien gäben Hoffnung auf ein Umdenken. Dies gelte auch für die Debatte um die Verwendung von Kohle angesichts des schweren Smog-Problems in den chinesischen Großstädten. 

Von Entwarnung kann allerdings keine Rede sein: "Wir brauchen Umkehr in der Energie- und Klimapolitik der Schlüsselländer, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern", heißt es in der Studie. Verbindliche Regelungen seien unabdingbar, ein internationales Klimaabkommen bis 2015 zwingend notwendig.

Denn insgesamt konstatiert die Organisation einen neuen Rekordausstoß an Kohlendioxid weltweit. Die Autoren gehen jedoch davon aus, dass im Jahr 2020 der Höchststand erreicht sein könnte. Denn nicht nur China denke um, auch in den USA – dem zweitgrößten Verbreiter von Kohlendioxid – sei eine Abkehr von der Kohle zu beobachten. Ebenso würden Weltbank und diverse Entwicklungsbanken darüber nachdenken, neue Kohleprojekte künftig nicht mehr zu finanzieren.

Germanwatch will mit dem Klimaschutzindex mehr Transparenz in die internationale Klimapolitik bringen. Anhand einheitlicher Kriterien werden darin die Klimaschutzleistungen von 58 Staaten, die zusammen für mehr als 90 Prozent des globalen energiebedingten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind, evaluiert und miteinander verglichen.    

Deutschland ist erstmals nicht mehr unter den Top Ten vertreten und sank von Platz 8 auf Platz 19.  Daran sei vor allem die Blockadepolitik Deutschlands beim Thema Emissionshandel und Autoabgasen schuld, sagte Wendel Trio vom Klimanetzwerk Europa. Deutschland habe im vergangenen Jahr eine "wenig konstruktive Rolle" in der europäischen Energiedebatte gespielt, rügten die Experten. Die Regierung kritisierten sie zudem dafür, die eigene Energiewende zu blockieren.

Schlechteste Bewertung in der EU erhält Polen

Polen belegt auf dem Index nur einen Platz vor China auf Rang 45. Der Gastgeber der Klimakonferenz verzeichnet bei seinem CO2-Ausstoß wie auch bei der Verwendung erneuerbarer Energien das schlechteste Ergebnis aller EU-Staaten. 

Die EU insgesamt habe ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz aufgegeben, heißt es. Im Bereich Energieeffizienz allerdings sind die europäischen Staaten, ergänzt um Neuseeland, in der Spitzengruppe fast unter sich. Dänemark, Großbritannien und Portugal nahmen die Spitzenplätze des Klimaschutzindex ein. Das Beispiel Portugals zeige, dass es möglich sei, die Wirtschaftskrise und die Klimakrise gleichzeitig in Angriff zu nehmen, sagte Trio. In der Klimapolitik ständen die EU-Staaten derzeit aber still. 

Kein einziges Land erreichte die Wertung "sehr gut". China und Russland, aber auch Kanada, gehören weiterhin zu den großen Klimasündern. Auch Luxemburg, Saudi-Arabien und die USA müssten noch weitaus größere Fortschritte erzielen, um ihre schwache Klimaschutzleistung zu verbessern, hieß es.