Zum ersten Mal seit 1995 hat das Land wieder mehr Erdöl gefördert als eingeführt. Die heimische Ölproduktion befand sich vergangenen Monat auf dem höchsten Stand seit 24 Jahren, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Die Ölimporte seien dagegen auf dem tiefsten Stand seit 17 Jahren. Diesen "Meilenstein" verdanke die Industrie auch neuen Richtlinien der US-Regierung.

Die Zunahme der heimischen Ölförderung gehe zum Beispiel auf neue Techniken wie das umstrittene Fracking zurück, teilte das Weiße Haus mit. Zudem sei es gelungen, Hersteller durch Auflagen dazu zu bringen, Autos mit einem niedrigeren Verbrauch zu produzieren. Die Produktion von Biosprit habe sich seit 1995 verzehnfacht, was zu weniger Rohölverbrauch im Transportwesen geführt habe.

Bereits am Dienstag hatte die Internationale Energieagentur (IEA) mitgeteilt, dass die USA bereits 2015  – und damit ein Jahr früher als zunächst erwartet – die Rolle des weltweit größten Erdölproduzenten übernehmen. In den nächsten 15 bis 20 Jahren könnten sich die USA von Importen ganz unabhängig machen. Damit dürfte auch die bisherige Abhängigkeit des Landes von den Energielieferungen aus den arabischen Golfstaaten Vergangenheit sein, was auch politische Folgen haben könnte.

In Deutschland haben sich Union und SPD bei den Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, die Förderung mittels Fracking so lange zu untersagen, bis klar ist, ob die Methode das Grundwasser gefährdet. Die Umweltschutzorganisation Bund fordert ein generelles Verbot wegen Gefahren für das Grund- und Trinkwasser. Das Potenzial an per Fracking förderbarem Gas in Deutschland reiche ohnehin nur für rund 13 Jahre, erklärte Bund-Expertin Claudia Baitinger im Sommer. Das rechtfertige die nötigen hohen Investitionen nicht. Befürworter der Fracking-Methode halten die geäußerten Vorbehalte für übertrieben.