In den kommenden zwei Wochen beraten Vertreter von Industriestaaten, Schwellenländern und vom Klimawandel unmittelbar gefährdete Nationen im polnischen Warschau über die Grundlagen eines neuen weltweiten Vertrags zum Klimaschutz. Dieser soll bis 2015 ausgehandelt werden.

Die Unterhändler stehen vor zahlreichen Hürden. Dabei geht es beispielsweise um Geld, das armen Ländern helfen soll, auf saubere Energiequellen umzusteigen und sich an Klimaveränderungen anzupassen, die Auswirkungen auf Landwirtschaft, Zugang zu Trinkwasser und die Verbreitung von Krankheiten haben könnten. Streit gibt es auch um die Forderung kleiner Inselstaaten und anderer bedrohter Länder nach einer Entschädigung für die Schäden des Klimawandels in Folge von ansteigendem Meeresspiegel und Dürren.

Auf Kritik stieß bei Klimaaktivisten zudem, dass Polen – ein stark von klimaschädlicher Kohle abhängiges Land – Gastgeber der Gespräche ist und dort gleichzeitig eine Kohlekonferenz abgehalten wird. Und bei einer Klimakonferenz in Katar im vergangenen Jahr entbrannte ein heftiger Streit über Verfahrensfragen, der noch nicht gelöst ist und der auch die Gespräche in Warschau überschatten könnte.

Todd Stern, der US-Gesandte auf der Klimakonferenz, sprach dennoch von einer "historischen Chance" in Warschau. "Wir wollen Fortschritte", betonte er vor Journalisten in Washington. Anders als bei vorangegangenen Klimakonferenzen sei ein gemeinsamer Wille zur Veränderung zu spüren, etwa in stärkerer Zusammenarbeit zwischen den USA und China. "China unternimmt große Anstrengungen zur Verringerung der Kohle-Emissionen. Das macht Mut", sagte Stern.

USA und China gefordert

Lange Zeit galten die USA als größter Bremser auf dem Weg zu einem neuen Klimaabkommen. Sie waren der einzige Industriestaat, der dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz von 1997 nicht beigetreten war. Erst unter dem jetzigen Präsidenten Barack Obama schlug das Land eine andere Richtung ein. Die Regierung legte niedrigere Werte für den Treibstoffverbrauch von Fahrzeugen fest, leitete eine Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden in Bundesbesitz ein, investierte in alternative Energien und schrieb eine Verringerung des Schadstoffausstoßes von Kraftwerken vor.

Zwar sind viele Staaten der Ansicht, dass die USA noch deutlich mehr tun könnten, doch steht inzwischen verstärkt China am Pranger, das Land mit dem weltweit größten Ausstoß an Kohlendioxid. Peking wiederum verweist auf die historische Verantwortung des Westens, der seit Beginn der industriellen Revolution Anfang des 18. Jahrhunderts in Großbritannien Unmengen von Kohlendioxid in die Atomsphäre pumpte. Doch dieses Argument verliert an Gewicht, je stärker die chinesischen Emissionen steigen.

Mehr Tempo, mehr Entschlossenheit

Noch vor Beginn der Beratungen mahnte Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms (Unep), eindringlich zu mehr Tempo in der Klimapolitik. "Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen, aber die Geschwindigkeit, mit der wir vorangehen, reicht vorn und hinten nicht", sagte er dem Sender NDR Info. "Die Lücke zwischen Handeln und Ziel wird immer größer, das heißt, wir bewegen uns noch immer in die falsche Richtung", fügte er hinzu.

Als "extrem schleppend" kritisierte auch Stefan Rahmstorf die Klimaverhandlungen. Selbst wenn wie geplant ein Abkommen bis 2015 stehe und 2020 in Kraft trete, so der Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, wäre dies wahrscheinlich zu spät, um den Anstieg der Durchschnittstemperatur auf ein beherrschbares Maß von zwei Grad zu begrenzen. "Deswegen ist es ja so wichtig, dass einzelne Staaten entschlossen vorangehen, wie zum Beispiel Deutschland mit der Energiewende", sagte er im ZDF. In dem "Wettlauf gegen die Zeit" scheine aber "die richtige Entschlossenheit und Dringlichkeit" in der "Politik zu fehlen, auch in Deutschland".

Vorreiter Deutschland

Dennoch wünscht sich auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine aktive Rolle der deutschen Delegation. "Deutschland muss in Warschau wieder Handlungsfähigkeit beweisen, selbst wenn wir noch keine neue Regierung haben", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Das Beste wäre, Bundeskanzlerin Angela Merkel fährt nach Warschau und erklärt, dass unser Land seine Blockaden beim Klimaschutz aufgibt." 

Grundsätzlicher war zuvor bereits Kofi Annan geworden. "Letztendlich geht es ums Überleben", warnte der frühere UN-Generalsekretär bereits am Wochenende in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Ich weiß, dass viele daran zweifeln, aber der Klimawandel ist da, und kein Land, reich oder arm, kann den Folgen ausweichen", betonte der Friedensnobelpreisträger. Die Erderwärmung werde von vielen Menschen unterschätzt. Auch die "bedenkenlose Ausbeutung der Ressourcen" müsse gestoppt werden.