Ausgerechnet ein deutscher Waffenhersteller könnte in den USA die Debatte über schärfere Waffengesetze neu beleben. Die Münchner Firma Armatix steht kurz davor, ihre Kleinkaliberpistole iP1 auf den amerikanischen Markt zu bringen. Das Modell funktioniert nur gemeinsam mit einer Armbanduhr, die nach Eingabe eines Codes ein Signal sendet und die Waffe entsperrt. Das soll Missbrauch nahezu unmöglich machen. In Europa ist die Waffe schon zu haben, noch in diesem Jahr wollen die Bayern den Sprung auf den zwölf Milliarden Dollar schweren US-Markt wagen.

Für Nicola Bocour von der New Jersey Antiwaffen-Organisation Ceasefire NJ in New Jerseywäre das eine Revolution. "Das könnte die Wende bringen", sagt Bocour. Denn in dem Bundesstaat wartet man seit mehr als einem Jahrzehnt auf eine solche Waffe. Bereits 2002 hat New Jersey ein Gesetz verabschiedet, das Armatix bald zum Monopolisten machen könnte: Sobald eine Technologie verfügbar sei, die den unbefugten Gebrauch einer Waffe erschwere, heißt es in einem Gesetzestext, dürften nur noch Modelle dieses Typs verkauft werden. Sollte der US-Start der iP1 erfolgreich sein, müssten innerhalb von drei Jahren alle neu verkauften Waffen in dem Bundesstaat mit dem System ausgestattet sein.

iP1 kommt zu einem Zeitpunkt auf den Markt, zu dem strengere Waffengesetze in den USA kaum mehr ein Thema sind. Dabei ist erst ein Jahr vergangen, seitdem der 20-jährige Adam Lanza in der Kleinstadt Newton in Connecticut ein Massaker anrichtete. Er tötete 28 Menschen – darunter 20 Kinder. Eine Diskussion über den leichtfertigen Umgang der Amerikaner mit Waffen entbrannte, schließlich starben allein im Jahr 2010 in den USA mehr als 31.000 Menschen an den Folgen einer Handfeuerwaffe, mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Das Land stritt über schärfere Waffengesetze, Präsident Barack Obama widmete dem Thema einen beachtlichen Teil seiner Rede zur Lage der Nation.

Doch von der Aufruhr ist wenig geblieben. Der Prozentsatz der Amerikaner, die strengere Kontrollen fordern, ging in den vergangenen Monaten um zehn Prozentpunkte zurück. Noch nicht einmal die Hälfte aller Amerikaner (49 Prozent) befürwortet in diesen Tagen strengere Gesetze. Alle Versuche Obamas, den Zugang zu Waffen zu erschweren, wurden vom Kongress abgeschmettert.

Es ist vor allem die mächtige Waffenlobby in den USA, die gegen die sogenannten personalisierten Waffen wie die iP1 wettert. "Wir sind gegen jedes Mandat der Regierung, das solche Technologien zur einzigen Option machen würde", formuliert es die industrienahe National Shooting Sports Foundation (NSSF) umständlich in einer Stellungnahme.

Zwar befürworte man grundsätzlich die Entwicklung von Waffen, die Missbrauch verhindern. "Aber wer von uns hat nicht schon erlebt, dass sein Smartphone plötzlich den Geist aufgegeben hat, gerade, wenn man es brauchte?" Je komplizierter die Technik, so die Argumentation der Gegner, desto größer das Risiko, dass sie einen im falschen Moment im Stich lasse. "Die zusätzliche Sicherheit ist reine Illusion", folgert die NSSF.

Die Waffen-Organisation versucht, mit entsprechenden Umfragen Stimmung gegen die smarten Waffen zu machen. Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner, zitiert die Organisation eine eigens in Auftrag gegebene Studie, sei gegenüber intelligenten Waffen "extrem misstrauisch". Nur 14 Prozent der Befragten würden überhaupt in Betracht ziehen, eine solche Waffe zu kaufen.