Sojabohnenernte in Mato Grosso, Brasilien © Yasuyoshi Chiba/AFP/Getty Images

Zum Beispiel Taifun: Das Unternehmen aus Freiburg kommt mit der Produktion kaum hinterher. Vor allem Räucher-Tofu und Natur-Tofu verlangen die Kunden im Moment. Die Nachfrage steigt schnell. Allein im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz um 13 Prozent, auf insgesamt 21 Millionen Euro. 200 Mitarbeiter beschäftigt Taifun. Das Unternehmen ist heute nach eigenen Angaben der größte Hersteller von Bio-Tofu in Europa.  

Firmen wie Taifun oder Tofu-Town sind Teil einer kleinen, aber schnell wachsenden Branche. Sie haben sich auf vegetarische und vegane Produkte spezialisiert – und profitieren von den neuen Essgewohnheiten der Deutschen. Die Zahl der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren steigt seit Jahren. Viele Veganer essen Produkte auf Soja-Basis, etwa Tofu. Manche weil sie das Geschmackserlebnis von Fleischwurst nicht missen wollen, andere weil die Produkte proteinhaltig sind.  


Die Folge dieser Entwicklung: Die Nachfrage nach Sojabohnen nimmt zu und damit auch die Kritik am Anbau der Pflanzen. In Südamerika werden für Soja-Plantagen große Flächen an Regenwald gerodet. Der Welt geht damit einer der wichtigsten CO2-Speicher verloren. Allein Deutschland importierte im Jahr 2012 rund 3,4 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot. Schaden Veganer also letztlich dem Klima und der Umwelt, wenn sie statt Fleisch viel Soja essen?

Eher nicht. Denn das Soja, das nach Deutschland importiert wird, landet nur in den seltensten Fällen in der Tofuwurst. Die Universität Illinois hat zuletzt in einer Studie für die US-Regierung ausgerechnet: Rund 98 Prozent des weltweit angebauten Sojas wird zur Tierfütterung verwendet. Lediglich zwei Prozent werden zu Lebensmitteln. "Der Vorwurf, dass Vegetarier mit ihren Tofuwienern den Regenwald schädigen, ist haltlos", argumentiert Andreas Grabolle, Autor der Vegetarierbibel "Kein Fleisch macht glücklich". 

Der weltweite Anbau und Handel von Soja ist deshalb nicht gleich unproblematisch. Der Großteil der Bohnen ist mittlerweile gentechnisch verändert. Vor allem Großbauern nutzen Gen-Soja, weil es sich unkomplizierter anbauen lässt und höhere Erträge bringt. Umweltschützer warnen vor den Folgen. Die Bauern, so ihr Vorwurf, machten sich abhängig von Patenten und von Herstellern, die das genveränderte Saatgut und die nötigen Pestizide monopolartig vermarkten. Alte, regionale Saatgutsorten würden zunehmend verdrängt. Allein in Brasilien gelten nach Angaben des Zertifizierungsspezialisten Cert-ID mehr als drei Viertel der angebauten Mengen als gentechnisch verändert.

Viele Kleinbauern in Südamerika leiden zudem unter dem Preisdruck, der durch die Massenproduktion von Soja entstanden ist. "Die Ernährungssicherheit für die ländliche Bevölkerung verschlechtert sich", sagt Christoph Then von der gentestkritischen Beratungsfirma Test Biotech. "Boden und Wasser werden mit Pestiziden verseucht." Hinzu kommt die schlechte Klimabilanz. Damit Mais oder Soja angebaut werden können, wird im großen Stile Grünland umgebrochen. Dabei allerdings entweicht jede Menge CO2. Auch die Artenvielfalt leidet.   

Dennoch: Wer als Veganer hin und wieder Soja ist, schadet dem Klima immer noch weit weniger als ein Fleischesser. Das zeigt nicht zuletzt ein einfacher Vergleich. Aus einem Kilo Sojabohnen lassen sich rund zwei Kilogramm Tofu herstellen. Setzt man die gleiche Menge Soja als Kraftfutter in der Schweinemast ein, sind die produzierten Mengen mickrig: gerade einmal 300 Gramm Schweinefleisch sind möglich. Das Schwein verbraucht eben auch selbst Energie. Und natürlich ernährt es sich nicht komplett nur von Soja.

Hinzu kommt: Auch wenn der deutsche Verbraucher es nicht will – am Ende werden Milchkühe und Rinder auch mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert. Denn bisher gibt es zwar eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die mehr als 0,1 Prozent gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Diese Regel gilt aber nicht für Produkte von Tieren, die Gen-Futter gefressen haben. Fleisch, Milch und Eier müssen nicht ausgezeichnet werden.