Die größte US-Bank JPMorgan Chase zahlt zur Beilegung eines zivilrechtlichen Verfahrens wegen dubioser Hypothekengeschäfte die Rekordsumme von 13 Milliarden Dollar (rund 9,6 Milliarden Euro). Im Gegenzug für den nun bestätigten Vergleich stellen die Behörden mehrere Ermittlungen und Verfahren gegen die Bank ein. Mitarbeiter der Bank hätten regelmäßig und wissentlich Produkte an Investoren verkauft, die von schlechterer Qualität gewesen seien als angegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Gegen andere US-Banken laufen ähnliche Ermittlungen.

"Ohne Zweifel hat das hier aufgedeckte Verhalten dazu beigetragen, die Saat für den Kollaps an den Hypothekenmärkten zu legen", sagte Justizminister Eric Holder. JPMorgan sei nicht die einzige Bank gewesen, "die wissentlich toxische Kredite gebündelt und sie ahnungslosen Investoren verkauft hat, was aber keine Entschuldigung für das Verhalten der Firma ist". 

JPMorgan und andere Geldhäuser hatten faule Immobilienkredite gebündelt und als Anleihemodelle veräußert. Als die Immobilienblase in den USA platzte, löste dies 2006 und 2007 in den USA und weltweit eine schwere Rezession und eine Finanzkrise aus. Viele Banken gerieten in Schwierigkeiten und mussten vom Staat gestützt werden. Auch deshalb steht die US-Regierung unter Druck, Banken für ihr Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen. Der Vergleich mit JPMorgan könnte ein Präzedenzfall für die Behandlung anderer Geldinstitute sein.  

Günstige Kredite für geschädigte Hausbesitzer

Die Einigung stellt den 4,5 Milliarden Dollar teuren Vergleich in den Schatten, den der britische Ölkonzern BP wegen der Havarie der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko geschlossen hatte. Von der Rekordsumme kommt ein Teil geschädigten Hauseigentümern und Investoren zugute. Vier Milliarden Dollar gehen indirekt etwa in Form günstiger Kredite an Hausbesitzer, sechs Milliarden an Anleger. Eine Milliarde Dollar gehen an den Staat New York, zwei Milliarden sind Zivilstrafen, die an die Bundesregierung zu zahlen sind.

Der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan, Jamie Dimon, zeigte sich über den Abschluss des zivilrechtlichen Verfahrens befriedigt. Allerdings könnten noch strafrechtliche Verfahren, insbesondere gegen einzelne Bankmitarbeiter, folgen. Im kalifornischen Sacramento teilte Bundesanwalt Benjamin Wagner mit, dass entsprechende Ermittlungen liefen. Die zivilrechtliche Einigung sei "symptomatisch für die Rücksichtlosigkeit an der Wall Street".

In der vergangenen Woche hatte sich JP Morgan wegen fragwürdiger Hypothekengeschäfte zu einer Vergleichszahlung von 4,5 Milliarden Dollar an 21 Großanleger bereit erklärt.