Es scheint unvermeidlich, dass Twitter jetzt mit den jungen Firmen verglichen wird, die während der Jahrtausendwende am Neuen Markt scheiterten. Das New Yorker Bewertungshaus Rapid Ratings hat sich sogar die Mühe gemacht, das Börsenprofil der Firma mit den Unternehmen von damals zu vergleichen. Das Ergebnis: Twitter ähnele den einstigen Dot-Com-Firmen zu 92 Prozent. Der Börsengang erinnere "mehr an die Dot-Com-Ära als andere Börsengänge in 2012 und 2013", urteilt die Ratingagentur.

An diesem Donnerstag sollen die Aktien von Twitter erstmals unter dem Symbol "TWT" gehandelt werden. Es ist das wichtigste Börsenereignis in New York seit dem Debüt von Facebook im Frühjahr 2012. Der Börsenstart des sozialen Netzwerks ging damals gründlich daneben. Kritiker warnen, dass Twitter das gleiche Schicksal drohen könnte. Das Unternehmen sei noch nicht reif genug. Twitter macht auch nach sieben Jahren noch immer keinen Gewinn.

Trotzdem ist das Interesse an den Aktientiteln enorm. Der Hype hat den Ausgabepreis auf 26 Dollar hinaufgetrieben – und damit die Gesamtbewertung des Unternehmens auf 18,1 Milliarden Dollar. Ursprünglich lag die angepeilte Preisspanne einmal bei 17 bis 20 Dollar pro Papier. Die Preisfindung für das noch recht junge Unternehmen war keinesfalls leicht. Nun muss der Markt entscheiden, was Twitter wert ist.

"Viele denken, es wird schon gutgehen, weil Facebook sich schließlich auch erholt hat", sagt Finanzexperte Ian D'Souza von der New York University Stern School of Business. Der Aktienkurs des sozialen Netzwerks war in den ersten drei Monaten um knapp die Hälfte des Ausgabepreises von 38 Dollar eingebrochen. Mittlerweile steht der Kurs aber bei knapp 50 Dollar. "Beide Unternehmen werden zusammen in einen Topf geworfen: 'Sozial und mobil'. Das ist das neue Dotcom." Der Optimismus sei – ähnlich wie zu Zeiten der Internet-Blase um die Jahrtausendwende – weniger von Fundamentaldaten als von Eigendynamik getrieben, warnt D'Souza.

Anders als Facebook hat sich Twitter bemüht, den Hype um den Börsengang in Grenzen zu halten. Das Unternehmen reichte die notwendigen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein, nannte von sich aus zahlreiche Risikofaktoren und wählte als geeignete Börse die traditionelle New York Stock Exchange statt der Tech-Börse Nasdaq, die mit einer technischen Panne zu Facebooks Flop beigetragen hatte. Goldman Sachs wird den Börsengang betreuen. "Auch die Institute haben gelernt, die Sache ruhiger anzugehen und den Hype zu minimieren statt anzufeuern", sagt Wirtschaftswissenschaftler D‘Souza.

Nicht zuletzt die Investoren selbst zeigten sich im Vorfeld etwas vorsichtiger. Eine Umfrage der US-Nachrichtenagentur AP und des Finanzsenders CNBC ergab, dass nur 19 Prozent der befragten Anleger Twitter gegenüber positiv eingestellt waren – während Facebook immerhin knapp die Hälfte auf seiner Seite hatte. Jeder Zweite lehnte einen Kauf der Twitter-Aktien ganz ab, bei Facebook waren es vor dem Börsendebüt lediglich 31 Prozent.