Deutschlands Stromkunden werden im kommenden Jahr vorerst etwas entlastet: Die Preise steigen Anfang 2014 deutlich moderater als im Vorjahr, um durchschnittlich gut drei Prozent. Viele Versorger halten sie trotz der erneut stark erhöhten Ökostrom-Umlage erst einmal konstant. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Internet-Vergleichsportalen. Grund sind die niedrigen Strombeschaffungskosten an der Börse, die viele Versorger zunehmend an die Kunden weitergeben. Zudem stagnieren vielfach die Netzentgelte

"Das bringt Druck in den Markt: Wer jetzt noch erhöhen will, muss das sehr gut begründen", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. "Sonst kriegt er den Wechsel seines Kunden zur Konkurrenz als Denkzettel." Experten erwarten allerdings, dass einige Versorger im Laufe des Jahres die Preise noch erhöhen.

Nur knapp ein Fünftel der rund 1.000 deutschen Versorger erhöhten voraussichtlich zum Jahresbeginn, sagte eine Sprecherin des Vergleichsportals Verivox. Bis Freitagmittag hatte das Portal 104 Preiserhöhungsankündigungen um durchschnittlich 3,2 Prozent für das nächste Jahr registriert. Ähnliche Werte verzeichnen Check 24 (110 Versorger um 3,35 Prozent) und TopTarif (104 Erhöhungen um 3,1 Prozent). Preiserhöhungen für Anfang des kommenden Jahres müssen sechs Wochen vorher angekündigt werden.

2013 waren die Preise fast flächendeckend noch um durchschnittlich zwölf Prozent gestiegen. Die Durchschnittsstromkosten 2013 für eine vierköpfige Familie lagen nach Erhebungen im Schnitt aller Anbieter bei 1.111 Euro.

Der moderate Preisanstieg ist aus Sicht von Fachleuten bemerkenswert, weil die EEG-Umlage erneut stark von knapp 5,3 auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde erhöht wurde. Der zweite große Posten, die Netzentgelte für den Transport des Stroms, wachsen nach einer Prognose des Branchendienstleisters Enet bei sehr starken regionalen Unterschieden nur leicht um 2,9 Prozent oder 0,18 Cent pro Kilowattstunde. Andere Beobachter sehen sie stagnieren.

Zugleich fällt seit Mitte 2011 der Börsenstrompreis kontinuierlich. Wie stark die Versorger davon profitieren, hängt davon ab, ob sie langfristig Jahre vorher eingekauft haben oder auf den kurzfristigen Spotmarkt setzen.

Wie lange die Versorger die Preise niedrig halten, ist unsicher. Branchenexperten erwarten Erhöhungen zur zweiten Jahreshälfte. "Im Juni ist Fußball-WM, da sitzt ganz Deutschland vor dem Fernseher und keiner hat Lust, zum Rechner zu gehen, um sich einen neuen Anbieter zu suchen", meint ein Branchenkenner. "Da kommen die Erhöhungen."