Bevor Artur Wieczorek hauptberuflicher Klimaschützer wurde, hatte er einen auskömmlichen Job bei einer Personalvermittlungsfirma – und war "zu Tode gelangweilt", wie er sagt. Wieczorek wollte etwas Sinnvolles mit seinem Leben machen. Er kündigte. Seither engagiert er sich als Klimaretter.

Es klingt pathetisch, aber dem 27-jährigen Wieczorek geht es um die ganz großen Fragen des Lebens. Er hat einen Masterabschluss in Entwicklungspolitik und lange als Trainer für Entwicklungsfragen gearbeitet. Zu seinen Kunden zählten Amnesty International, Missionsgruppen und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Zum Klimaschutz kam er, "weil es das größte Entwicklungsthema überhaupt ist", sagt er. "Die Industriestaaten haben die Erderwärmung verursacht, aber unter den Folgen leiden vor allem die Ärmsten."

Für Wieczorek ist die Sache klar: Im Klimaschutz geht es zuallererst um globale Gerechtigkeit. Für diese große Sache muss man auch persönliche Opfer bringen.

Mit seiner Haltung gehört er zu einer Minderheit – gerade im Kohleland Polen. Für die meisten seiner Landsleute hat das Klima und dessen Schutz keine größere Bedeutung. Wieczorek ist auch Kulturanthropologe. Er kennt die Mentalität der Polen genau: "Wir lieben es, zu jammern", sagt er. "Man sollte deshalb nie einen Polen fragen, wie es ihm geht." Sich selbst schließt er ausdrücklich mit ein. "Wir jammern gemeinsam. Das hat etwas Verbindendes."

Wenig Interesse am Ausland

Die meisten Polen achteten gar nicht darauf, was im Ausland passiere, sagt der Aktivist. Viele glaubten nicht an den Klimawandel, und die es doch täten, hielten die Sache nicht für dringlich. "Die Folgen der Erderwärmung sind hier noch nicht zu spüren", erklärt Wieczorek. "Deshalb glauben die Leute nicht, dass sie sich darum kümmern müssten."

In Ländern, in denen die Öffentlichkeit so tickt, haben Klima-Aktivisten einen schlechten Stand – und kaum Ressourcen. Finanziell ist Wieczorek heute schlechter dran als früher, obwohl er viel mehr arbeitet. Im August zum Beispiel organisierte er für einen Kongress. "Ich hatte Zwölf- bis Vierzehn-Stunden Tage, sieben Tage die Woche, mehr als zwei Wochen lang", erinnert er sich. "Danach wurde ich krank." Trotzdem glaubt er, dass sein Einsatz richtig ist: "Ich habe eine Verantwortung", sagt er. "Und ich arbeite für eine sinnvolle Sache."

Im Moment hält er sich mit mehreren Jobs über Wasser. Langfristig sicher sind sie alle nicht: Als freischaffender Trainer nimmt Wieczorek Aufträge von Umweltorganisationen an. In seinen Workshops will er jungen Leuten zeigen, "dass das Klima wirklich wichtig ist". Für die der deutschen Grünen-Partei nahe stehende Böll-Stiftung bereitet er den Klimagipfel in Warschau vor, der am kommenden Montag beginnt. Zudem ist er Generalsekretär der Grünen Partei Polens. Das Amt ist auf zwei Jahre befristet, danach muss sich Wieczorek wieder zur Wahl stellen.

Ohne die unbezahlte Arbeit von Freiwilligen könnten Umweltorganisationen und seine Partei in Polen kaum funktionieren, sagt Wieczorek. "Wir sind sehr arm, und müssen sehr genau darauf achten, wofür wir unsere Mittel ausgeben."

Auch über das Finanzielle hinaus muss ein Mitarbeiter der Grünen in Polen leidensfähig sein. Die meisten Wähler kennen die Partei gar nicht. Seit zehn Jahren gibt es die Grünen schon, aber in Wahlen holen sie immer noch regelmäßig weniger als ein Prozent der Stimmen. Manchmal rufen Leute bei Wieczorek im Büro an und bitten, er möge sich um die kranken Bäume vor ihrem Haus kümmern. Sie wollen, dass er Tiere beschützt, oder dass er endlich etwas gegen den Nachbarn unternimmt, der mit dem Auto immer wieder durch ihre Blumenbeete pflügt.